Formel 1

Triumph mit Beigeschmack

Mercedes-Pilot Nico Rosberg gewinnt den Grand Prix in Monaco. Sebastian Vettel wird Zweiter. Doch es gibt Zoff wegen Reifentests

Wenn das aus der Bibel stammende Sprichwort „Aller guten Dinge sind drei“ tatsächlich Gültigkeit besitzt, konnte es nur einen Gewinner geben. Die Redensart meint die Dreifaltigkeit – im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Zudem ist die „3“ eine heilige Zahl, abgeleitet von den „Heiligen drei Königen“. Was konnte da noch schiefgehen für Nico Rosberg, den deutschen Formel-1-Rennfahrer?

Zum dritten Mal hintereinander startete der Mercedes-Pilot in dieser Rennsaison von der Poleposition. Außerdem fuhr er vor heimischem Publikum. Seit der Geburt lebt der 27-Jährige in Monte Carlo, er kennt den 3,340 Kilometer langen Stadtkurs so gut wie kein Zweiter. Logisch also, könnte man denken, dass Rosberg als Erster vor Weltmeister Sebastian Vettel und dessen Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber aus Australien abgewinkt wurde.

„Das ist einfach nur fantastisch“, strahlte Rosberg. „Ich bin hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ich bin schlecht gestartet, dann aber ist das Auto sehr gut gelaufen. Ein perfektes Wochenende.“ Vettel wirkte nicht gerade zerknirscht, als er dem Sieger gratulierte. „Glückwunsch an Nico“, sagte Vettel. „Er hat das Rennen sehr gut kontrolliert.“

Selbst eine längere Unterbrechung nach einem schweren Unfall und insgesamt drei Neustarts konnten den wie entfesselt fahrenden Rosberg bei der Hatz durch die Häuserschluchten nicht stoppen. Sein Start-Ziel-Sieg war zu keiner Sekunde gefährdet. Für ihn war es wie für Mercedes seit dem Comeback 2010 erst der zweite Sieg nach seinem Erfolg beim Großen Preis von China im April 2012. Adrian Sutil als Fünfter vervollständigte das Traumergebnis für die Deutschen.

Konkurrenz legt Protest ein

Rosbergs Freude wurde allerdings getrübt. Vor dem prestigeträchtigen Preis von Monaco war bekannt geworden, dass Mercedes vor dem Rennen im Fürstentum geheime Reifentests durchgeführt hatte. Rosberg hatte sich daran nicht beteiligt, wohl aber Teamkollege Lewis Hamilton. Der Brite absolvierte mit den neuen Pirelli-Reifen 1000 Kilometer und damit rund drei Renndistanzen auf dem Grand-Prix-Kurs bei Barcelona. „Das ist gegen die Regeln“, zürnte Red-Bull-Teamchef Christian Horner und legte beim Automobil-Weltverband Fia Protest ein. Auch Ferrari schloss sich an: „Ein Protest ist die einzige Möglichkeit, die wir haben. Das ist nichts Persönliches gegen Mercedes“, sagte Teamchef Stefano Domenicali. Lotus könnte sich ebenfalls dem Protest anschließen.

Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery und die Silberpfeil-Verantwortlichen hielten dagegen. Einhellig erklärten sie, dass es sich zu 90 Prozent um Tests der Reifen für 2014 gehandelt habe. Die Initiative für den Test kam vom Reifenhersteller. Angeblich soll sich Mercedes nach Angaben von Teamaufsichtsratschef Niki Lauda bei Rennleiter Charlie Whiting auch rückversichert haben. Der neue Mercedes-Sportchef Toto Wolf sagte: „Einige schreien jetzt laut. Es ist schade, dass man nicht anerkennt, was wir leisten.“ Grund des Unmuts ist, dass Mercedes mit seinen aktuellen Rennwagen testete. Hätte der deutsche Rennstall ein letztjähriges oder altes Auto eingesetzt, wäre es kein Aufreger gewesen. Definitiv liefern Hamiltons Testkilometer wichtige Daten, die zum Vorteil gegenüber der Konkurrenz gereichen.

Das Erfolgserlebnis sollte die zunächst für die Silberpfeilen aber nicht mindern. Lange hatte Rosberg dafür gekämpft. Viermal insgesamt hatte er bereits ein Qualifying gewonnen, dreimal gingen der gebürtige Wiesbadener und sein Teamkollege Lewis Hamilton von der ersten Startreihe in ein Rennen. So auch beim Großen Preis von Monaco. Allerdings stellte sich wieder die Frage: Konnte Mercedes seine Probleme mit den Hinterreifen beheben, die einen Grand-Prix-Sieg in diesem Jahr bisher verhindert hatten?

Im Qualifying wärmen sich die Hinterreifen schon nach wenigen Runden fast optimal auf. Mit einer Temperatur von 140 Grad lassen sich extrem schnelle Trainingsrunden fahren. Auf der Grand-Prix-Distanz von über 300 Kilometer allerdings verschleißen die Pneus von Mercedes schneller als die der Konkurrenz. Sie werden zu heiß, erreichen über 160 Grad und bieten dann keine Haftung mehr. Lediglich bei den Rennen in Malaysia und China hatte es zu einem Podestplatz für Hamilton gereicht, Rosberg war leer ausgegangen.

Diesmal war jedoch alles anders. Rosberg machten weder abbauende Reifen noch die drei Neustarts nach Unfällen einen Strich durch die Rechnung. Besonders heftig hatte es in der 46. von 78 Runden gekracht, als Max Chilton den Unfall verschuldet hatte. Sein Marussia-Teamkollege Jules Bianchi raste deshalb in Pastor Maldonado. Der Venezolaner prallte ungebremst in die Absperrung. Maldonado konnte aber unverletzt aus dem Wrack steigen. Die Rennleitung unterbrach das Rennen sofort, um das kaputte Auto bergen und die Strecke säubern zu können. Die Piloten stiegen aus ihren Rennwagen, und alle Teams wechselten in der elf Minuten langen Zwangspause außerplanmäßig erneut die Reifen, um für das Finale bestens gerüstet zu sein.

Titelverteidiger Vettel, als Dritter in Rennen gegangen, hatte gleich nach dem Start attackiert, doch Rosberg war nicht beizukommen. Als Trost bleibt dem dreimaligen Weltmeister, dass er seinen Vorsprung in der WM-Fahrerwertung mit 107 Punkten nun auf 21 Zähler vor Kimi Räikkönen (86) ausbauen konnte. Der Finne rettete als Zehnter im Lotus trotz eines Unfalls gegen Ende noch einen Punkt. Zweiter großer Verlierer war Fernando Alonso. Der Ferrari-Pilot wurde nur Siebter, ist aber in der Gesamtwertung weiterhin Dritter (81).