Volleyball

BR Volleys verteidigen den Meistertitel

Zweiter Matchball verwandelt: Berlins Volleyball-Team jubelt nach Krimi in Friedrichshafen

Die Betreiber der Schmeling-Halle können für den Mittwoch ein Schlagersternchen oder einen Blues-Barden buchen. Der „Volley-Tempel“ wird jedenfalls nicht mehr benötigt. Die BR Volleys sind Deutscher Meister, haben in einem atemberaubend spannenden vierten Finalspiel beim VfB Friedrichshafen mit 3:2 (25:23, 25:22, 23:25, 22:25, 15:11) und damit die „Best of five“-Serie mit 3:1 gewonnen.

Die Berliner führten vor 3.300 Zuschauern bereits nach Sätzen mit 2:0, mussten dann aber bis in die letzten Ballwechsel des Tie-Breaks zittern. Erst nach 135 Minuten konnten sich Coach Mark Lebedew und sein Team erlöst in den Armen liegen. Er habe „alle sieben Stufen der Hölle durchlebt und auch ein paar des Himmels“, sagte Lebedew geschafft. Manager Kaweh Niroomand gestand: „Das ging an die Nerven. Hätte Friedrichshafen die Serie ausgeglichen, wäre es in Berlin sicherlich richtig eng geworden.“ So aber bleibt ja nun der „Volleyball-Tempel“ leer.

Die Berliner starteten anders als bei der Niederlage am Donnerstag wach und aggressiv. Genau wie sie es sich vorgenommen hatten. Aber die Friedrichshafener standen ihren Gästen nicht nach. Die Partie war vom ersten Ballwechsel an eines Endspiels würdig, und es wurde sofort klar: Beide kannten sich nach drei Duellen in den vergangenen zwei Wochen aus dem Eff-Eff. Bis zum 10:10 konnte sich keines der beiden Teams mit mehr als einem Punkt absetzen. Dann führten die Berliner zwar 12:10 und 16:14, gerieten aber beim Stand von 18:21 dennoch in Not. „Den Kopf und die Organisation nicht zu verlieren und auch bei Rückständen ruhig weiter zu spielen“, hatte Niroomand als Fahrplan vorgegeben. Und genau das gelang. Paul Carroll und Kawika Shoji drehten den Satz noch – 25:23, der erste Schritt zur Titelverteidigung war getan.

Die Gastgeber zeigten Wirkung. Nicht gleich, aber nachdem die Volleys mit 10:7 und 17:12. Einige Entscheidungen der Schiedsrichter erzürnten die Hausherren und allen voran ihren Trainer Stelian Moculescu. Umzustimmen waren die Referees nicht, aber die Konzentration war gestört. Die Berliner machten aus einem 19:18 schnell ein 23:19. Wie schon im ersten Durchgang verwandelte Carroll den Satzball. 25:22, nur noch 25 Punkte, und die Titelverteidigung wäre perfekt.

Aber es kam anders: Friedrichshafen ging mit dem Rücken zur Wand volles Risiko. Zum einen bei den Aufgaben, zum anderen griffen die Gastgeber variabler an. Zu den Schmetterbällen von außen, die Ventceslav Simeonov bislang im Berliner Geviert hatte einschlagen lassen, kamen schnelle Bälle durch die Mitte. Der Berliner Block kam gegen Joao Jose mehrfach zu spät. Die Volleys liefen hinterher, führten dann aber doch 22:21. Beim 23:23 hieß es Meisterschafts- oder Satzball. Es wurde ein Satzball, den die Gastgeber auch verwerteten

„Wir waren zwei Sätze lang wirklich souverän und hatten da die Chance, den Sack zuzumachen“, beschrieb Niroomand den Moment, in dem das Zittern begann. Denn jetzt wurde das Spiel zur Nervenschlacht. Die Berliner mussten ihre Sorge bekämpfen, wie schon am Donnerstag in Berlin einen Matchball zu vergeben. Die Gastgebern witterten die Chance, ein fünftes Spiel zu erzwingen. Die Volleys konnten im vierten Satz nur einmal zum 17:17 ausgleichen. Beim 21:22 gelang der Ausgleich nicht mehr. 22:25, der Tie-Break musste entscheiden.

Sikiric bringt die Wende

Selbst Lebedew hielt einen Sieg beim Stand von 4:8 für „eher unwahrscheinlich“. Aber dann brachte er Roko Sirikic. „Roko hat mit seinen Aufschlägen unheimlichen Druck gemacht“, erklärte Robert Kromm das Wunder von Friedrichshafen. „Wie wir das Ding noch gedreht haben, weiß ich aber wirklich nicht. Das ist wie ein Filmriss. Das hat richtig Nerven gekostet. Da bekommt man nicht mehr viel mit.“ Er sei „mit dem Ziel, Meister zu werden, nach Friedrichshafen gefahren“, erzählte Kromm weiter. „Dass es geklappt hat, ist eine große Erleichterung, da fällt eine Menge Druck von mir ab.“ Von der Siegerehrung hat er natürlich wieder alles mitbekommen. Dann verschwand er in eine lange Friedrichshafener Nacht, um endlich den Flüssigkeitsverlust der vergangenen Wochen auszugleichen.