Wasserball

Wasserfreunde sind plötzlich wieder aufgetaucht

Spandau 04 verkürzt in der Wasserball-Finalserie auf 1:2

So schnell kann manchmal aus geringer Hoffnung riesige Zuversicht werden. Einen Tag nach dem deprimierenden 7:11 gegen den ASC Duisburg drehten die Wasserfreunde Spandau 04 im dritten Spiel um die deutsche Wasserball-Meisterschaft das Stimmungsbarometer auf Sonnenschein und bezwangen den Pokalsieger mit 10:7 (3:3, 3:2, 2:1, 2:1). Zwar liegen sie in der Play-off-Serie nach dem Modus „Best of five“ nun immer noch 1:2 zurück und müssen am Mittwoch eine sehr knifflige Aufgabe in Duisburg bestehen. Doch jetzt trauen sie sich das wieder zu. „Sie wollen zu Hause eine Feier veranstalten, aber wir wollen ihnen diese Feier versauen“, kündigte Spandaus Kapitän Marc Politze an. Gelingt der Plan, gäbe es am Sonnabend das entscheidende fünfte Spiel erneut in der Schwimmhalle Schöneberg.

Von einer „Wiederauferstehung“, sprach Präsident Hagen Stamm, eine „komplett andere Mannschaft“ hatte Manager Peter Röhle gesehen. Gemeinsamer Tenor: Spandau ist noch nicht abgemeldet, die Meisterserie muss nach sechs Titeln in Folge noch nicht enden. Dabei war das Berliner Team im warmen Wasser erneut kalt erwischt worden und lag schnell 0:2 zurück. Doch diesmal gab es statt Verzagen Kampf, statt Zögerlichkeit Entschlossenheit. Innerhalb weniger Minuten brachten Politze, Andreas Schlotterbeck und Marko Stamm, die insgesamt jeweils zweimal trafen, die Gastgeber 3:2 in Führung. Von nun an gerieten sie nie mehr in Rückstand.

Torwart Höhne reaktionsstark

Der für den erkrankten Torhüter Alexander Tchigir aufgebotene Tim Höhne zeigte eine famose Leistung, insgesamt wurde in der Defensive konzentriert gearbeitet, und im Angriff wurde endlich wieder getroffen – von sieben verschiedenen Torschützen. „Alle waren viel präsenter, sie wollten unbedingt gewinnen“, erkannte Röhle. „Wir haben selbst nicht kapiert, was da am Sonnabend los war“, sagte Nationalspieler Erik Bukowski, „denn wir sehen uns selbst mindestens als ebenbürtig mit den Duisburgern. Heute haben wir das gezeigt, und so soll es weitergehen.“

Natürlich kam auch der Gegner ein wenig ins Grübeln, der so nah dran schien, den Untergang der Wasserfreunde zu besiegeln. Nun sinnierte ASC-Trainer Arno Troost: „Mit jedem Spiel, das man nicht gewinnt, wird es schwerer. Heute war es am leichtesten, Mittwoch wird es schon schwieriger, und in einem fünften Spiel würde es am schwersten.“ Niemand sei davon ausgegangen, dass man den Titel in Berlin quasi im Vorbeilaufen holen könnte. „Aber am besten lässt man nicht zu, dass der Gegner positive Momente bekommt.“ Genau solche Gefühle wurden gestern bei den Berlinern, die schon 32-Mal Champion wurden, neu geweckt. Duisburg dagegen, das zuletzt 1968 Meister war, steigt am Mittwoch mit einem kleinen Klotz am Bein ins Becken. „Duisburg ist jetzt im Zugzwang zu Hause“, stichelte Hagen Stamm. Und Politze setzte nach: „Jetzt stehen die unter Druck.“