Fußball

Auf den Spuren von Cruyff und Messi

Bayern München hofft, eine Ära wie Ajax Amsterdam und der FC Barcelona zu prägen

Wie werde ich glücklich? Die vermeintliche Antwort findet sich an Bahnhöfen und Flughäfen. In den Geschäften dort stehen Ratgeber bereit, „Zufriedenheit to go“ für den Manager oder Touristen auf dem Weg zum Check-in oder Gleis. Jetzt kommt ein neues Buch dazu: „Tu, was du kannst – und sei mutig“ heißt es, und die Rückseite verspricht: „Pep up your life – mit Guardiola zum Erfolg.“

Josep „Pep“ Guardiola übernimmt Ende Juni das Traineramt beim FC Bayern. Den Spanier erwartet eine schwere Aufgabe. Sein Vorgänger Jupp Heynckes hat nach der Meisterschaft auch die Champions League gewonnen – und beste Chancen, im Finale am Sonnabend in Berlin gegen den VfB Stuttgart noch den DFB-Pokal zu holen. Kann Guardiola bei diesen Rekord-Bayern überhaupt noch etwas besser machen?

Spanier sind voll des Lobes

Man kann es auch anders sehen: Guardiola findet optimale Bedingungen vor, mit den Münchnern eine Ära zu prägen, mit dem FC Bayern so erfolgreich zu werden, wie es der Klub in den 70er-Jahren gewesen ist. Damals gewannen die Legenden um Torwart Sepp Maier drei Mal den Europapokal der Landesmeister (1974–76). Oder so stilprägend und so dominant wie das Real Madrid von Alfredo di Stefano in den 50ern, das Ajax Amsterdam von Johan Cruyff (1971–73) vor 40 Jahren, das ist der Traum der Fans.

Spanische und englische Medien schreiben, der FC Bayern sei der Konkurrenz aus ihren Ländern „meilenweit voraus“, Experten schwärmen von der Spielanlage und der Effizienz der Münchner. Franck Ribery ist laut Statistiken hinter Barcelonas Superstar Lionel Messi der zweitbeste Spieler der Saison, er und Bastian Schweinsteiger sowie Philipp Lahm haben (Außenseiter-) Chancen bei der Wahl zum Weltfußballer des Jahres.

In besagtem neuen Glücksbuch baut der Autor das Kapitel „Persönliche Erfüllung“ auf diesem Zitat Guardiolas auf: „Ich möchte Spuren im Sand hinterlassen.“ Beim FC Barcelona ist ihm dies gelungen. In vier Jahren gewann er 14 Titel. Er machte den Klub zur Blaupause des modernen Fußballs. Macht er aus dem FC Bayern jetzt ein neues, noch besseres Barcelona?

Die englische Stürmerlegende Alan Shearer hat den Finalsieg der Bayern in Wembley analysiert und glaubt, dass der deutsche Rekordmeister den europäischen Fußball in den nächsten Jahren dominieren wird. Der 42-Jährige schreibt in einem Beitrag für The Sun: „Europa sollte sich für eine Ära der Dominanz der Bayern wappnen, die größer sein wird als die Barcelonas. Auch wenn es die neuen Trainer von Manchester United, Manchester City und Chelsea ungern hören: Ich denke, die Bayern sind in Begriff, Europa für mindestens fünf Jahre zu regieren.“ Auf eine spanische Ära werde eine deutsche folgen, die Briten könnten einiges lernen. Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß sagte nach dem Finalsieg, dass nicht mehr möglich sei, als die Nummer eins zu sein. Ziel müsse jetzt sein, das hohe Niveau zu halten.

Tatsächlich können sich die Bayern noch steigern, selbst wenn sie das Triple schaffen sollten. In der neuen Saison haben sie Chancen auf sechs Titel: Meisterschaft, DFB-Pokal, Champions League, dazu den nationalen Supercup (27. Juli), den europäischen (30. August gegen den FC Chelsea) und die Klub-WM (11. bis 21. Dezember in Marokko).

Kapitän Philipp Lahm schwärmte jüngst in der Welt am Sonntag: „Es passiert jetzt so, wie ich es mir immer erträumt habe: Mit meinem Verein, bei dem ich groß geworden bin, eine Größe in Europa zu werden. Wir sind noch längst nicht am Ende. Die Mannschaft ist im besten Alter, wir können in der nahen Zukunft jedes Jahr um einen internationalen Titel spielen.“

Lahms Klub verfügt über ein Eigenkapital von rund 300 Millionen Euro. In der beendeten Saison in der Königsklasse hat der Verein mehr als 70 Millionen Euro eingenommen. Allein für den Finalsieg gab es vom europäischen Verband Uefa 10,5 Millionen. In wenigen Jahren will der FC Bayern zudem die Allianz Arena abbezahlt haben und hat dann pro Jahr rund 30 Millionen mehr zur Verfügung – zum Beispiel für neue Spieler. „Wir sind dann der reichste Klub der Welt“, sagt Hoeneß. Ohne Schulden, ohne Investor, der reinredet.

Der Klub hat in Guardiola den Trainer verpflichtet, den viele für den besten der Welt halten. Er hat in Mario Götze von Borussia Dortmund den Spieler verpflichtet, dem viele zutrauen, der beste der Welt zu werden. Stürmerstar Robert Lewandowski wird aller Voraussicht nach dazu kommen.

Die Macht der neuen Medien

Zudem hat der FC Bayern früh die Macht der neuen Medien erkannt und die Weichen für die Zukunft gestellt: Die Internetseite des Vereins ist in sieben Sprachen zu lesen, mit „myfcb“ hat er eine Art Facebook für Fans ins Leben gerufen. Die Mannschaft reiste für Testspiele schon nach Indien und China.

Einfach wird es für den FC Bayern trotzdem nicht. Nach dem Triumph in der Champions League 2001 feierten die Münchner in der Folgesaison bis auf den recht unbedeutenden Weltpokal keinen Titel. Sie zweimal in Folge zu gewinnen, das ist zuletzt 1989/1990 dem AC Mailand gelungen.

Menschen, die Guardiola kennen, sind sicher, dass er neue Reize setzen wird. Dass die Generation um Lahm und Bastian Schweinsteiger auf Klubebene nun „satt“ sei, dieser Gefahr entgegen manche in München mit einer Frage: Wer war der erste Trainer, der mit einer Mannschaft sechs Titel in einer Saison gewann? Es war der Trainer des FC Barcelona, 2009. Es war Guardiola.