Interview

Union-Trainer Neuhaus: „Schaaf hat mir imponiert“

Der dienstälteste Coach über seinen Vorgänger

Und plötzlich ist Uwe Neuhaus (53) die Nummer eins, nachdem Thomas Schaaf bei Werder Bremen aufgehört hat. Morgenpost-Mitarbeiter Sebastian Fiebrig sprach mit dem Trainer des 1. FC Union, der seit 2007 für die Berliner tätig und mit nun 2146 Tagen dienstältester Coach der 36 Profiklubs ist.

Berliner Morgenpost:

Dienstältester Trainer im deutschen Profifußball – ein Titel, auf den Sie stolz sind?

Uwe Neuhaus:

Nein. Ich bin stolz auf die Arbeit, die wir hier in den letzten Jahren geleistet haben und darauf, was wir mit unserer Mannschaft erreicht haben. Ob ich jetzt länger bei meinem Verein bin als andere Trainer, ist nicht entscheidend. Es sagt aber viel darüber aus, wie im Profifußball inzwischen gearbeitet wird. Nur wenige Trainer bekommen noch die Chance, über einen längeren Zeitraum etwas aufzubauen.

Warum sagten Sie als erste Reaktion auf die Nachricht, Sie würden die Entscheidung in Bremen bedauern?

Ich schätze Thomas Schaaf, und er war natürlich ein gutes Beispiel dafür, dass man sehr lange erfolgreich zusammenarbeiten kann. Wie sich die Rahmenbedingungen seiner Arbeit verändert haben, mit welchen Spielern er arbeiten konnte, welche er abgeben musste – diese Fragen werden kaum gestellt. Er hat sich darüber nicht beklagt, sondern sich den Herausforderungen gestellt und ruhig weiterarbeitet. Das hat mir sehr imponiert.

Ihr Präsident Dirk Zingler galt vorher als wenig geduldig mit Trainern. Was ist das Geheimnis Ihrer Arbeit bei Union?

Zunächst mal Erfolg. Am Anfang meiner Arbeit bei Union kannten wir uns ja noch nicht so gut, und es gab wichtige Ziele für den Verein. Wer weiß, was passiert wäre, wenn wir die Qualifikation zur Dritten Liga nicht geschafft hätten? Inzwischen wissen wir, wie wir in schwierigen Phasen reagieren und haben schon einige gemeinsam durchgestanden. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt sich allmählich, und vielleicht ist sie auch ein Grund dafür, dass wir seit dem Zweitliga-Aufstieg noch keine existenzielle sportliche Krise hatten.

Die Halbwertzeit von Trainern wird immer kürzer. Was treibt Manager und Präsidenten dazu, häufig den Trainer zu wechseln?

Das klingt immer, als sei das eine Art Naturgesetz. Es gibt aber keine „Mechanismen der Branche“, sondern nur Entscheidungen von Personen. Ich kann Ihnen nicht sagen, was Manager oder Präsidenten manchmal treibt. Als Trainer habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich die eigene Arbeit dann am besten durchsetzt, wenn sie ihre Wirkung über einen längeren Zeitraum entfalten kann.

Sie stehen für Kontinuität. Was unternehmen Sie konkret gegen Abnutzungserscheinungen Ihren Spielern gegenüber? Einige Profis wie Ihr Kapitän Torsten Mattuschka sind sogar noch länger bei Union als sie.

Eine Fußballmannschaft ist ja kein geschlossenes System. Spieler gehen, neue kommen hinzu und das Jahr für Jahr, das System ist also einem stetigen Wandel unterworfen. Parallel dazu nehme ich als Trainer natürlich Anregungen auf, bilde mich fort und versuche, mich selbst weiterzuentwickeln. Wichtig ist, offen zu sein für Neues.