Bayern München

Auch beim Feiern die Nummer eins

Bei allem Meisterjubel denken die Münchner aber auch an das Finale der Champions League

Wie werde ich nach einer Partynacht fit? Ein Konterbier ist die Lösung, raten viele. Einen Rollmops essen, sagen andere. Ein Ausflug zum Basketball hilft mehr, findet Bastian Schweinsteiger. Der Mittelfeldchef des FC Bayern jubelte Sonntagmittag den Korbjägern seines Klubs im Play-off-Viertelfinale gegen Alba Berlin zu. Wenige Stunden zuvor hatte er in der Szenebar „Heart“ den Meisterfeiermarathon beendet, der tags zuvor im Stadion des Fußball-Rekordmeisters begonnen hatte.

Im letzten Heimspiel der Saison hatten die Münchner gegen Augsburg 3:0 gewonnen und danach die Schale überreicht bekommen. Ausgerechnet von Ligapräsident Reinhard Rauball, dem Vorsitzenden des Rivalen Borussia Dortmund, gegen den die Bayern im Finale der Champions League am 25. Mai in London spielen. „Wunderbar, wunderbar“, sagte FCB-Präsident Uli Hoeneß zu all dem Jubel.

Selbst beim Feiern richteten die Münchner den Blick hin und wieder auf diesen besonderen Tag. Bei der offiziellen Klubparty im Postpalast sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gegen Mitternacht vor rund 400 Gästen: „Wir wollen nicht mit diesem Pokal aus London zurückkehren. Wir werden mit diesem Pokal zurückkehren.“ Applaus. Champagner. Musik. Es kam, wie Rummenigge es vor dem Spieltag angekündigt hatte: Der FC Bayern wurde zum FC Feiern. Es soll eine Party-Trilogie werden in dieser Saison, DFB-Pokal (Finale am 1. Juni in Berlin gegen den VfB Stuttgart) und Champions League sollen folgen.

In den vergangenen Wochen hatte sich die Mannschaft wegen der Partien in den übrigen Wettbewerben keine Feierlichkeiten erlaubt. Am Wochenende durfte die Freude endlich raus. „Wir wissen seit Wochen, dass wir Meister sind. Und trotzdem fällt jetzt eine richtige Last ab“, sagte Thomas Müller. Kumpel Schweinsteiger enterte gegen 2.00 Uhr die Bühne im Postpalast und setzte sich ans Schlagzeug der Band. Verteidiger Rafinha trommelte, Nationaltorwart Manuel Neuer sang und filmte später mit seinem Handy. Die Gäste applaudierten minutenlang für Hoeneß, und Rummenigge schwärmte ob einer Rekordsaison und des möglichen Tripels in seiner Rede: „Der FC Bayern 2012/2013 war ein Sommer-, ein Herbst-, ein Frühjahr- und ein Wintermärchen, alles in einem. Ich gebe zu, ich bin ein Stück weit verliebt in diese Mannschaft.“

Heynckes entgeht Muskelfaserriss

Trainer Jupp Heynckes strahlte und war stolz. Anatoli Timoschtschuk war im Stadion der Erste gewesen, der sich getraut und ein Drei-Liter-Bierglas über dem Kopf seines Trainers ausgeschüttet hatte. Heynckes hatte in dieser Saison für jedes Spiel einen Plan, in diesem Moment fehlte ihm die richtige Taktik. „Du musst flinke Beine haben, um wegzulaufen, und die habe ich nicht mehr. Und ich wollte mir keinen Muskelfaserriss zuziehen“, so der 68-Jährige.

Nach dem ersten Jubel auf dem Rasen waren die Spieler mit Cabrios in einem Korso durch die Stadt zum Marienplatz gefahren worden. Und auf dem Rathausbalkon sorgten sie für Überraschungen. Franck Ribery, Vater dreier Kinder, adoptiert noch eines. „David Alaba ist mein kleiner Sohn“, scherzte der Offensivstar und umarmte seinen Kumpel. 20.000 Fans waren auf dem Marienplatz. Matthias Sammer lachte sogar noch, als ihm Arjen Robben ein Glas Weißbier über den Kopf goss. Der Sportvorstand hatte sich im Stadion noch verstecken können, doch jetzt blieb ihm keine Chance.

Es werde eine gebremste Feier, hatte Heynckes vorher gesagt. Davon war nichts zu spüren, es ging ausgelassen zu. Sammer hatte bei einer Meisterfeier mit Borussia Dortmund einst nur Wasser getrunken, jetzt drohte Rummenigge scherzend, einen klaren Kopf mit Entlassung zu bestrafen. Und tatsächlich: Sammer trank zumindest etwas Bier. „Da müssen erst ein großer Verein und große Spieler kommen“, sagte der ehemalige Dortmunder über seinen Alkoholkonsum.

Zwei Jahre ohne Titel. In der Nacht machten alle im Klub und die Fans deutlich, wie sehr sie sich nach einer Trophäe gesehnt hatten. „Ich muss an eurer Begeisterung feststellen, dass ihr ausgehungert seid. Dass ihr gefühlte zehn Jahre nicht mehr hier gewesen seid“, rief Heynckes den Fans vom Balkon aus zu.

Danach ging es ins Rathaus zum Empfang beim Bürgermeister Christian Ude. Der gratulierte der Mannschaft und kündigte an, dass das Finale der Champions League in der Münchner Arena übertragen wird. „Es ist der helle Wahnsinn, dass es heute womöglich das erste von drei Fußballfesten in München ist“, sagte Ude. Und Rummenigge hatte einen Rat für den SPD-Politiker parat: „Zuletzt waren wir 2010 mit unserem Feierbiest (Ex-Trainer Louis van Gaal – d.R.) hier. Herr Oberbürgermeister, bereiten Sie sich auf alles vor! Unsere Mannschaft ist in dieser Saison zu allem in der Lage.“

Nun steht für die Bayern das letzte Ligaspiel in Mönchengladbach auf dem Programm, am 24. Mai fliegt die Mannschaft nach London. Sticheleien in Richtung Dortmund wollen sich die Münchner sparen. Rummenigge sagte, an Auswüchsen der Rivalität wie zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona sei man nicht interessiert. „Nicht Häme, nicht Polemik und erst recht nicht Hass sollen uns in den nächsten Wochen begleiten. Ich wünsche mir gegenseitigen Respekt, Verantwortung und Souveränität.“

Verantwortliche und Spieler des FC Bayern sind sich einig: Die Nachwirkungen der feuchtfröhlichen Meisternacht werden bis zum Finaltag im Wembley-Stadion längst verflogen sein. „Wir sind jung! Wir haben zwei Wochen zum Regenieren. Das reicht“, sagte Arjen Robben. Er wirkte dabei sehr entschlossen.