Dressurreiten

Tillmann gewinnt das Derby mit dem ältesten Pferd

Auch in der Dressur gibt es eine Überraschungssiegerin

Wieder hat ein Außenseiter zugeschlagen: Gilbert Tillmann (30) sicherte sich trotz eines Abwurfes im Stechen den Sieg im 84. Deutschen Spring-Derby. Der Springreiter aus Grevenbroich konnte es kaum fassen, dass er Vize-Europameister Carsten-Otto Nagel schlagen konnte. „Ich bin total stolz auf mein Pferd und kann diesen Sieg überhaupt noch nicht fassen. Hello Max hat 200 Prozent gegeben, unglaublich“, sagte der Gewinner des Blauen Bandes nach der Ehrenrunde.

Im Stechen setzte sich der Überraschungssieger in 52,63 Sekunden trotz eines Abwurfes durch und verwies Nagel aus Norderstedt mit Lex Lugar (4 Strafpunkte/53,64) auf Rang zwei. Nagel verpasste seinen dritten Sieg bei der traditionsreichen Prüfung nach 1999 und 2010. „Der hat alles gegeben“, lobte Sieger Tillmann seinen bereits 19 Jahre alten Wallach Hello Max, dem ältesten aller Starter.

Platz drei ging in der mit 100.000 Euro dotierten Prüfung an Hilmar Meyer aus Morsum mit Coverlady, der ebenso acht Strafpunkte sammelte wie der Brite William Whitaker mit Brilliant. Keiner der 35 Starter hatte es geschafft, den 1230 Meter langen Derby-Parcours mit naturnahen Hindernissen ohne Fehler zu absolvieren.

Zu den Favoriten, die patzten, gehörte vor allem der Schweizer Pius Schwizer. Mit Ulysee war er in beiden Qualifikationen ohne Fehler geblieben, doch dann reichte es nur zu Rang sieben. „Sonntags sind andere Regeln, andere Sprünge“, kommentierte Schweizer: „Das ist das Derby, das ist das Schwierige.“

Der Vorjahressieger Nisse Lüneburg scheiterte ebenfalls. Der 24-Jährige aus Wedel sammelte mit Calle Cool 16 Strafpunkte und kam auf Rang 17. „Es lief nicht rund für mich“, sagte Lüneburg. Noch schlimmer erwischte es Judith Emmers, die Vorjahres-Dritte. Die Reiterin aus Marl, von ihrem Chef Christian Ahlmann zur Sieganwärterin erklärt, kassierte mit Papillon 20 Strafpunkte und landete auf Platz 19.

Die finanziell attraktivste Prüfung des traditionsreichen Turniers hatte sich am Vortag Ahlmann mit Codex One gesichert. „Das ist wirklich ein großartiger Tag“, kommentierte der Weltranglisten-Erste den Sieg im Großen Preis, der ihm rund ein Drittel des Preisgeldes von insgesamt 285.000 Euro bescherte.

Im Dressurviereck gab es eine überraschende Siegerin: Fabienne Lütkemeier gewann das 55. Deutsche Derby. Die 23-Jährige aus Paderborn setzte sich im Finale mit Pferdewechsel überlegen vor Anabel Balkenhol (Rosendahl) und Bianca Kasselmann (Hagen) durch. „Eine tolle Erfahrung“, sagte die Siegerin, die erstmals beim Derby startete: „Ich war ganz schön kribbelig vor dem Pferdewechsel, aber es hat gut geklappt.“