FC Bayern München

Klares Bekenntnis zu Hoeneß

Der Präsident entschuldigt sich beim Aufsichtsrat und darf in seinen Ämtern bleiben – allerdings auf Bewährung

Die Entscheidung war schon nach 90 Minuten gefallen. Es war kurz nach halb sechs, als der FC Bayern seine Pressemeldung verschickte, Inhalt: Uli Hoeneß behält seine Funktionen beim Rekordmeister, wird weder von seinem Posten als Präsident noch als Chef des Aufsichtsrats zurücktreten. Zumindest vorerst nicht, auch nicht, wie zuvor gemutmaßt, unmittelbar nach dem Champions-League-Finale am 25. Mai gegen Borussia Dortmund.

Es war das schnelle und etwas überraschende Ende einer mit Spannung erwarteten Sitzung des Kontrollgremiums am Montagnachmittag. Die Aufsichtsräte unter anderem mit Vorstandschefs der Bayern-Großsponsoren Telekom, Adidas, VW und Audi bekennen sich zu Hoeneß, allerdings auch mit Vorbehalt, wie der Schlusssatz der Pressemitteilung von 17.37 Uhr verriet: „Der Aufsichtsrat wird die Angelegenheit weiter beobachten und sich bei Vorliegen neuer Erkenntnisse mit dem Thema befassen.“ Heißt im Klartext: Sollten weitere belastende Details der Steueraffäre ans Licht kommen oder die Staatsanwaltschaft Anklage erheben, könnte Hoeneß sicher nicht mehr haltbar sein. Kurzum, Hoeneß bleibt Bayern-Boss – auf Bewährung.

Ab 15 Uhr, eine Stunde vor Sitzungsbeginn, trudelte ein Aufsichtsrat nach dem anderen zum Versammlungsort in der Allianz Arena ein, die meisten auf dem Rücksitz hinter verdunkelten Scheiben. 15.30 Uhr kam Uli Hoeneß, wenig später Matthias Sammer, der Sportdirektor. Der gehört zwar nicht zum Aufsichtsrat, kam aber trotzdem. Einer, der als möglicher Nachfolger von Hoeneß als Aufsichtsratsvorsitzender gehandelt wurde, fuhr als Letzter in die Arena ein, Edmund Stoiber, der Ex-Ministerpräsident.

Schon am Vormittag hatte sich Stoibers Nachnachfolger Horst Seehofer für den Verbleib von Hoeneß im Präsidentenamt stark gemacht. „Das gebietet der Respekt vor seinem Lebenswerk“, so Seehofer, der zum 60. Geburtstag des Bayern-Machers Anfang 2012 eine huldigende Laudatio auf Hoeneß gehalten hatte. „Es ist in meinen Augen vertretbar, wenn Uli Hoeneß bis zur vorläufigen Klärung der Angelegenheit durch die Staatsanwaltschaft als Präsident im Amt bleibt. Dafür hätte ich Verständnis.“

Und so kam es dann auch, obwohl bis zu Beginn der Sitzung eine ganz andere Lösung favorisiert wurde: die Variante, dass Hoeneß bis zum 26. Mai oder spätestens 2. Juni (nach dem DFB-Pokal-Endspiel) im Amt bleibt und dann zumindest seine Posten ruhen lässt, bis die Steueraffäre juristisch aufgearbeitet ist. Schließlich aber kam es anders, auch was den Zeitplan anging. Die Causa Hoeneß kam bei der Sitzung nicht als letzter, sondern als allererster Tagesordnungspunkt zur Sprache. Wie der FC Bayern später mitteilte, habe sich Hoeneß entschuldigt, sein Bedauern über den Vorfall ausgedrückt und von sich aus dem Gremium angeboten, das Amt des Aufsichtsratschefs ruhen zu lassen.

Dem entsprach das Kontrollorgan mit Herbert Hainer (Adidas), Rupert Stadler (Audi), Timotheus Höttges (Telekom), Martin Winterkorn (VW), Helmut Markwort (Focus), Dieter Rampl (Unicredit), Karl Hopfner (Vizepräsident) und Edmund Stoiber nicht. „Im Interesse des FC Bayern“, so der Wortlaut der Pressemitteilung, „der sich voll und ganz auf das Erreichen der weiteren sportlichen Ziele im Champions League Finale am 25. Mai und im Deutschen Pokalfinale am 1. Juni 2013 konzentrieren soll, hat der Aufsichtsrat der FC Bayern München AG nach intensiver Diskussion einvernehmlich entschieden, dass Uli Hoeneß das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG weiter ausüben soll.“ Was sich danach anhört, als wollten es sich die Sponsoren nicht mit den Fans verderben. Wie beliebt Hoeneß ist, hatte sich unter anderem beim Basketball-Heimspiel des FC Bayern gezeigt. Möglich, dass die Aufsichtsräte und Aktionäre nicht die Wembley-Euphorie trüben wollten. Am späten Abend soll das Gremium entschieden haben, dass Karl-Heinz Rummenigge bis 2016 Vorstandsvorsitzender bleibt.