Eishockey

Eine neue Herausforderung in Salzburg

Ex-Eisbärentrainer bekommt in Österreich viel Macht

Bevor er vorgestellt wurde, durfte sich Don Jackson erst einmal umschauen. Das brauchte etwas Zeit, deshalb war er nicht erst am Mittwochmorgen in Salzburg eingeflogen, sondern schon am Montag. Die Basis seinen neuen Arbeitgebers, des Getränkeherstellers Red Bull, ist recht umfänglich geraten, imposant auch mit den ausgebauten Hangars und dem darin befindlichen Flug- und Sportmaterial, vor dem Jackson sich in weltmännischer Pose ablichten ließ bei seinem Rundgang.

Stattliche Ausmaße besitzt ebenso Jacksons eigentliche neue Arbeitswelt. Red Bull investiert seit vielen Jahren sehr viel Geld in das Salzburger Eishockey. So ist strukturell viel entstanden, ein richtiges Leistungszentrum. Dem steht der US-Amerikaner nun als Cheftrainer vor, das Kapitel bei den Eisbären Berlin, wo er die vergangenen sechs Jahre arbeitete und mit fünf Meisterschaften zum erfolgreichsten Trainer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) wurde, liegt hinter ihm.

Bei Red Bull Salzburg darf der 56-Jährige mehr tun als in Berlin. Dort war Manager Peter John Lee für die Auswahl der Spieler verantwortlich. Jetzt kann Jackson selbst bei der Suche nach Profis mitmischen. Solch eine Erweiterung der Befugnisse hat Jackson den Wechsel aus Berlin, wo sein Vertrag auslief, sicher schmackhaft gemacht. Er kann sich zur Abwechslung mal mit ein paar anderen Dingen beschäftigen. „Das ist eine neue Möglichkeit für mich in meinem Leben und meiner Zeit als Trainer“, sagt er. Inwiefern das für einen Mann mit seinen Erfolgen ein lohnenswerter Ansatz ist, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Denn wie das Ganze mit dem Eishockey in Salzburg derzeit eingeschätzt werden soll, dazu herrschen auch zwei Sichtweisen.

Die eine ist die, dass der Konzern mit der vollständigen Übernahme des EHC München im Mai sein zentrales Wirken ebenfalls dorthin verlegt. In München fungiert nun auch Pierre Pagé als Trainer, der gleichzeitig Sportdirektor für Eishockey bei Red Bull ist und vor Jackson in Salzburg tätig war. Salzburg soll demnach vornehmlich eine zweite Mannschaft sein, eine Art Zulieferbetrieb, in dem vor allem der Nachwuchs ausgebildet und in das Profiteam integriert wird. „Wir sind kein Farmteam von München“, stellt Jackson dazu klar. Für ihn also, wie für Red Bull offiziell auch, geht Salzburg als gleichberechtigtes Team in die neue Saison.

Einzig die Aussicht, sich für längere Zeit in der österreichischen Liga auszutoben, scheint sportlich jedoch wenig reizvoll. Salzburg spielt vor einer Minikulisse, viele starke Akteure zieht es auch nicht gerade in diese Liga. „Letztlich ist es wie überall“, sagt Jackson, „du musst die richtigen Dinge tun, um Meister zu werden.“ Eigentlich stellt sich bei Red Bull nur die Frage, wie gut man mit dem vielen zur Verfügung stehenden Geld – in Form eines üppigen Gehalts hat Jackson das sicher auch gereizt – umgehen kann. Bei Pagé zuvor trieb das ordentliche Blüten, er schleuste zahllose Profis durch das Salzburger Land. Jackson erzählt nun, dass ihm Kontinuität vorschwebt. So wie bei den Eisbären.

Noch etwas will er so handhaben, wie es in Berlin immer Maxime war. „Es ist wichtig, junge Spieler zu entwickeln und gleichzeitig Erfolg zu haben“, sagt er: „Die Herausforderung besteht darin, eine Balance zu finden, die das möglich macht.“ Als großer Förderer des Nachwuchses wird er in Berlin allerdings nicht in Erinnerung bleiben. Obwohl dies bei den Eisbären ein Anspruch an ihn war. Womöglich haben sich die strukturellen Investition in den Nachwuchs aber schon ausgezahlt bei Red Bull, so dass dieser ein gutes Niveau besitzt und leicht einzubauen ist.