Basketball

„Das Spiel wird hässlich werden“

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Das Play-off-Viertelfinale zwischen den großen Rivalen Alba und Bayern München steckt voller Brisanz

Die Augen von Sven Schultze blitzen kämpferisch: „Das werden richtig geile Spiele“, sagt der Kapitän von Alba Berlin mit Blick auf das anstehende Play-off-Viertelfinale in der Basketball-Bundesliga. Alba trifft auf Bayern München, los geht’s nach dem Modus „Best of five“ am kommenden Sonnabend in München (17 Uhr, Sport1). In Berlin steht man sich im zweiten Spiel am Mittwoch, 8. Mai (19.30 Uhr), gegenüber. Weitere Termine sind der 12. Mai (München) und eventuell der 14. Mai (Berlin) sowie als möglicher Showdown der 18. Mai (München).

Berlin gegen München, von der Brisanz her hätte das Aufeinandertreffen sicherlich auch Final-Format, obwohl nur der Vierte (Bayern) gegen den Fünften (Alba) spielt. „Na klar, das ist immer was Besonderes, auch wenn wir schon öfter gegeneinander gespielt haben“, meint auch Münchens Sportdirektor Marko Pesic, der einst selbst viele Jahre lang das Alba-Trikot trug.

Jede Menge Alba steckt in den Bayern. Fast wie eine Berliner Filiale wirkt der Klub aus der bayerischen Hauptstadt. Alle waren sie einmal bei Alba: Markos Vater Svetislav Pesic, der Trainer, führte Alba zu den ersten Titeln. Sein jetziger Assistent Emir Mutapcic setzte einst Pesics Arbeit in Berlin fort. Es reicht über die Spieler Jan-Hendrik Jagla, Demond Greene, Aleksandar Nadjfeji und Steffen Hamann bis hin zu Betreuer Eike Marx.

Alba gegen Bayern, da flogen in dieser Saison schon einige Giftpfeile hin und her. Vor allem zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Alba, Axel Schweitzer, und Uli Hoeneß. Der Bayern-Präsident hat zurzeit allerdings andere Sorgen.

Zweimal hat Alba bereits gewonnen

„Jedes Spiel wird wie ein Finale sein“, mutmaßt Nihad Djedovic. Heiko Schaffartzik weiß schon, was wichtig sein wird: „Wir müssen in München extrem giftig und aggressiv spielen.“ Albas Spielmacher ist sich sicher: „Das Spiel wird hässlich werden. Aber wenn es so wird, dann ist der Vorteil auf unserer Seite.“ Und er verweist auf die Statistik: „Wir haben sie ja schon zweimal geschlagen.“

Bereits in drei Pflichtspielen standen sich die beiden Mannschaften in dieser Spielzeit gegenüber. „In Berlin wurden wir zweimal abgewatscht“, erinnert sich Marko Pesic. In der Liga gewann Alba 82:70, im Pokal-Halbfinale 92:83. In München allerdings ging Berlin in der Liga 61:79 unter. Beide Teams sind nicht gerade auswärtsstark. „Es war sehr wichtig, dass wir den Heimvorteil hingekriegt haben“, sagt Pesic. Als Vierter kann München in einem potenziellen fünften Spiel im Audi-Dome spielen. Alba muss also in München mindestens einmal gewinnen. Die Bilanz des Grauens zur Erinnerung: Von den vergangenen elf Auswärtsspielen in der Bundesliga hat Alba genau eines gewonnen.

Nimmt man die spielerischen Leistungen in den vergangenen Partien und die momentanen Verletzungssorgen bei Pokalsieger Alba, scheinen die Chancen nicht besonders gut zu stehen. Für Center Ali Traoré ist die Saison nach einer schweren Knieverletzung beendet, doch bei den Berlinern setzt man darauf, dass die am Sonnabend gegen Bayreuth (75:74) angeschlagen fehlenden DaShaun Wood (Achillessehne) und Derrick Byars (Rücken) wieder fit sein werden. Und „dass jetzt ein ganz neuer Wettbewerb beginnt“, wie es Trainer Sasa Obradovic ausdrückt.

Sieg wichtig fürs Selbstvertrauen

Es geht wieder bei Null los, vergessen soll alles sein, was war. Zum Beispiel die 14 Niederlagen in der Liga; mit einer so schlechten Bilanz ging Alba noch nie ins Play-off. „Ich bin froh, dass die Hauptrunde vorbei ist“, sagt Obradovic. „Wenn man die Saison analysiert, hätten es schon ein paar Siege mehr sein können.“ Wichtig sei allerdings, dass die Mannschaft nun mit einem Erfolgserlebnis in die entscheidende Saisonphase gehe. „Der Sieg war wichtig fürs Selbstvertrauen“, stimmt Schultze zu, der lachend über sich sagt: „Ich bin immer im Play-off-Modus.“

Marko Pesic weiß aus seiner Spielerkarriere: „Jetzt beginnt die Zeit, wo es nicht eine Frage der Qualität ist, jetzt zählen auch mentale Vorbereitung und innere Motivation.“ Für Albas Sportdirektor Mithat Demirel bedeutet das auch: „Jeder Einzelne muss sich in den Dienst der Mannschaft stellen. Das ist das Erfolgsgeheimnis im Play-off.“

Es sei nicht einfach, „jetzt den berühmten Schalter umzulegen“. Aber alles sei möglich, wenn ein Team zusammenrücke, sagt Demirel. So wie 2002, als Alba zum letzten Mal nur als Fünfter ins Play-off ging und dann doch Meister wurde. Albas Trainer hieß damals Emir Mutapcic und über den Titel jubelten gemeinsam: Marko Pesic und Mithat Demirel.