Fußball

Dortmund in der Millionen-Falle

Der BVB sucht Ersatz für Götze und Lewandowski, doch überall schießen die Preise in die Höhe

Finale verloren, dennoch liegt die Messlatte verdammt hoch. Borussia Dortmund hat in den vergangen drei Jahren Aufsehen erregt: zwei Meisterschaften, ein DFB-Pokalsieg, dazu der Einzug in das Endspiel der Champions League (1:2 gegen Bayern München) – wie stellt sich der Klub nun für die kommende Saison auf?

Die Überwindung der aktuellen Depression wegen der knappen Niederlage von Wembley dürfte dabei das geringste Problem sein. „Wir werden zurückkommen“, hatte Trainer Jürgen Klopp noch in London versprochen. Schwieriger dürfte es werden, die notwendigen personellen Weichenstellungen vorzunehmen, um auch in den kommenden Jahren national und international eine gute Rolle zu spielen. Wie soll der Verlust von Mario Götze, der zu den Bayern wechseln wird, kompensiert werden? Wer soll Robert Lewandowski ersetzen, dessen Wechsel zu den Münchenern „in den nächsten ein, zwei Wochen“ ebenfalls beschlossene Sache sei. So behauptete es gestern jedenfalls der Agent des polnischen Nationalspielers.

„Wir werden eine relativ ordentliche Mannschaft haben. Wir müssen nur hart dafür arbeiten“, sagte Klopp. Es gilt erneut einen Kader zusammenzustellen, der den erfrischenden Offensiv-Fußball zelebrieren kann, für den der BVB so viel Beifall erhält.

Die wohlwollende Berichterstattung der internationalen Presse rund um das Finale von Wembley belegt: Viele europäischen Fußballkritiker und Fans wünschen es sich, dass die Dortmunder Erfolgsgeschichte fortgeschrieben wird. Eben auch, weil es bislang die klassische Story eines Underdogs war.

Doch die Rolle des Außenseiters, der mit vergleichsweise weniger finanziellen Mitteln mehr erreicht als wirtschaftlich stärkeren Konkurrenten, können die Borussen im kommenden Jahr nicht mehr für sich reklamieren. Die Maßstäbe, die zukünftig angelegt werden, werden andere sein. So hat die rauschhafte Saison in der Königsklasse allein 66 Millionen Euro in die Klub-Kasse gespült. Für Götze gibt es 37 Millionen vom FC Bayern. Sollte, wie erwartet, auch Lewandowski wechseln, kommen weitere 25 Millionen hinzu. Ergibt zusammen Einnahmen von 128 Millionen Euro.

Bisher war alles, was Trainer Klopp gemacht hat, richtig. Mittlerweile geht er in sein sechstes Trainer-Jahr in Dortmund. Vieles spricht dafür, dass es sein schwerstes wird. „Wir müssen den Kader in der Breite verstärken“, sagt Klopp. Bislang haben er und Sportdirektor Michael Zorc es geschafft, auch Abgänge von namhaften Spielern wie Nuri Sahin (2011 zu Real Madrid) oder Shinji Kagawa (2012 zu Manchester United) zu ersetzen. Dafür kamen Ilkay Gündogan und Marco Reus – die Dortmunder hielten ihr Niveau.

Aktuell weiß die Konkurrenz natürlich, dass Dortmund Geld hat – und unter Druck steht. So verdoppelte Atlético Mineiro in Gesprächen mit dem BVB die Ablöseforderung für Bernard, einem 20jährigen offensiven Mittelfeldspieler, mal eben von zehn auf zwanzig Millionen Euro. Kevin de Bruyne (21) etwa würde gern nach Dortmund wechseln, bekommt nun möglicherweise aber keine Freigabe vom FC Chelsea. Jose Mourinho, der mutmaßliche neue Trainer in London, hat das erhebliche Interesse der Borussen am quirligen belgischen Nationalspieler registriert. Auch auf den Abgang von Lewandowski bereitet sich der BVB vor. Es heißt, zehn Millionen hat Dortmund für Pierre-Emerick Aubameyang geboten, einem Stürmer von AS St. Etienne. Bisher steht jedoch eine Einigung aus.