Kommentar

Alba braucht eine neue Vision

Raik Hannemann über das erneut frühe Saisonende der Basketballer

Reichlich unqualifiziert hatte Uli Hoeneß im März die O2 World schlecht geredet, in München würde bald eine bessere Arena entstehen (aus Steuergeldern finanziert übrigens). Bei den Anschutz-Managern hat er sich danach leise dafür entschuldigt, doch nun erlegten die Albatrosse ihrer Heimstätte selbst den schwersten Makel auf: Die Arena erlebte in diesem Jahr nur ein Play-off-Spiel des Basketballteams. Letztmals gab es das im Jahr 1993, in einer Zeit also, als der Verein noch in der Sömmeringhalle spielte. Und es war nun schon das zweite Erstrunden-Aus in Serie, die Meisterschaft gewann Alba letztmals 2008.

Die Niederlage tut aber nicht nur deshalb so weh. Es war ja klar, dass da in München ein starker nationaler Rivale erwächst, gegen den man auch mal verlieren wird. Eher deswegen, weil es so viel Positives gab in dieser Saison: den Pokalsieg, das Erreichen der Zwischenrunde in der Euroleague samt den ersten historischen Erfolgen dort und einen großen Zuschauerzuwachs. Aber seit Ende März geriet man in einen Abwärtstrend, den keiner mehr stoppen konnte.

Warum nicht? Es war nicht nur Verletzungspech, auch wenn es davon reichlich gab. Aber die Nachverpflichtung des angeschlagenen Traoré war risikoreich, zudem fehlt ausgerechnet der früheren Talentschmiede schon länger der nötige Unterbau an deutschen Top-Spielern, um solche Phasen abfangen zu können. Die Eisbären haben so das, Hertha baut es gerade auf, Volleys, Füchse sowieso. Allesamt haben damit auch den Erfolg, den Profisport in dieser Stadt unbedingt braucht.

Alba muss sich das wieder aufbauen, dafür ist eine neue Vision bei den Machern gefragt. Und Konstanz: Fast jedes Jahr den halben Kader und den Trainer zu tauschen, führt selten zu etwas Großem.