FC Union

Immer wach für zwei Tore

Sieben Jahre begleitete Daniel Göhlert Unions Aufstieg, Sonntag hat er nun sein letztes Heimspiel

Die Schlange vor dem Ticketverkaufsbereich in der Alten Försterei reichte bis hinaus auf die Straße An der Wuhlheide. Schließlich sind die Tickets für Unions Freundschaftsspiel gegen Celtic Glasgow am 12. Juli, das die neue Haupttribüne endgültig einweihen soll, heiß begehrt. Dass ein Großteil der Wartenden wieder nach Hause geschickt werden musste, weil wegen eines technischen Problems keine Karten mehr gedruckt werden konnten, sei hier nur am Rande erwähnt.

Keine Frage, die neue Saison wirft bereits ihre Schatten voraus, dabei ist die laufende Saison noch nicht einmal beendet. Am Sonntag (13 Uhr) steht zunächst noch das letzte Heimspiel gegen den MSV Duisburg auf dem Programm. Für eine Handvoll Profis wird es der letzte Auftritt im Union-Trikot überhaupt sein. „Das wird sicherlich ein besonderes Spiel und ein besonderer Tag“, sagte Daniel Göhlert. Für den 32-Jährigen heißt es nach sieben Jahren Abschied nehmen von der Alten Försterei.

Göhlert blickt zunächst ein wenig ins Leere, als er über den Sonntag spricht. Doch dann hellt sich seine Miene auf. „Meine ganze Familie wird im Stadion sein, mein Sohn kommt mit der ganzen Schulklasse“, erzählt der Defensivmann. Wohl wissend, wie hilfreich die Verwandtschaft einem in Momenten der Wehmut zur Seite stehen kann.

Es wird solche Momente geben, am Sonntagnachmittag, wenn noch einmal gut 19.000 Zuschauer ihm, dem ewigen Göhlert, applaudieren werden. Wenn auch nicht von Beginn an, so wird er doch zumindest auf einen Teileinsatz hoffen dürfen. „Die Zuschauer haben sicherlich das Anrecht auf eine homogene Mannschaft, die in der Lage ist, das Spiel gegen Duisburg zu gewinnen“, sagte Trainer Uwe Neuhaus: „Mit den Einwechslungen kann man sicher noch was machen, aber es wird keinen zusammengewürfelten Haufen geben.“ Je nach Spielstand kann sich der eine oder andere Spieler, der Union nach dieser Saison verlassen wird, noch auf einen Kurzeinsatz freuen. Und Göhlert ist als Defensivspezialist der richtige Mann, um eine Führung abzusichern.

„In den letzten sechs Spielen haben wir ausgesprochenen Mist gespielt. Dafür wurden wir zu Recht kritisiert und haben ordentlich aufs Maul bekommen“, sagte Neuhaus. Göhlert saß dann jedoch meist auf der Bank, wenn er überhaupt im Kader stand. Auf zehn Einsätze kommt er bislang in dieser Spielzeit, meist wurde er erst in der Schlussphase eingewechselt. „Dass dies so werden würde, war mir schon vor der Saison klar“, erzählte Göhlert: „Ich hätte ja auch wechseln können, aber ich wollte nicht, sondern mich hier durchbeißen.“ Er tat dies, ohne groß über seine Situation zu klagen. Wenn der Trainer von „sechs tollen Jahren“ spricht, die man gemeinsam erlebt habe, Jahre, in denen es meist bergauf ging, dann ist dieser Höhenflug auch mit Daniel Göhlert verbunden.

Daran war im Mai 2007 noch nicht zu denken. Neuhaus erinnert sich: „Als feststand, dass ich Trainer bei Union werde, wurde er im Spiel bei Borussia Dortmund II eingewechselt. Da habe ich gedacht: Warum hat der nicht von Anfang an gespielt? Diese Wachheit, diese Fußballintelligenz konnte man da schon sehen. Und das hat sich dann jeden Tag immer wieder bewahrheitet, an dem wir zusammengearbeitet haben. Wenn ich mir einen optimalen Spieler zusammenbauen könnte, dann würde ich immer Göhli mit seiner Wachheit dazupacken.“

Es passt zur Person, dass sich Göhlert auch noch genau an seine beiden Liga-Tore erinnern kann, die er für Union erzielt hat. „Das eine war gegen Düsseldorf, damals noch im Jahn-Sportpark. Es war ein Kopfball nach einer Ecke“, erzählt Göhlert. Zugleich war es das Siegtor zum 1:0 gegen die Fortuna an jenem Novembernachmittag 2008. „Und das zweite war ein 40-Meter-Knaller gegen Rostock, der ist dann über die Linie gegangen.“ Auch hier war es das Siegtor beim unglaublichen 5:4 gegen Hansa Rostock vor gut einem Jahr.

Seine beiden Liga-Tore für Union kennzeichnen auch ein wenig Start und Ende seiner Union-Zeit. In der Drittliga-Saison avancierte Göhlert zusammen mit Christian Stuff zum besten Innenverteidigerpaar der Liga und hatte maßgeblich Anteil an Unions Rückkehr in die Zweite Liga 2009. „Mein erstes Jahr bei Union war nicht so erfolgreich, aber seitdem ging es eigentlich immer nur bergauf“, erinnert sich Göhlert, der es bislang auf 82 Einsätze für die Köpenicker im Bundesliga-Unterhaus brachte.

Die Gegenwart hält für ihn Veränderungen bereit. „Ich bin derzeit in guten Gesprächen“, sagt der Verteidiger zum Stand der Dinge bei der Suche eines neuen Vereins. Nur ins Ausland, so viel stehe schon fest, werde er nicht wechseln. Und Trainer Neuhaus ist sich sicher: „Er wird schon selbst dafür sorgen, dass sein Weg weitergeht."

In den Genuss der Umkleideräume in der neuen Tribüne wird Göhlert demnach nicht mehr kommen. Auch wenn er sich die Räumlichkeiten schon des Öfteren angeschaut hat. „Ein paar Rundgänge habe ich ja schon mitgemacht. Und ich denke, dass ich ab und zu mal nach Berlin kommen werde, mit dem Auto sind es ja nur zwei Stunden“, erzählte Göhlert: „Ich werde schon verfolgen, wie es mit Union weiter geht.“

Zunächst kann er noch mithelfen, dass die Saison einen versöhnlichen Abschluss findet. Und vielleicht ist Göhlert am 12. Juli doch dabei, wenn es gegen Glasgow geht. Wenn auch nur als Gast auf der Tribüne.