Sportgeschichte

Wo einst Sepp Herberger wohnte

„Fußball Route Berlin“ bietet Historisches zwischen Brandenburger Tor und Olympiastadion

In der Bülowstraße in Schöneberg rast der Verkehr am Haus Nummer 89 vorbei. Niemand nimmt Notiz von der Gedenktafel über dem Hauseingang, die auf einen ehemaligen Bewohner hinweist: Sepp Herberger, der legendäre Trainer, der zwischen 1937 und 1944 hier gewohnt hat, als er in Berlin als Reichstrainer arbeitete. Künftig werden wohl mehr Interessierte die Tafel begutachten, denn das Herberger-Wohnhaus ist eine von elf Stationen des ersten Teilstücks der „Fußball Route Berlin“. Sie ist ein Projekt des Vereins „Sport: Kultur e.V.“ und entstand auf Initiative des Berliner Fußball-Verbandes (BFV).

Von heute an kann die Geschichte des Fußballs – am besten mit dem Fahrrad – erkundet werden. Die Strecke führt über eine Länge von 24 Kilometern vom Brandenburger Tor bis zum Olympiastadion. Zwei weitere Touren sollen in diesem Herbst und im Sommer 2014 folgen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Berlin (ADFC) hat auf der Internetseite www.fussballrouteberlin.de einen detaillierten Routenplan über verkehrsarme Straßen zusammengestellt.

Die erste Station befindet sich am Brandenburger Tor. Seit die Weltmeisterschaft 2006 als „Sommermärchen“ in die Geschichte eingegangen ist, versammeln sich hier immer wieder Hunderttausende zum Public Viewing. Es geht weiter zur Wiese vor dem Reichstag, die seit dem Mauerbau 1961 ein beliebter Ort für Freizeitkicker war. Seit 2003 ist das Spielen vor dem Sitz des Deutschen Bundestages allerdings verboten. Weitere Stationen sind zum Beispiel das Schlosshotel Grunewald, in dem das DFB-Team bei der WM 2006 wohnte, oder das Gelände der 2011 abgerissenen Deutschlandhalle, in der Jahrzehnte lang „Budenzauber“ stattfand.

An Haltepunkten wie Mommsenstadion oder Olympiastadion steigt man tief in die Historie ein. In den kommenden Monaten sollen hier wie überall noch Informationstafeln aufgestellt werden (bisher gibt es zumeist nur Infos auf besagter Website), die sich mit der Gleichschaltung des Sports durch die Nationalsozialisten, aber auch dem Ausschluss jüdischer Spieler befassen. Denn ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Geschichte während der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei wird die zerstörte Vielfalt im Berliner Sport thematisiert.