Fußball

Die historische Chance

Noch nie hat ein Bundesligist das Triple gewonnen. Nun wollen die Bayern nach Meisterschaft und Champions League den DFB-Pokal

Die Bayern wollen Geschichte schreiben. „Es ist viel, viel mehr als ein Pokalfinale am Samstag – viel mehr für die Spieler, viel mehr für den Klub“, sagte Sportchef Matthias Sammer. Nach Meisterschaft und Champions-League-Sieg wollen die Münchener mit dem DFB-Pokal in Berlin das Triple erreichen. Ein solcher Dreifacherfolg gelang noch nie einem Bundesligisten – nicht mal dem legendären Bayern-Ensemble um Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und Gerd Müller in den 1970-er Jahren. „Wir sind emotional auf dem Höhepunkt mit diesem Champions-League-Titel. Aber das darf nicht dazu führen, jetzt im Pokalfinale eine historische Chance zu vergeben“, mahnte Sammer gewohnt deutlich.

Robben fährt Fahrrad

Der Dienstag war für die Idole der Münchner Fans der erste Arbeitstag nach dem 2:1 im Finale gegen Borussia Dortmund und der Rückkehr aus London. Sie trainierten für das DFB-Pokalfinale am Sonnabend gegen den VfB Stuttgart unter Ausschluss der Öffentlichkeit, trotzdem waren Dutzende Anhänger zur Säbener Straße gekommen. „Langsam realisiere ich, dass wir es wirklich geschafft haben. Den Sonntag habe ich wie in einem Rausch erlebt. Erst als ich Montagmorgen zu Hause aufgewacht bin, dachte dich: Wir sind wirklich Champions-League-Sieger“, sagte Siegtorschütze Arjen Robben.

Die Müdigkeit war ihm Dienstagmittag noch anzusehen. Trainer Jupp Heynckes hatte entschieden, dass der Offensivstar zur Regeneration nur Fahrrad fährt. Vorher hatte Robben die zahlreichen Nachrichten auf seinem Handy gelesen, sie kamen aus aller Welt. „Auf einmal hast du viel mehr Freunde“, so der Niederländer grinsend. Es seien auch Nachrichten darunter gewesen, die ihm sehr viel bedeuten. Vor allem die von jenen Menschen, die schon in der vergangenen Saison zu ihm gestanden hätten, als er im verlorenen Finale gegen den FC Chelsea einen Elfmeter vergab. „Von Chelsea sind auch Nachrichten gekommen“, erzählte er. Sein Freund Petr Cech, Torhüter der Londoner, gratulierte ihm, auch die englischen Stars John Terry und Frank Lampard meldeten sich. „Sie haben damals die Enttäuschung in unseren Gesichtern gesehen. Sie wissen, was so ein Sieg bedeutet und gönnen es mir richtig“, erzählte Robben. Nach dem Abpfiff hatte er Tränen in den Augen. Mit seinem Kollegen Bastian Schweinsteiger saß er ganz ruhig im Mittelkreis.

In der legendären Nacht hatte Robben kaum in Worte fassen können, was in diesen Momenten in ihm vorgegangen war. Dienstag sprach er erstmals ausführlich über seine Gefühle. „Basti und ich saßen da, haben hoch in den Himmel geschaut und uns gesagt: Wow! Schön, dass wir hier liegen.“

In den vergangenen Tagen habe er sich die Szenen immer wieder im niederländischen Fernsehen angesehen. Der Triumph sei für jeden aus der Mannschaft ganz besonders, „das ist für immer“. Doch es gebe einige „Extra-Spieler“, die ganz besondere Emotionen spürten. Schweinsteiger und sich selbst zählt er dazu. Als eine Art Schicksalsgemeinschaft waren sie wohl da zusammengekommen, auf dem Rasen der Arena, als alles vorbei war, alles getan war. „Basti kommt aus der Jugend des FC Bayern und hat gegen Chelsea auch einen Elfmeter verschossen. Ich freue mich sehr für ihn. Manchmal verliert man, und es ist richtig peinlich. Daher kann man das jetzt noch besser genießen. Es war ein super Moment, damit kann man vieles abschließen“, so Robben. Nach seinen vergebenen Torchancen in der ersten Halbzeit habe er sich in der Pause kurz zusammenreißen müssen. Er habe gespürt, dass er einfach auf eine weitere Gelegenheit warten müsse. Und nach der Rückkehr in die Heimat? Hat er da noch weitergefeiert? „Ich war am Sonntagabend um halb zehn im Bett. Ich bin fast 30“, sagte er.

Robben ist in dieser Woche das Thema. Fans, Experten, Spieler anderer Klubs – alle sprechen über ihn, über sein Fußballmärchen. Und immer wieder geht es in den Gesprächen auch um Robbens angeblichen Egoismus. „Das ist der größte Unsinn. Manchmal ärgert mich das, aber ich kann damit leben“, so der 29-Jährige. Er habe sich nicht geändert. Und sagt: „Egoismus gehört ein bisschen zu meinem Spiel, aber das ist nichts Böses.“ Sein Vertrag beim FC Bayern gilt bis 2015. Nach der Verpflichtung von Mario Götze gab es zahlreiche Wechselspekulationen: Robben zu Manchester City, Robben in die Türkei, Robben nach Italien.

Der Profi selbst sagt, dass die Kritik der vergangenen Jahre und die Gerüchte nicht so wichtig seien. Für ihn sei entscheidend, was Klubchef Karl-Heinz Rummenigge und Sportvorstand Sammer gesagt hätten. Sie haben Robben immer wieder das Vertrauen ausgesprochen und erklärt, dass der Klub mit ihm plant. „Da muss ich nichts mehr sagen.“