Wasserball

Serienmeister vor dem Umbruch

Wasserfreunde verlieren Stammkräfte. Aber Oeler soll zurückkehren

Wenn Erik Bukowski zum Abschied zwei Wünsche frei hätte, wären es zwei Spiele mit den Wasserfreunden Spandau. Das hieße nämlich, dass der Titelverteidiger heute im vierten Meisterschaftsfinale beim ASC Duisburg gewinnen und so ein entscheidendes fünftes Spiel am Sonnabend (16 Uhr, Schwimmhalle Schöneberg) in Berlin erzwingen würde. Noch führen die Westdeutschen 2:1 nach Siegen. Aber „wir wollen in Duisburg gewinnen und am Sonnabend auch. Daran führt kein Weg vorbei“, sagt der 26-Jährige. Er käme dann als neunmaliger Wasserball-Meister zu seinem neuen Verein SG W98/Waspo Hannover.

Denn auch daran führt kein Weg vorbei: Die Wasserfreunde verlieren erneut einen ihrer besten Spieler. Zu verlockend war das Angebot aus der niedersächsischen Hauptstadt. Der Student des Wirtschaftsingenieurwesens kann dort im Oktober seine Diplomarbeit beginnen, wird von der Firma eines Sponsors bezahlt, die ihn auch anschließend beschäftigen will, und kann sich zudem auf sein größtes sportliches Ziel vorbereiten, die Olympischen Spiele 2016 in Rio des Janeiro. „So eine Kombination gibt es in Berlin nicht. Deshalb war es nicht wirklich eine Alternative, hier zu bleiben“, sagt der 26-Jährige.

Sehr schwer fällt es ihm, seine Heimatstadt zu verlassen. Als 17-Jähriger holte er hier seine erste Meisterschaft, reifte zum Nationalspieler. Schon sein Vater Piotr, in Polen geboren, aber in Deutschland heimisch geworden, hatte viele Titel mit Spandau gewonnen. Wie die meisten im Klub verstand aber auch er die Entscheidung seines Sohnes: „Auf völliges Unverständnis bin ich nirgends gestoßen. Es wird akzeptiert.“ Gerade im Wasserball, wo man kaum reich werden kann, müssen die Sportler irgendwann darauf schauen, wie es nach der Karriere weitergehen soll. So hatten die Wasserfreunde schon in den vergangenen Jahren enorme personelle Verluste zu verkraften. Und der Trend setzt sich fort. Nach dieser Saison wird nicht nur Erik Bukowski fehlen. Mit Marc Politze (35) und Fabian Schrödter (30) planen weitere Stammkräfte, sich auf den Beruf zu konzentrieren. Torwart Alexander Tchigir (44) hat im reifen Wasserball-Alter ebenfalls seinen Rücktritt angekündigt.

Fieberhaft wird daran gearbeitet, Ersatz zu finden – diese Aufgabe ist momentan genauso groß wie die sportliche. Gesucht werden ein Torhüter, ein Verteidiger und ein Angreifer für die linke Seite. Hier zumindest scheint ein erstklassiger Kandidat schon gefunden: Nationalspieler Moritz Oeler (27) soll aus Ungarn zurückkehren. Er schaute am vergangenen Wochenende bereits gegen Duisburg zu und verhandelt mit den Spandauern, wie zu hören war. Doch zunächst gilt alle Konzentration dem Versuch, Bukowskis zwei Wünsche zu erfüllen.