Nationalmannschaft

Die deutsche Nummer eins im Eishockeytor ist ein Berliner

Sie waren ehrlich zu sich selbst. Nein, schön hatten sie nicht gespielt.

Bundestrainer Pat Cortina sah die Österreicher sogar als das bessere Team, die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) kämpfte sich mehr durch die Partie, hatte aber das Glück, das zuvor bei der Weltmeisterschaft in Helsinki fehlte. Daher gewann die Nationalmannschaft mit 2:0 – und nahm eine kleine Revanche für die verpasste Olympia-Qualifikation im Februar. Dort hatten sich noch die Österreicher durchgesetzt.

Diesmal verzweifelte der kleine Nachbar an Rob Zepp, dem Torhüter vom EHC Eisbären. „Er war herausragend“, sagte Cortina, als „fantastisch“ bezeichnete Kapitän Christian Ehrhoff das Spiel des Goalies. Der blieb zum ersten Mal im Nationaltrikot ohne Gegentreffer, in seinem erst 13. Einsatz für Deutschland.

Zepps Karriere stand bislang vor allem auf Klubebene im Mittelpunkt, vor drei Wochen feierte der 31-Jährige mit den Berlinern seinen fünften Meistertitel in nur sechs Jahren. Im Nationalteam durfte in den vergangenen Jahren der Mannheimer Dennis Endras den Titel der Nummer eins für sich in Anspruch nehmen. Unter Cortina ändert sich das nun.

Seit der Italo-Kanadier im September vergangenen Jahres das Zepter übernommen hat, erhält Zepp die meisten Einsätze in Pflichtspielen. Wenn es wichtig wird, ist er gesetzt. Bei der Olympia-Qualifikation bestritt der Berliner zwei von drei Partien, auch die entscheidende gegen Österreich. In Helsinki stand er bei drei von vier Spielen im Tor. „Wir wussten, er wird nicht noch mal verlieren“, so Cortina mit Blick auf den zweiten Einsatz gegen Österreich.

In Finnland erlebt Zepp erst seine zweite WM, 2010 war er schon einmal dabei, als Endras beim sensationellen vierten Platz des DEB-Teams zum besten Spieler des Turniers gewählt worden ist. Zweimal durfte er da auflaufen. In den Jahren danach entschied er sich aus privaten Gründen gegen das Nationalteam, seine Frau bekam zwei Kinder. Inzwischen ist familiär alles so, dass die DEB-Einsätze ins Konzept passen.

Seine neue Rolle überrascht dennoch viele. Zepp wird allgemein kritisch betrachtet, seine Titelgewinne werden gern unterschätzt wegen der Spielstärke der Eisbären. Gegen die Slowakei (2:3) unterliefen ihm dann auch Fehler. „Solche Spiele passieren im Eishockey. Dann kommt es darauf an, wieder aufzustehen. Damit zeigt man Charakter“, sagt der Berliner. Gegen Österreich tat er das – und ging dadurch zum ersten Mal als Sieger eines WM-Spiels vom Eis. In den letzten drei Gruppenspielen gegen Lettland (Sa.), die USA (So.) und Frankreich (Di.) bestehen Möglichkeiten, diese Bilanz auszubauen.