Tennis

Gehandicapt auf roter Asche

Deutsche Hoffnungsträger gehen verletzungsgeplagt in die French Open. Lisicki in Runde zwei

Tommy Haas war nicht weniger froh als sein Berufskollege Florian Meyer und Angelique Kerber sowie Julia Görges. Wenn die Auslosung dumm gelaufen wäre, hätten die vier Tennisprofis gleich am ersten Tag der French Open ihre Auftaktspiele bestreiten müssen. Doch der Gang auf die Sandplätze in Paris blieb ihnen am Sonntag erspart. Gut für die deutschen Hoffnungsträger.

Jeder Tag der Schonung ist für Haas und Co. ein gewonnener Tag auf dem Weg zurück zu neuen Leistungshöhen, auf dem sie zuletzt krankheits- oder verletzungsbedingt gebremst wurden. Haas hatte vorige Woche beim Turnier in Düsseldorf wegen einer Erkältung gepasst. Mayer laboriert an einer Oberschenkelverletzung. Kerber plagt eine Bauchmuskelzerrung. Görges testete am Sonnabend auf dem Trainingsplatz drei Tage nach ihrer Aufgabe beim Turnier in Brüssel ihr lädiertes rechtes Handgelenk.

Äußern mochte sich die Bad Oldesloerin nach ihrer Übungseinheit nicht. Die Blessur schien die 24-Jährige aber bei Aufschlag und Vorhand weiterhin zu behindern. Auch Kerber ist noch nicht topfit. Es verwundert also nicht, dass sich ihr Optimismus in Grenzen hält, auch wenn sie in ständiger Behandlung ist „und mir alle sagen, dass nichts Schlimmeres passieren kann“. Die Ärzte stimmten ihrem Start zwar zu und sie werde auf jeden Fall spielen, „aber ob es hält, weiß ich nicht“.

Gleich das erste Duell beim zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres wird für Kerber zu einem echten Prüfstein. Auf die 25 Jahre alte Linkshänderin aus Kiel wartet am Montag ihre Fed-Cup-Teamkollegin Mona Barthel. Die Bad Segebergerin führt im direkten Duell 2:1. Barthel gewann auch das bislang letzte Duell zu Beginn des Jahres in Doha/Katar. „Wir sind in Paris, und das ist ein Grand Slam. Es ist schade, dass wir so früh gegeneinander spielen, aber ich grübele nicht darüber nach, wer auf der anderen Seite steht“, sagte Kerber.

Gut ins Turnier gestartet ist die Berlinerin Sabine Lisicki. Die 23-Jährige setzte sich zum Auftakt der French Open am Sonntagabend gegen Sofia Arvidsson (Schweden) 6:3, 6:4 durch. In Runde zwei trifft Lisicki nun entweder auf Maria-Teresa Torro-Flor (Spanien) oder Julia Glushko (Israel). Bislang hat sie noch nie die zweite Runde bei den French Open überstanden. Auch die deutschen Qualifikantin Dinah Pfizenmaier stehen in Paris in der zweiten Runde. Sie gewann gegen Mandy Minella (Luxemburg) 7:5, 6:1.

Bei den Herren macht Haas einen hoffnungserweckenden Eindruck. Sichtlich zufrieden verließ er nach dem letzten Training im Stade Roland Garros die legendäre Anlage. Seine Comebackoffensive ist auch den Franzosen nicht verborgen geblieben. Schon im vergangenen Jahr wurde Haas auf einer Welle der Sympathie bis in die dritte Turnierrunde getragen. So wie das Spieljahr 2012 für Haas endete, mit einem Spiel gegen einen Lokalmatador (Gasquet), so beginnt 2013 – zum Start muss Haas gegen Guillaume Rufin ran, den 88. der Weltrangliste. Mit 35 Jahren ist er der älteste Turnierstarter. Seine Premiere in Paris liegt 15 Jahre zurück. An guten Tagen kann Haas noch immer jeden Rivalen besiegen. Auch in Paris hat er das schon bewiesen. Für ihn ist Rafael Nadal wieder der große Favorit. Der Spanier strebt seinen achten Triumph an. Wozu er selbst bei dem mit 21 Millionen Dollar dotierten Turnier in der Lage sein wird, lässt die Nummer 14 der Welt unbeantwortet. „Ich will hier noch mal ein richtig gutes Ergebnis rausholen“, sagte er. Anknüpfen am besten an die Münchner Tage, die Anfang Mai mit einem Turniersieg endeten, gegen starke Konkurrenz, gegen Landsmann Philipp Kohlschreiber im Finale, immerhin ein Top-20-Spieler.