Basketball

Aus Vier werden Zwei

Die Bayern, Bamberg, Oldenburg und Ulm kämpfen heute um den Einzug ins Basketball-Finale

Es muss irgendwann im April gewesen sein, als Dirk Nowitzki mit den Dallas Mavericks in der NBA noch um einen Play-off-Platz kämpfte, als ein „Dirk, kannst du noch eben?“ kam, wie er es Dutzende Male am Tag hört. Damals fragte ein Sport1-Reporter, und wie so oft war sich Deutschlands Superstar für den kleinen Gefallen nicht zu schade. Wo immer es war, in einem Fahrstuhl oder ähnlichem: „The Big D“ nahm das Mikro, blickte mit der Gesichtsmähne, die er damals trug, in die Kamera und sagte pflichtbewusst: „Die Play-offs in der BBL – so spannend wie nie!“

Auch am heutigen Donnerstag wird die Prophezeiung aus einer Zeit, als in der Hauptrunde der Bundesliga noch ein halbes Dutzend Spiele anstanden, wohl wieder gesendet, denn Nowitzki hat rund zwei Monate nach dem Griff zum Rasierapparat noch immer recht. In beiden Halbfinal-Serien steht es 2:2, beide werden in einem letzten fünften Spiel entschieden. Zwischen Bamberg und dem FC Bayern (20.30 Uhr/Sport1), zwischen Oldenburg und Ulm (20 Uhr/Sport1+). Zwei Mannschaften werden danach Urlaub haben, zwei sind der Meisterschaft einen großen Schritt näher.

Das Duell in der Bamberger Stechert-Arena steht weit mehr im öffentlichen Fokus. Der Emporkömmling aus München mit seinem Meistercoach Svetislav Pesic fordert den Double-Gewinner der letzten drei Jahre aus Franken. Und der Gast reist mit breiter Brust an, denn die Bayern wehrten am Wochenende mit einem 80:71-Heimsieg den ersten Matchball Bambergs ab und erzwangen dieses alles entscheidende Spiel. Demond Greene sieht in dem Ergebnis den Schlüssel zum Erfolg, sagt: „Wenn wir die Bamberger bei 70 Punkten halten, haben wir gute Chancen, sie zu schlagen.“

Coach Pesic erwartet ein Spiel auf „Augenhöhe“ und fordert, dass seine Mannschaft „an sich glaubt“. Nur dann ließe sich Bambergs Lauf beenden. Die Franken haben seit vier Jahren keine Play-off-Serie mehr verloren und überlebten auf dem Weg zu ihren drei Titeln in Folge drei fünfte Spiele. Vor drei Jahren im Finale gegen Frankfurt, eine Saison später im Halbfinale gegen Quakenbrück und im Finale gegen Berlin.

Kein Wunder also, dass die Bamberger den Besuch der Bayern mit Zuversicht erwarten, zumal ihr Zuhause nicht umsonst „Franken-Hölle“ genannt wird. „Wir regeln das in der Stechert Arena“, sagt Bambergs Coach Chris Fleming selbstbewusst. Sein Geschäftsführer Wolfgang Heyder fügt hinzu: „Wir müssen mit der Galligkeit, die die Münchner an den Tag gelegt haben, zu Werke gehen. Dann werden wir das schon schaukeln.“

Ulms Trainer Thorsten Leibenath hat „nichts dagegen“, dass der Showdown zwischen dem Serienmeister und den glamourösen Bayern weit mehr Interesse weckt, als der, bei dem er an der Seitenlinie stehen wird. Ihm gefällt es sogar, „etwas unter dem Radar zu fliegen“. Zwischen dem Gastspiel seines Teams bei den Baskets in Oldenburg und dem Duell in Bamberg gibt es mehr als eine Parallele. Auch die Ulmer wehrten mit 81:79 einen Matchball der Oldenburger ab und glichen die Serie zum 2:2 aus. Jetzt wollen sie sich für den Kraftakt vom Wochenende belohnen. „In Oldenburg haben wir in dieser Saison schon zweimal gewonnen“, sagt Leibenath. „Deswegen fahren wir zu Spiel fünf natürlich mit dem Ziel, ins Finale einzuziehen.“

Wie die Bamberger kennen sich auch die Baskets mit fünften Spielen gut aus, und deren Erinnerungen sind noch ganz frisch. Sie gingen gerade erst im Viertelfinale gegen Bonn über die volle Distanz. Auch Oldenburgs Dominik Bahiense de Mello erwartet ein Duell „auf Augenhöhe“, will die Ulmer „bei 70 Punkten halten“ und glaubt, dass am Ende die „größere Identität in der Verteidigung entscheiden wird“. Und vielleicht auch der Heimvorteil. „Mit der Unterstützung unserer Fans wollen wir nun Spiel fünf gewinnen“, sagt Coach Sebastian Machowski.

Wer sich heute auch immer durchsetzen wird, eines steht fest: Prophet Nowitzki hat recht. Seine Prognose im Vorbeigehen kann auch während des Finales weiter gesendet werden.