Boxen

Ex-Weltmeister Brähmer überzeugt mit K.o.-Erfolg

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Boxen: „Golden Jack“ Culcay scheitert am Argentinier Pitto

Dass er ein Mann ist, der wenigstens in großen Teilen sein Wort hält, das konnte Jürgen Brähmer in der Nacht zu Sonntag vor 3200 Fans in der Sporthalle Hamburg beweisen. „Der Franzose kriegt hier auf die Hose“, hatte der Halbschwergewichts-Europameister im Vorfeld seiner Titelverteidigung gegen Tony Averlant gereimt. Im übertragenen Sinne stimmte das zwar, dennoch war es gut, dass Brähmer nach 2:36 Minuten der zweiten Runde rund 30 Zentimeter höher zielte als auf das Beinkleid seines französischen Herausforderers.

Mit einem blitzsauberen linken Haken auf die Leber knockte der 34-Jährige seinen fünf Jahre jüngeren Kontrahenten aus. Nun wäre es sicherlich verkehrt, aus nicht einmal zwei Runden gegen einen durchschnittlich begabten Boxer wie Averlant, der im 28. Kampf bereits die achte Niederlage einstecken musste, zu viel herauslesen zu wollen, klar ist aber: Die WBO hat laut Chris Meyer, Geschäftsführer von Brähmers neuem Promoter Sauerland Event, festgelegt, dass der walisische Weltmeister Nathan Cleverly seinen Titel gegen Brähmer verteidigen muss. Cleverly gewann gerade gegen den beim Magdeburger SES-Team beschäftigten Robin Krasniqi klar nach Punkten. Neben der erneuten WM-Chance gab es für den 34 Jahre alten Ex-Weltmeister Brähmer (2009 bis 2010) noch eine gute Nachricht. Sein Berater Peter Hanraths fliegt mit ihm am Dienstag zum Champions-League-Rückspiel der Bayern beim FC Barcelona.

Eine herbe Enttäuschung gab es dagegen für das Team Sauerland nach dem Auftritt von Halbmittelgewichtler Jack Culcay. Einigkeit bestand darin, dass die 1.2-Punktniederlage des 27-Jährigen gegen Guido Nicolas Pitto (25) aus Argentinien der Kategorie Fehlurteile zuzuordnen ist. Dennoch hat auch der 15. Auftritt des letzten deutschen Amateurbox-Weltmeisters (2009 in Mailand) gezeigt, dass „Golden Jack“ noch sehr weit von der wirklichen Weltspitze der Berufsfaustkämpfer seiner Gewichtsklasse entfernt ist. Zumindest im Ring. Außerhalb wird er bereits zum Star stilisiert. Für einen PR-Termin durfte eine Künstlerin „Golden Jack“ komplett in Gold einfärben…

Culcays Manko: Er will glänzen, statt bei jeder sich bietenden Gelegenheit entschlossen nachzusetzen, so wie es Brähmer tut. Die zu recht umstrittene Niederlage gegen Pitto hat dennoch gezeigt, dass auf Culcay noch viel Arbeit wartet. Vor allem mit zunehmender Kampfdauer verlor der Lokalmatador an Übersicht. Culcay, laut Promoter Kalle Sauerland „ein ganz wichtiger Zukunfts-Baustein für das Team“, ist den Nachweis der WM-Tauglichkeit bislang noch schuldig geblieben. Ob es jemals für eine Augenhöhe zu absoluten Top-Boxern wie dem Amerikaner Floyd Mayweather Jr. oder dem Mexikaner Saul Alvarez reicht, bleibt abzuwarten. Noch kommt eine WM zu früh.

Ganz anders dagegen für den Berliner Marco Huck, Stallgefährte von Brähmer und Culcay. Der amtierende WBO-Champion im Cruisergewicht verteidigt seinen Titel am 8. Juni in seiner Heimatstadt in der Max-Schmeling-Halle gegen den Briten Ola Afolabi.