Betrug

US-Baseball droht neuer Doping-Skandal riesigen Ausmaßes

Zehn Jahre nach der Aufdeckung der „Balco“-Affäre droht den USA ein weiterer Doping-Skandal von gewaltigen Ausmaßen.

Wie die Zeitung USA Today und der Fernsehsender ESPN berichten, hat sich Anthony Bosch, Chef einer Wellness-Klinik im US-Bundesstaat Florida, bereit erklärt, der Profiliga Major League Baseball (BLB) als eine Art Kronzeuge zur Verfügung zu stehen. Es geht um Doping im großen Stil.

Bosch und seine Klinik Biogenesis stehen seit einem Bericht der Miami New Times im vergangenen Januar unter Verdacht, vor allem hochkarätige Baseball-Spieler mit sogenannten „performance enhancing drugs“ (PED), also leistungsfördernden Mitteln, versorgt zu haben. Insgesamt sollen mehr als 20 Baseballer zu den Kunden von Biogenesis gehören, darunter Stars wie Ryan Braun (Milwaukee), Melky Cabrera (Toronto) und Alex Rodriguez (New York Yankees).

Die Liga hatte den Klinik-Chef in den vergangenen Wochen unter Druck gesetzt und sogar ein eigenes Ermittler-Team nach Coral Gables südlich von Miami geschickt. Eine Klage, die MLB im vergangenen März gegen Bosch eingereicht hatte, soll dem Vernehmen nach als Gegenleistung für seine Bereitschaft zur Kooperation fallen gelassen werden.

Die Affäre könnte die Baseball-Profiliga erneut mit einem schweren Image-Schaden belasten. Im Zuge der Ermittlungen um das unweit von San Francisco beheimatete Unternehmen „Balco“, das zunächst nur mit Nahrungsergänzungsmitteln handelte, war unter anderem Homerun-König Barry Bonds angeklagt worden. Strengere Dopingtests wurden in der MLB erst 2010 nach hartem Tauziehen mit der Spielergewerkschaft MLBPA eingeführt – als Folge des „Balco“-Skandals.

Mittlerweile gilt die Phase der späten 1980er bis späten 2000er Jahre als die „Ära der Steroide“, in deren Verlauf viele Schlag-Rekorde gebrochen wurden. Zahlreiche Stars dieser Zeit tauchen im 2007 veröffentlichten „Mitchell Report“ des US-Kongresses auf. Der Untersuchungsbericht nennt 89 Namen.