Nationalmannschaft

Löw forciert den Konkurrenzkampf im deutschen Team

Klose und Bender reisen nach

Die Stimme war noch leicht belegt, aber die Stimmung ausgesprochen gut. Joachim Löw zeigte sich vom Spektakel seiner Rumpftruppe beim 4:2 (2:1) gegen Ecuador begeistert – ungeachtet kleinerer gesundheitlicher Probleme und der Wackler seiner Auswahl in der zweiten Hälfte. „Es war ein Super-Testspiel“, sagte der Bundestrainer nach dem gelungenen Auftakt der so umstrittenen USA-Reise. „In der ersten Halbzeit haben wir sehr stark und überragend Fußball gespielt, absolut klasse.“

Doch bei aller Freude: Teammanager Oliver Bierhoff überraschte alle mit offenen Abschiedsgedanken. „Ich werde mir in den kommenden Wochen Gedanken machen, wo ich für mich den Reiz sehe. Ich schätze Kontinuität. Andererseits reizt mich immer auch das Neue, und es stellen sich die Fragen: Habe ich noch etwas zu geben? Brauche ich einen neuen Anreiz und muss mal wieder raus aus der Komfortzone des Gewohnten? Da schwanke ich derzeit, das gebe ich offen zu“, sagte Bierhoff. Es droht Unruhe.

Für Löw aber war dies zunächst kein Thema, sein Fokus lag auf dem beeindruckenden Erfolg seiner bunt zusammengewürfelten Truppe in Boca Raton. Zuversichtlich konnte er deshalb nicht nur auf die Partie gegen die USA am Sonntag (20.30 Uhr, ZDF) und das Wiedersehen mit seinem früheren Chef Jürgen Klinsmann blicken. Auch für die WM 2014 in Brasilien ergeben sich für den 53-Jährigen immer neue Perspektiven. Ein Jahr vor dem Turnier am Zuckerhut ist die Auswahl an Spielern für Löw so groß wie wohl noch nie zuvor in der DFB-Historie. „Unsere Philosophie war immer, dass wir 30 Spieler brauchen, die für die Nationalmannschaft spielen können, und nicht nur 15 oder 20, weil es immer Verletzungen geben kann. Wir brauchen diesen Konkurrenzkampf“, sagte er angesichts von 15 Spielern, die in den USA erst gar nicht dabei sind.

Klose und Bender reisen nach

„Die Jungs, die neu dabei sind, haben Qualität und einen guten Charakter“, sagte Doppeltorschütze Lukas Podolski nach seinem 109. Länderspiel. Dies unterstreiche die „sehr gute Entwicklung“ im deutschen Fußball, fügte Löw an: „Wir sind auf einem sehr gutem Wege und haben eine sehr gute Mischung. Wenn man international gewinnen will, ist es eine wichtige Voraussetzung, hohes Tempo spielen zu können und ein technisch hohes Niveau zu haben. Ich habe schon einige Erkenntnisse gewonnen.“ Besonders die Neulinge Max Kruse und Sidney Sam wussten neben Lars Bender zu Gefallen.

Sie erhalten vielleicht am Sonntag gegen die USA eine neue Bewährungschance. Auf jeden Fall werden beim Spiel gegen das Team von Ex-Bundestrainer Klinsmann die Nachzügler Sven Bender (Dortmund) und Miroslav Klose (Lazio Rom) dabei sein. „Das wird ein anderes Spiel – viel mehr Zuschauer, eine ganz andere Atmosphäre“, so Löw. Der US-Verband feiert 100. Geburtstag. Das Team werde hochmotiviert sein.