Motorsport

Vettel traut Wehrlein Sprung in die Formel 1 zu

Berliner DTM-Rookie belegt in Hockenheim Rang elf

Gewonnen wird, ob man will oder nicht, ganz oft an der Box. Diese Erkenntnis gilt auch für den Saisonauftakt der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft 2013 auf dem Hockenheimring. Diesmal standen die Boxen-Crews von BMW am besten ihren Mann. Beim Titelverteidiger tüftelte man die perfekte Strategie aus, zu welchem Zeitpunkt die rasenden Protagonisten zu ihren jeweils fälligen Pflichtboxenstopps (Reifenwechsel harte und weiche Mischung) einzubestellen waren – und man wurde mit einem Doppelerfolg durch den Brasilianer Augusto Farfus und den aus der vorletzten Reihe gestarteten Dirk Werner belohnt. „Wahnsinn! Von ganz vorne und ganz hinten auf Platz eins und zwei, das ist der Oberhammer“, jubelte Motorsportchef Jens Marquardt. Dritter wurde Christian Vietoris im Mercedes.

Lob von Damon Hill

Nahe an dem, was so gern im Sport als Wahnsinn bezeichnet wird, war auch das Debüt des jüngsten DTM-Piloten aller Zeiten. Pascal Wehrlein, 18 Jahre und 199 Tage alt und für Mercedes im Berliner Team von Peter Mücke unterwegs, führte das DTM-Feld sogar phasenweise an. Bereits nach seiner fulminanten Trainingsleistung (Startplatz acht) durfte der Rookie Lob aus berufenem Mund genießen. „Pascal hat das richtige Gefühl fürs Rennfahren. Er kann sich, glaube ich, selbst gut einschätzen und er hat ein ziemliches Selbstvertrauen“, sagte der dreimalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, der gemeinsam mit Vater Norbert das Auftaktrennen besucht hatte. Der 25-Jährige, 2004 und 2005 in der Formel BMW und der Formel 3 selbst im Mücke-Team, ging sogar noch einen Schritt weiter. „Er ist erst 18. Warum soll ihm der Sprung in die Formel 1 nicht gelingen? Seine Ausgangslage bei Mercedes ist doch eine gute Voraussetzung.“

Bei der Marke mit dem Stern könnte Wehrlein theoretisch sogar auf Nico Rosberg treffen. „Pascal hat für sein Alter ein enormes Einfühlungsvermögen in den unterschiedlichsten Situationen. Er hat Verständnis für die Technik und ein gutes Gefühl für Rennsituationen“, sparte Rosberg (27) auch nicht mit Lorbeeren für den schnellen Nachwuchsmann. Und weil so viel Lob noch nicht genug war, setzte Damon Hill noch einen drauf. „Wehrlein hat das Zeug zu einem Champion, egal in welcher Klasse er fährt. Er darf sich bloß nicht selbst unter Druck setzen.“ Der mittlerweile 52-jährige Formel-1-Weltmeister von 1996 war in Hockenheim, um seinen Sohn Josh (Platz sechs in der Formel-3-EM) zu unterstützen.

Einen kleinen Wermutstropfen musste Wehrlein im Rennen dann doch akzeptieren. Einige Zeit sogar in Führung liegend, verpasste er als Elfter am Ende der gut 180 Kilometer langen Distanz Platz zehn nur um 1,4 Sekunden. Weniger durch eigene Fehler, als durch die doch noch vorhandenen Erfahrungsvorteile der etablierten Konkurrenten. Wehrlein und sein spanischer Team-Kollege Daniel Juncadella (22, am Ende Zwölfter) warteten bis weit über die Hälfte des Rennens auf ihre ersten Pflichtstopps und drehten ihre Runden an der Spitze des Feldes. „Ich war mir sicher, dass ich schnell sein werde. Natürlich hätte ich gern gepunktet (bis Platz zehn, d.R.), aber das werde ich hoffentlich bald nachholen“, gab sich Wehrlein ganz abgeklärt.

Der ehemalige Formel-1-Pilot Timo Glock schied vorzeitig aus, nachdem sich in Runde 17 das rechte Hinterrad an seinem BMW gelöst hatte. „Wir haben eben als neues Team beim ersten Boxenstopp einen Fehler gemacht“, relativierte der 33-Jährige das Missgeschick. „Ich war nach der ersten Runden in den Top Ten, das war kein so schlechter Start.“