Bundesliga

Zwei ehemalige Berliner als Sündenböcke

Nach solider Hinrunde ist Düsseldorf das schlechteste Team 2013. Voronin und Rafael aussortiert

Es sind die immer gleichen Zyklen: Seit mittlerweile zehn Spielen wartet Fortuna Düsseldorf auf einen Sieg. Dann werden disziplinarische Maßnahmen angedroht. An Andrej Voronin und Nando Rafael wurden sie durchexerziert: Trainer Norbert Meier wollte beide nicht mehr bei seiner Mannschaft haben. Was aber natürlich keine Suspendierung ist. Laut Meier ist „dies keine disziplinarische Maßnahme, da sich beide nichts zu Schulden haben kommen lassen.“

Vielmehr, so Meier, gelte die volle Konzentration dem Klassenerhalt und größtmöglicher Nachhaltigkeit in den Übungseinheiten, an denen diejenigen Spieler teilnehmen sollen, die auch tatsächlich eine Aussicht auf einen Einsatz haben werden. Der Trainer befand, dass die beiden ehemaligen Herthaner – Voronin spielte 2008/09 in Berlin, Rafael von 2002 bis 2006 – sich nicht auf dem Leistungsniveau befinden, das der Cheftrainer für die beiden ausstehenden Saisonpartien für notwendig erachtet.

In Berlin wird mit Interesse verfolgt, welch’ rasanten Absturz die Fortuna hinlegt. Düsseldorf, unter skandalösen Umständen im Mai vergangenen Jahres im Relegations-Rückspiel gegen Hertha (2:2) in die Bundesliga aufgestiegen, steht derzeit mit 30 Zählern auf Rang 15, punktgleich mit dem 16., Augsburg. Das Aussortieren von Voronin und Rafael darf man getrost in der Rubrik Nebenschauplatz einsortieren.

Hertha holt van den Bergh

Die tatsächlichen Probleme vor der Partie heute gegen Nürnberg sind andere. Die Hinrunden-Bilanz mit 21 Punkten war solide. Niemand hatte von der Fortuna angesichts des Umbruchs im Sommer und eines überschaubaren Etats in der ersten Bundesliga-Saison seit 15 Jahren Wunderdinge erwartet. Nach einer passablen Hinrunde mit fünf Siegen und sechs Unentschieden durften die Düsseldorfer allerdings davon ausgehen, dass es nicht bei dieser einen Spielzeit im Oberhaus bleiben wird – zumal der Vorsprung auf Platz 16 elf Zähler betrug.

Dann aber ging alles schief. Seit zehn Spielen wartet die Mannschaft auf einen Sieg. Mit neun Punkten stellt die Fortuna das schlechteste Team der Rückserie. Die Leistung in Frankfurt (1:3) gehörte zu den schlechtesten in dieser Saison. Spielerisch läuft seit Wochen kaum etwas zusammen, die Mannschaft ist nur selten in der Lage, vor des Gegners Tor zu kommen. Der Zufall ist aktuell Fortunas hoffnungsvollster Stürmer.

Mittlerweile erbringt aber auch die Defensive nicht mehr den Nachweis der Bundesliga-Tauglichkeit, es ist für den Gegner ein Leichtes, zu Fabian Giefer durchzudringen. Der Torwart wurde in der Hinrunde gefeiert, als er vermeintlich unhaltbare Bälle parierte. Einige Beobachter wollten ihn schon in die Nationalmannschaft loben. Nun greift der Torwart regelmäßig daneben. Das alles kann passieren, Fehler gehören dazu. Dennoch fällt auf, dass die Mannschaft häufig verunsichert wirkt.

Kritisch wird es allerdings dann, wenn nicht sämtliche Akteure ans Limit gehen. In Frankfurt rannten und grätschten erst nach dem 0:2 alle Düsseldorfer so, wie es sich im Überlebenskampf gehört. Auch in der Woche zuvor beim 1:2 gegen Dortmund war erst das 0:2 der Wachmacher. 20, 30 Minuten Einsatz reichen nicht im Abstiegskampf.

Zudem gibt es Auflösungserscheinungen. Andreas Lambertz und Axel Bellinghausen würden auch beim Abstieg bleiben. Für andere gilt das nicht: Giefer will weg, Abwehrspieler Johannes van den Bergh steht vor einem Wechsel zu Hertha BSC, Offensiv-Allrounder Robbie Kruse spielt künftig für Bayer Leverkusen.

Trainer Meier ist in Düsseldorf so etwas wie ein Heiliger, er hat den Klub in die Bundesliga geführt. Aber er rückt in die Kritik, weil die Mannschaft seit Monaten keine Entwicklung zeigt. In den letzten Partien gegen Nürnberg und Hannover erklärte Präsident Peter Frymuth, gehe es darum, „im Endeffekt 16. zu bleiben“. Schon kurios bei einem Klub, der aktuell Tabellen-15. ist.