Handball

„Die Strafe ist lächerlich“

Jansen fehlt dem HSV nur zwei Spiele: Füchse-Linksaußen Nincevic erbost über das milde Urteil

Die Nachricht erreichte ihn auf der heimischen Couch. Und sie traf ihn noch einmal mitten ins zerschundene Gesicht. „Das Urteil ist lächerlich“, schimpfte der Linksaußen der Füchse Berlin. Nincevic konnte sich kaum beruhigen. „Du kannst eine Rote Karte bekommen und wirst ein Spiel gesperrt. Du schickst jemanden ins Krankenhaus und wirst zwei Spiele gesperrt. Das steht in keinem Verhältnis.“

Das Urteil der Disziplinarkommission der Handball-Bundesliga dürfte in der Tat für reichlich Gesprächsstoff im deutschen Sport sorgen. Nur knapp zwei Tage nach dem brutalen Foul des Hamburgers Torsten Jansen im Bundesligaspiel an Füchse-Linksaußen Nincevic fällte das Gremium am Donnerstagnachmittag das Urteil. So wurde der frühere Nationalspieler Jansen für zehn Meisterschaftsspiele, längstens aber für zwei Monate gesperrt. Zudem muss der Linksaußen eine Geldstrafe in Höhe von 15.000 Euro zahlen. Es ist die höchste Strafe, die jemals im deutschen Handball verhängt wurde.

HSV-Profi fehlt nur zwei Spiele

Für ein höheres Strafmaß sieht die Kommission, der neben HBL-Justiziar Andreas Thiel noch Liga-Spielleiter Andreas Wäschenbach und HBL-Prokurist Mark Schober angehörten, keine Grundlage, deswegen hat sie keinen Antrag auf weitere Bestrafung durch das Bundessportgericht gestellt.

Faktisch bedeutet das Urteil der Disziplinarkommission allerdings, dass der Weltmeister von 2007 seinem Verein lediglich in den beiden noch ausstehenden Spielen der aktuellen Saison fehlen wird. Auch beim Final Four in der Champions League am 1./2. Juni in Köln ist Jansen spielberechtigt. „Dass der Saisonzeitpunkt Jansen zu Gute gekommen ist und dass die faktische Sanktion der Schwere des Vergehens nicht entspricht, daran konnten wir nichts ändern“, sagte der frühere Weltklasse-Torhüter Thiel. Gegen das Urteil können sowohl der HSV als auch Torsten Jansen innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung beim Bundessportgericht Einspruch einlegen.

Am Dienstagabend hatte Jansen 37 Sekunden vor Ende der Partie den Berliner Nincevic mit einem Kopfstoß niedergestreckt und damit in der Liga für Entsetzen gesorgt. Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning sprach von Körperverletzung, die im Handball nichts zu suchen habe. Im Krankenhaus war Nincevic’ Fleischwunde unter dem Auge von innen und außen genäht worden. Zudem erlitt der Kroate eine schwere Prellung und eine schwere Gehirnerschütterung. „Es geht mir besser, aber ich hoffe, dass es in drei bis vier Tagen noch besser geht“, sagte Nincevic und gab zu, dass er immer noch Kopfschmerzen habe. „Und mein Gesicht ist noch mal dicker geworden.“

Die Verletzung bedeutet für den leidenschaftlichen Außenspieler das Saisonaus und damit auch das vorzeitige Ende bei den Füchsen, die er im Sommer verlassen wird. „Das ist schon sehr, sehr bitter“, klagte er. In den letzten dreieinhalb Jahren habe er kein Spiel bei den Füchsen verpasst. „Und jetzt kann ich mich nicht auf dem Parkett von den Fans verabschieden. Das ist einfach schade für meinen Schlusspunkt hier in Berlin.“ Ob er rechtliche Schritte gegen Jansen unternimmt, ließ er offen. „Das habe ich noch nicht entschieden. Ich will mich erst die nächsten zwei, drei Tage richtig erholen und wieder sicher auf den Beinen stehen. Erst dann werde ich entscheiden. Ich werde mit meiner Frau darüber beraten“, sagte er gegenüber Sport1, „aber ich suche keine Rache. Zurzeit will ich nur eine Erklärung für das, was auf dem Feld passiert ist.“

Entschuldigung nicht akzeptiert

Und das ist wohl gar nicht so einfach. Jansen selbst hatte sein Foul damit erklärt, dass bei ihm die Sicherungen durchgebrannt seien und sich öffentlich via Pressemitteilung des HSV Hamburg entschuldigt. Zudem rief der 36-Jährige am Mittwoch bei Nincevic an und entschuldigte sich bei seinem Opfer. Der HSV vermeldete daraufhin, Nincevic habe die Entschuldigung angenommen. Doch so ganz stimmt das nicht. „Ich habe mir das angehört und okay gesagt. Aber egal, was die erzählen, ich akzeptiere das nicht. Ich bin weiter sauer“, stellte Nincevic klar.

Wäre Jansens Kopf bei Nincevic nur einen Zentimeter weiter oben eingeschlagen, hätte es für den Kroaten dramatische Folgen haben können. „Da hätte ich mir die Knochen brechen können – verbunden mit sechs Monaten Pause und sicher auch ein bis zwei Operationen“, sagte er, „da hatte ich Glück, aber er auch! Jeder kann eine schlechte Minute haben. Aber wenn du so etwas machst, dann bist du auch dafür verantwortlich. Dann musst du auch die Schulden bezahlen.“