2. Bundesliga

Köln sieht gegen Hertha nur eine Mini-Chance

Im vergangenen Sommer wollte auch der FC Luhukay

Allein von der Ansetzung her hätte die Partie von Hertha beim 1. FC Köln ein Entscheidungsspiel um den Aufstieg sein können (Sonntag, 13.30 Uhr). In der Rhein-Metropole treffen zwei Klubs aufeinander, die sich selbst als Erstligisten begreifen, das Jahr im Unterhaus als zu behebenden Fehler betrachten. Doch in der Realität der Zweitliga-Saison ist Hertha den Kölnern und dem 1. FC Kaiserslautern, dem Dritten im Bunde der abgestiegenen Traditionsvereine, weit enteilt. Auch weil die Berliner viel richtig gemacht haben.

„Ich bin froh, dass wir in Köln nicht noch um die Bundesliga spielen müssen“, sagte Trainer Jos Luhukay. Der Niederländer weiß, welchen Druck seine Mannschaft ihm, dem Verein und den Fans erspart hat. Dazu muss nur ein Blick nach Köln geworfen werden, wo Trainer-Kollege Holger Stanislawaski nur das Prinzip Hoffnung auf das Erreichen des Relegations-Platzes bleibt: „Wir wollen dem Meister Paroli bieten und die kleine Chance, die sich uns bietet, nicht wegwerfen.“ Gewinnt Kaiserslautern zeitgleich in Regensburg, müssen die Rheinländer (mindestens) ein weiteres Jahr im Unterhaus verbringen.

Zum Saisonende standen alle drei Absteiger vor einer ähnlichen Situation. Wie den Wiederaufstieg in Angriff nehmen? Die Zweite Liga sollte auf keinen Fall ein Dauerzustand werden. In Köln entschied man sich für einen großen Umbruch im Team, gab fast die gesamte Stammelf ab und verjüngte die Mannschaft radikal. „Vom Wiederaufstieg reden wir jedenfalls nicht. Wir sollten jetzt Zeit für unsere Arbeit haben, um dann das Optimum zu erreichen“, sagte Stanislawski im vergangenen Juni. Kaiserslautern verstärkte sich dagegen gleich mit 14 neuen Spielern und gab klar das Ziel Bundesliga aus.

Ein Ziel, aber unterschiedliche Wege: Manager Michael Preetz über die drei Vereine: „Ich möchte den Kollegen in der Zweiten Liga nicht zu nahe treten, aber wir haben wahrscheinlich den besseren Trainer verpflichtet. Es war für uns in der schwierigen Phasen im letzten Mai die wichtigste Entscheidung, mit Jos Luhukay jemanden nach Berlin zu holen, der den Umschwung eingeleitet hat.“ Und es war ein enges Rennen. Auch Köln und Lautern hatten sich im vergangenen Sommer um Luhukay bemüht.

Der Trainer als Königstransfer

Die Berliner verzichteten auf einen Totalumbruch. „Wir haben an der einen oder anderen Stelle ein glückliches Händchen bei der Zusammenstellung des Kaders gehabt“, sagte Preetz. Fast jeder neue Spieler fand sich in der Startelf wieder. So wie Außenverteidiger Peter Pekarik, die Mittelfeldspieler Peer Kluge und Marcel Ndjeng oder der auf die Außenbahn verschobene Angreifer Sami Allagui. Auch die Personalie Ronny (18 Tore, 14 Vorlagen), der zwei Jahre lang keine Rolle bei Hertha spielte, kann als Neuverpflichtung angesehen werden.

Noch offensichtlicher wird die erfolgreiche Transferpolitik mit Blick auf den Winter. „Da waren wir in der glücklichen Lage, dass wir nichts machen mussten und andererseits einige verletzte Stammspieler zurückbekommen haben“, sagte Preetz. Köln dagegen holte nach Weihnachten zwei Spieler, Kaiserslautern verpflichtete gar sechs Neue.

Der Manager nannte einen weiteren Grund: „Das Team hat das System von Luhukay rasch begriffen. Dieser Prozess ging schneller, als wir das selbst erwartet haben.“ Köln dagegen legte mit nur zwei Punkten aus den ersten sechs Spielen einen veritablen Fehlstart hin. Dazu kommen Punktverluste zum Saisonendspurt wie gegen die zwischenzeitlichen Abstiegskandidaten Duisburg und Bochum. Auch Kaiserslautern fehlte der Killerinstinkt, um in wichtigen Spielen die sogenannten Big Points zu machen.

Die Berliner hingegen lassen sogar nach der Aufstiegsparty nicht locker. „Schaut man auf Hertha in dieser Spielzeit, dann fällt diese Stabilität als erstes auf“, sagte Preetz. „Uns wirft nichts so schnell aus der Bahn. Wann immer wir in Rückstand geraten, haben wir eine Antwort darauf. Deswegen stehen wir mit großem Abstand vorne.“ Doch viele Worte will er er darüber nicht verlieren. Viel lieber wäre es dem Manager, wenn er dann in einem Jahr erläutern könnte, warum Hertha den Klassenerhalt geschafft hat.