Basketball

„Bayern war in allen Belangen überlegen“

Alba verliert am Sonntag in München auch das dritte Spiel und scheidet wieder früh im Viertelfinale aus. Die Spieler sind ratlos

Die Worte von Sasa Obradovic erstaunten, eine Stunde nach der Schlusssirene. Die Halle in München hatte sich geleert, und während die Fans des FC Bayern draußen weiterfeierten und den Einzug ihrer Mannschaft ins Halbfinale bejubelten, sprach der Trainer von Alba Berlin: „Ich bin stolz auf meine Mannschaft.“ Stolz? Hatte er das ernst gemeint? Obradovic sagte, er beziehe sich dabei auf die letzten zwei Spielminuten, als seine Mannschaft kurz davor stand, das Spiel zu drehen. Dumm nur, dass die 38 Minuten zuvor auch Basketball gespielt wurde. Und da präsentierten sich die Albatrosse einmal mehr erschreckend schwach.

83:89 verloren die Berliner am Ende beim FC Bayern, es war die dritte Pleite im dritten Spiel, für den einstigen Serienmeister kam damit das Aus wie im Vorjahr (1:3 gegen Würzburg) bereits im Viertelfinale. Es ist das erste Mal seit Einführung des Play-off, dass Alba zwei Jahre in Folge das Halbfinale der Basketball-Bundesliga verpasste.

Dabei war Sasa Obradovic vor Spielbeginn noch sehr zuversichtlich gewesen. „Es ist noch nichts vorbei“, sagte der Alba-Coach, „wir sind hierher gekommen, um zu gewinnen.“ Um eine Aufholjagd zu starten, um das 0:2 in der Serie noch zu drehen, was zuletzt vor zehn Jahren den Telekom Baskets Bonn gegen Leverkusen gelungen war.

Erneut mit schwachem Start

Doch bereits der Auftakt in München geriet ähnlich miserabel wie acht Tage zuvor. Wie in der ersten Partie lag Alba, diesmal allerdings ohne den verletzten Nihad Djedovic, schnell 7:18 zurück, nach dem ersten Viertel stand es 13:25. Angefeuert von den 6700 Fans im ausverkauften Audi Dome, spielten sich die Bayern in einen Rausch, wieder schien Alba überfordert. Symptomatisch die Szene eine Sekunde vor der Halbzeit bei Ballbesitz, als sich Sven Schultze im Mittelkreis ein unmotiviertes Foul leistete. Die Freiwürfe verwandelte Bayerns Jared Homan sicher, zur Pause stand es 44:28.

Danach ging es ähnlich weiter: ohne Führung, ohne Konzept, dafür mit vielen Schwächen. Abspielfehler von Je’Kel Foster und Sebastian Fülle, unnötige Offensivfouls von Yassin Idbihi, Fehlwürfe wie von Dashaun Wood, der weder Ring noch Brett traf. Entspannt verfolgte die etwas müde Kicker-Prominenz um Bastian Schweinsteiger und Sportchef Matthias Sammer das Spiel, zwischenzeitlich hatte man das Gefühl, die Bayern hätten auch ihre nach der samstäglichen Meisterfeier verkaterte Fußballabteilung aufs Parkett schicken können – Alba wäre trotzdem chancenlos gewesen.

Draußen tobte Coach Obradovic, doch es wirkte verzweifelt und schien nicht so, als habe er einen genialen Einfall, wie die Partie noch zu drehen sei. Die Wende wäre fast noch geglückt, weil die Bayern etwas zu früh mit dem Feiern begannen. 78:63 führten die Münchner, keine zwei Minuten waren mehr zu spielen, auf der Bank klatschten sich die Spieler schon ab. Dann kam Alba noch einmal bis auf drei Punkte heran, aber das war zu spät, bei Spielende hieß es 83:89.

„Bayern war uns einfach in allen Belangen überlegen“, resümierte Aufbauspieler Heiko Schaffartzik, mit 17 Punkten treffsicherster Berliner. „Wir haben in dieser Serie alles gemacht, was möglich war.“ Nur war das eben nicht gut genug. Auch Deon Thompson, der auf neun Punkte kam, zeigte sich ratlos: „Ich weiß nicht, was los war, wir spielten viel zu unsicher“, sagte der US-Amerikaner. „Uns missglückten die einfachsten Dinge, der Druck der Bayern war zu groß.“ Wie es mit ihm nun weitergeht, wurde er noch gefragt, ob sein erstes Jahr bei Berlin auch das einzige bleibt. „Ich bin 24, meine Agenten werden mit dem Verein sprechen. Man muss sehen, was das Beste für mich ist.“ Bedingungslose Treueschwüre klingen anders.

Unklar ist die Zukunft einiger Akteure, viele haben nur eine Option auf eine Vertragsverlängerung. Auch ob Coach Obradovic kommende Saison weiter Alba-Trainer sein wird, ist unsicher. „Ich habe noch ein Jahr Vertrag“, sagte er.

Richtig bestürzt wirkte Obradovic jedenfalls nicht nach dem Aus. „Wir haben den Pokal gewonnen“, sagte der 44-jährige Trainer, „ich lasse mir diese Saison nicht kaputt reden.“ Dann sprach er noch von der Mehrfachbelastung, den vielen Spielen in der Euroleague und vom Verletzungspech. „In fast jeder Partie hat uns mindestens ein Spieler gefehlt.“ Erklärungsversuche, die aber auch nicht weiterhalfen.

Obradovic drückt Pesic Daumen

Klar machte er nur, wem nun im weiteren Verlauf des Play-off seine Sympathien gelten. Seinem Bezwinger, Lehrmeister und serbischen Landsmann Svetislav Pesic, der mit den Bayern nun im Halbfinale auf Bamberg oder Hagen (2:1 Siege) treffen wird. Jener Pesic, der vor genau 20 Jahren nach dem EM-Triumph mit den deutschen Basketballern Alba Berlin übernommen hatte und damit die Erfolgsära der Berliner begründete. „Bayern hat eine große Mannschaft, ich hoffe, dass sie jetzt den Titel holen“, sagte Obradovic. „Ich werde die Bayern jetzt anfeuern.“ Pesic selbst war begeistert von seinen Spielern: „Eine Serie 3:0 zu gewinnen, ist eine tolle Leistung. Wenn das gegen ein Team wie Alba gelingt, ist das schon etwas Besonderes.“