Kampf um Champions-League-Plätze

Huntelaar schießt Schalke in Richtung Königsklasse

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Niederländer erzielt drei Tore gegen schwachen HSV. Wird Stefan Effenberg neuer Trainer in Gelsenkirchen?

Als Klaas-Jan Huntelaar nach seinem grandiosen Comeback in der 86. Minute den Platz verließ, erhoben sich die Schalker Fans von ihren Sitzen. Der Niederländer war nach sieben Wochen Verletzungspause mit seinen Saisontreffern acht bis zehn sowie einer Torvorlage der umjubelte Matchwinner beim 4:1 (2:1) der Königsblauen gegen den Hamburger SV und führte sein Team wieder auf Champions-League-Kurs. „Das war mein bestes Spiel in diesem Jahr und ein wichtiger Schritt. Aber wir benötigen noch einige Punkte“, sagte Huntelaar: „Es ist toll, wenn man so zurückkommt, dann hat sich alle Mühe gelohnt.“

„Huntelaar hat schon im Training viel gearbeitet. Wir sind froh, dass er wieder da ist“, sagte Trainer Jens Keller: „Der Sieg war hochverdient, auch in dieser Höhe. Wir haben einen kleinen Schritt gemacht und haben uns etwas absetzen können.“

Ob Keller die Schalker in der kommenden Saison betreuen wird, ist aber weiterhin fraglich. Nach „Bild“-Informationen soll Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg Top-Kandidat auf den Trainerposten sein. „Es ist noch nichts entschieden. Wir werden uns an Spekulationen nicht beteiligen“, sagte Sportdirektor Horst Heldt und nannte Effenberg jedoch „einen Trainer der Zukunft“.

Der 44-jährige Effenberg wollte Verhandlungen weder dementieren noch bestätigen: „Natürlich ist es mein Ziel, als Trainer zu arbeiten. Die Voraussetzungen sind bei Schalke gegeben.“ Um dann wie Heldt zu erklären: „An Spekulationen beteilige ich mich nicht.“ Um mit seiner Aussage eben gerade Spekulationen anzuheizen. Es wäre wenig verwunderlich, wenn Schalke und Stefan Effenberg zusammenkämen.

Treuebekenntnis von Julian Draxler

Ungeachtet aller Nebenkriegsschauplätze nutzten die Gelsenkirchener durch den überzeugenden Sieg die Gunst der Stunde und festigten den vierten Platz, der zur Teilnahme an der Qualifikation zur Königsklasse berechtigt. Weil die komplette Konkurrenz im Kampf um Europa patzte, durfte sich Schalke mit nun drei Punkten Vorsprung vor dem ärgsten Verfolger Eintracht Frankfurt als Sieger des 31. Bundesliga- Spieltages fühlen.

Auch den Kampf um Julian Draxler haben sie vorerst gewonnen. „Einige haben die Gerüchte für bare Münze genommen, das hat mich traurig gemacht. Ich kann ein für allemal versprechen, dass ich nicht für Borussia Dortmund spielen werde“, sagte der 19-Jährige, der noch einen Vertrag bis 2016 besitzt.

Im Mittelpunkt stand am Sonntagabend aber Huntelaar, der sich Anfang März eine Knieverletzung zugezogen hatte. Er bereitete zunächst das Tor von Michel Bastos (9.) vor. Dann traf der 29-Jährige im Dreierpack: erst mit dem Fuß zum 2:1 (21.), dann zweimal per Kopf (58. und 66.). Marcell Jansen hatte den HSV, der als Achter weiter Chancen auf die Europa League hat, in der fünften Minute in Führung gebracht.

Die Schalker, die zuletzt ihre ersten beiden „Endspiele“ nicht gewonnen hatten, zeigten vor 61.673 Zuschauern in der ausverkauften Arena deutlich mehr Biss. Vor allem dank Rückkehrer Huntelaar war die Offensive wieder durchschlagskräftiger als in den vergangenen Wochen. Der HSV erwischte einen Start nach Maß. Nach einer Kopfballvorlage des Ex-Schalkers Heiko Westermann setzte sich Jansen im Duell mit Roman Neustädter robust durch und köpfte zur Hamburger Führung ein. Schalke schüttelte sich nur kurz und antwortete prompt: Mit einem Steilpass auf Huntelaar machte Neustädter seinen Fehler wieder gut. Der Niederländer setzte Michel Bastos ein, der zum 1:1 traf. Es war das vierte Saisontor des Brasilianers, der in der Winterpause nach Gelsenkirchen gekommen war.

Zwölf Minuten später war der Torschützenkönig der vergangenen Saison selbst erfolgreich: Nachdem sich Draxler am Fünfmeterraum durchgesetzt hatte, musste Huntelaar den Ball nur noch über die Linie drücken. Keine Chance hatte der HSV-Keeper Rene Adler bei Huntelaars zweitem Treffer: Raffael ließ Petr Jiracek stehen und flankte genau auf den Kopf des Schalker Torjägers. Acht Minuten später wehrte Adler den Ball nach einer scharfen Hereingabe von Draxler genau auf Huntelaars Kopf ab, der erneut traf.