Fußball

In Bremen regiert die Angst

Werder sieht sich im Abstiegskampf der Bundesliga psychologisch im Nachteil

Die Nachspielzeit hatte Nils Petersen derart aufgewühlt, dass er nicht einmal den Endstand korrekt wiedergab. Blass und mit erstarrten Gesichtszügen stammelte Werder Bremens Stürmer, „dass ich es nicht für möglich gehalten hätte, dass wir dieses Spiel noch verlieren“. Petersen irrte, die Hanseaten holte gegen die TSG Hoffenheim beim 2:2 (2:0) immerhin einen Punkt. Gefühlt – und da lag Petersen richtig – war es für die Bremer jedoch eine Niederlage in der im Vorfeld als Abstiegsgipfel hochgejazzten Partie.

Nach Toren von Aaron Hunt (2.) und Kevin de Bruyne (24.) hatten sie bis zur 85. Minute komfortabel geführt, bis die Hoffenheimer in Person des eingewechselten Sven Schipplock das fragile Werder-Gebilde offensichtlich machten. Erst das Anschlusstor in der 85. Minute, in der ersten Minute der Nachspielzeit dann der Ausgleich. „Wir sind einfach nur down, ein Sieg wäre so wichtig gewesen“, sagte Werders Torwart Sebastian Mielitz.

Der Anblick von Verteidiger Sebastian Prödl, Kapitän Clemens Fritz oder Keeper Mielitz, die wie ein Häufchen Elend auf dem Rasen kauerten, gab dem Abgrund, an dem die Bremer stehen, ein Gesicht. Seit elf Spielen ist der Klub sieglos, mit 62 Gegentoren hat er die schlechteste Defensive der Liga. Nur elf Zähler holten die Bremer in der Rückrunde – es ist die schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte. Das alles sind die Fakten nach dem 32. Spieltag.

Bremens Punktverlust resultierte nicht nur aus spielerischen und taktischen Mängeln, vielmehr war es ein Versagen der Köpfe. Das Werder psychische Probleme mit dem Abstiegskampf hat, daraus machten die Protagonisten keinen Hehl. „Die Angst etwas zu verlieren, wenn du schon etwas hast, ist enorm groß“, sagte Kapitän Fritz etwas kryptisch. Er meinte den scheinbar sicheren 2:0-Vorsprung. Auch Stürmer Petersen sieht den mentalen Vorteil bei der Konkurrenz. „Wir haben keine Erfahrung im Abstiegskampf. Augsburg und Düsseldorf schon.“ Und so bleibt die Frage: Hat Werder mit der Mobilisierung der Massen, die an der Weser bislang einmalig war (41.000 Zuschauer sorgten gegen Hoffenheim für ein ausverkauftes Haus), die letzte Patrone verschossen, weil sich das Team dem Abstieg, zumindest aber der Relegation, scheinbar nicht entgegen stemmen kann?

Daran will Trainer Thomas Schaaf nicht glauben, er argumentiert mit Durchhalteparolen. „Wir haben es nicht durchgebracht und schauen nach vorne gegen Frankfurt. Dann geht’s weiter.“ Aber wohin? Der Gang in die Zweite Liga scheint nach dem bisher einzigen Abstieg 1980 nicht mehr unrealistisch, auch wenn es die Bremer nach wie vor selbst in der Hand haben. So klang der Wunsch von Angreifer Petersen für das Heimspiel gegen Frankfurt am Sonnabend fast schon flehentlich: „Unsere Fans werden in der nächsten Woche genauso Stimmung machen. „Dann ist mir nicht bange, dass wir einen Schlussstrich unter diese Scheiß-Situation ziehen können.“ Immerhin hat man an der Weser die Gefahr des direkten Abstiegs durch das Remis gegen Hoffenheim so gut wie gebannt.