Personalien

Sammer schießt auf den DFB, Löw auf Sammer

Diskussion um Position des Sportdirektors neu entbrannt

Bundestrainer Joachim Löw flüchtete sich in Ironie, Generalsekretär Helmut Sandrock griff sofort zum Telefonhörer und bat um Zurückhaltung: Der ehemalige Sportdirektor Matthias Sammer hat mit seinen kritischen Aussagen zur Suche nach seinem Nach-Nachfolger für Verstimmung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gesorgt. Zwar beteuerte Sandrock, das Verhältnis werde nicht nachhaltig getrübt, der Ärger im Kreise des DFB war aber deutlich spürbar.

„Dann kann er ja zurückkommen“, murmelte Löw süffisant schmunzelnd, als er von Sammers Aussage erfuhr, man müsse für den Posten des Sportdirektors einen „guten Idioten“ finden. „Ich halte die Aussagen für nicht gut. Und das habe ich ihm auch schon so gesagt“, erklärte Sandrock, der den Sportvorstand von Rekordmeister Bayern München umgehend von Miami aus kontaktierte. Auf die Frage, ob er Sammer um Zurückhaltung gebeten habe, antwortete Sandrock: „Wenn Sie das so sehen wollen.“

Zu hoch hängen wollte der Generalsekretär die Aussagen Sammers („In Zukunft muss die Position viel höher angesiedelt werden, sonst werden sie keinen guten Idioten mehr finden“) aber auch nicht. „Wir tragen es ihm nicht nach. Aus der Emotion heraus schießt man manchmal über das Ziel hinaus“, sagte der 56-Jährige: „Ich kenne seine emotionale Seite.“

Die Frage nach der Neuordnung nach dem Abgang von Robin Dutt (48) zum Bundesligisten Werder Bremen rückte deshalb für einen Moment in den Hintergrund. Löw kann sich einen DFB-Sportdirektor in der bisherigen Form aber nicht mehr vorstellen. Es sei „undenkbar“, dass der Nachfolger von Robin Dutt und Matthias Sammer „die Verantwortung für alle Bereiche im DFB trägt. Man muss sich Gedanken machen, das zu unterteilen“, sagte der 53-Jährige. Zuvor hatte sich bereits Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff für eine Aufgabenteilung ausgesprochen.

Dutt und Sammer hätten beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) „eine Vielzahl von Aufgaben gehabt: Breitensport, Trainerausbildung, Jugendarbeit, Verbandsarbeit. Ich weiß nicht, ob man diese Säulen, die relativ autark sind, künftig nicht separat aufstellt. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass diese ganzen Dinge schwer zu bewältigen sind für die Sportdirektoren“, meinte Löw. Er plädierte deshalb dafür, „den Fußball in unserem Elitebereich zu konzentrieren. Das heißt die U-Mannschaften, eine Philosophie zu transportieren und durchgängig zu machen, Schulungen der Trainer, Ausbildung, Analysen, Personalentscheidungen in den U-Bereichen. Das sind die ganz wichtigen Themen“, betonte Löw.

Beim DFB sind laut Sandrock schon „etwa zehn Bewerbungen eingetroffen“. Unter den Bewerbern seien „durchaus auch interessante. Eine schlechte Adresse sind wir sicher nicht.“ Etliche Namen wie Stefan Kuntz, Oliver Kahn, Felix Magath, Christoph Metzelder oder Thomas Schaaf werden derzeit gehandelt.