BR Volleys

Meisterlich auch im Feiern

Nach dem sportlichen Triumph zeigen die BR Volleys auch bei der Titelparty ihre Klasse. Niroomand hofft auf einen Schub für die Sportart

Natürlich feiert man Meisterschaften am besten zu Hause. Vor allem in Berlin, wo sich der ausgewählte Klub geschmeichelt fühlt, vor der zahlreichen Konkurrenz den Vorzug bekommen zu haben. Die BR Volleys hatten diese Chance aber im dritten Spiel der Finalserie mit einer 1:3-Niederlage gegen den VfB Friedrichshafen vertan. Erst drei Tage später war es soweit, nachdem die Berliner in einem bis in den Tie-Break atemberaubenden Spiel den entscheidenden dritten Sieg in der „Best of five“-Serie errungen hatten. Die große Meistersause musste nun also am Bodensee steigen.

Sie begann mit drei Flaschen Sekt, die der Berliner Geschäftsstellenleiter Matthias Klee im VIP-Raum der ZF Arena für die Siegerehrung käuflich erworben und „wirklich gern bezahlt“ hatte, ging dann aber, frisch geduscht, im LSC Restaurant erst richtig los. Der Vorzug der Location lag darin, dass sie fußläufig zu erreichen war. Auch in der Folge blieben dem Meister lange Wege erspart, die Terrasse des Restaurants grenzt unmittelbar an das Rollfeld des Flughafens, von dem sich die Volleys am kommenden Tag auf den Heimweg zur nächsten Party machten.

„Die BRV’s sind Meister, Friedrichshafen Zweiter, Haching ist jetzt Dritter – oh, wie ist das bitter“. Auch die beiden US-Amerikaner, Kapitän Scott Touzinsky und Zuspieler Kawika Shoji, konnten ihr neues Lieblingslied akzentfrei singen, als sie gegen 5.30 Uhr für ein paar Stunden Schlaf zurück ins Hotel gingen. „Ich habe keine Stimme mehr“, kapitulierte Shoji und sang dann doch wieder. „Es war eine lange Saison, und wir sind froh und erleichtert, unser Ziel, den Titel zu verteidigen, endlich erreicht haben.“

„Hoch soll er leben, hoch soll er leben, dreimal hooooch“ wurde auch angestimmt und zwar genau um Mitternacht, als Mark Lebedew sein 45. Lebensjahr abgeschlossen hatte. Geburtstag und Meisterschaft hätten ihm „einen dicken Kopf“ eingebracht, sagte der Australier, ohne zu klagen. „Der Druck ist weg, ich bin happy und befreit,“ gestand er. Und natürlich auch stolz, denn seine Mannschaft hat in der Bundesliga von 29 Spielen, das Play-off eingerechnet, ganze zwei verloren. „Wir haben von Anfang an auf dem Spielfeld gezeigt, was unsere Ziele sind, haben nie den Kopf verloren, sondern auch in schwierigen Momenten immer zusammen gefunden, auch jetzt wieder im Finale.“

Gründe, anzustoßen und immer wieder den Meistersong zu schmettern, gab es also genug. Schließlich hatte Friedrichshafen sieben Meisterschaften in Folge gewonnen, bevor in der vergangenen Saison die Berliner triumphierten. Von einer Wachablösung des zwölfmaligen Meisters und Champions-League-Siegers von 2007 vom Bodensee will Kaweh Niroomand hingegen nicht sprechen. Noch nicht. „Wir können unsere Erfolge nicht mit dem vergleichen, was Friedrichshafen erreicht hat“, sagte Berlins Manager auch im Moment des erneuten Triumphes. Beide Teams hätten „eine tolle Werbung für Volleyball in Deutschland“ gemacht, fand Niroomand, der seinen Klub gern die „Lokomotive“ der Volleyball-Bundesliga nennt, nachdem unter seiner Führung aus dem SCC Berlin die viel professioneller aufgestellten BR Volleys wurden.

Insgesamt besuchten 23.480 Zuschauer die vier Spiele der Finalserie, so viele wie noch nie; im dritten Finalspiel hatten die Berliner mit 8553 Zuschauern abermals einen Ligarekord aufgestellt. „Wir hatten innerhalb von zehn Tagen insgesamt 16.000 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle – das ist fast einmalig in der Welt”, sagte der Macher des Berliner Erfolges. „Das muss dem Volleyballsport helfen. Es geht nicht nur um die BR Volleys, es geht darum, diesen Aufwind für den gesamten Volleyball in Deutschland zu nutzen.”

Der Manager wird aber sicherlich alles tun, dass auch er sich von einer Wachablösung zu sprechen traut. In der vergangenen Saison wurde sein Team in Haching Meister, jetzt in Friedrichshafen. Die nächste Etappe könnte vielleicht sein, auch mal zu Hause die Schale überreicht zu bekommen. „Hm“, schmunzelte Lebedew, „so etwas kann man nicht planen. Dieses Mal hatte Friedrichshafen jedenfalls zu viel Qualität und war zu stolz, um die Serie 0:3 zu verlieren.“ Er sagte es zwar mit dickem Kopf, aber auch der Gelassenheit dessen, der weiß, dass sich Meisterschaften überall feiern lassen.

Empfang bei Wowereit

Zumal ein paar sangesfrohe Stunden und ein provisorisches Löschen des ersten großen Durstes in der Fremde nur ein leichtes Einschwingen sein können, nach rund acht Monaten durch Dick und Dünn. Gestern traf sich das Team – zurück in Berlin – aus völlig freien Stücken auf „ein paar Drinks und bisschen Dancing“ (Shoji) im Maxxim.

Am Mittwoch wird es sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit nicht nehmen lassen, zu gratulieren. „Die Mannschaft hat in Friedrichshafen die Nerven behalten und souverän die Serie gewonnen. Die Volleys haben sich mit diesem Sieg einmal mehr als würdige Botschafter der Sportmetropole Berlin erwiesen“, findet der Regierende und lud die Meistermannschaft in den Säulensaal des Roten Rathauses ein. Für den Abend hat Niroomand ein gemütliches Beisammensein auf seiner Terrasse in Aussicht gestellt. Am Freitag werden die Volleys dann den Feier-Marathon mit den Fans in ihrem Volleyball-Tempel, der Schmeling-Halle abschließen – Einladung folgt.