Neuzugänge

Hertha hängt in der Warteschleife

Götze-Transfer stößt das Transfer-Karussell an, auf dem es ein Aufsteiger aber nicht leicht hat

Als perfekt melden belgische Medien den Transfer: Für eine Ablöse von 15 Millionen Euro wechselt Kevin de Bruyne (21/FC Chelsea) für einen Fünf-Jahres-Vertrag zu Borussia Dortmund. Diese Nachricht, wenn sie sich bestätigt, ist für Hertha BSC eine gute und eine schlechte. Und zugleich ein Beispiel, wie sehr die Klubs miteinander verwoben sind. Zugegeben, im Haifischbecken des europäischen Fußballs ist Hertha ein eher kleiner Fisch. Einer, der die spektakulären Coups der Götze oder Lewandowski den Medien entnimmt. Aber seit dem erfolgreichen Bundesliga-Aufstieg ist Hertha zumindest für die kommende Saison ein erstklassiger kleiner Fisch.

Langkamp, van den Bergh kommen

Und damit Teil des Geschäftes. Den Mechanismus hat Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt, beschrieben. Er rügte gerade den Stil der Bayern in Sachen Götze. Zugleich sagte Bruchhagen, er hätte ähnlich gehandelt. „Hätten wir einen Etat wie der FC Bayern, würden wir auch 37 Millionen Euro für so einen Spieler ausgeben. Das sind normale Vorgänge, wie sie seit Jahrzehnten stattfinden – es geht doch immer von oben nach unten. Das ist die natürliche Nahrungskette.“

In dieser Kette ist Hertha nun etwas höher geklettert. Die Profis werden heute beim FC St. Pauli in der Endphase dieser Zweitliga-Saison noch mal am Freudenhaus des FC St. Pauli vorstellig (Millerntor/13.30 Uhr). Im Hintergrund laufen längst die Planungen für den Kampf mit den größeren Fischen. Dafür brauchen die Berliner mehr Qualität im Kader. Wie die Morgenpost erfuhr, darf man zwei Zugänge als sicher betrachten. So wird vom FC Augsburg Sebastian Langkamp (25) kommen. Der 1,90-m-große Innenverteidiger ist ein alter Bekannter von Trainer Jos Luhukay. Er wurde gerade an der Leiste operiert. Zum Trainingsauftakt in Berlin Ende Juni sollte Langkamp wiederhergestellt sein. Als sicher darf die Verpflichtung von Johannes van den Bergh (26) gelten, linker Verteidiger von Fortuna Düsseldorf. Beide sind ohne Ablöse zu haben, ihre Verträge laufen zum 30. Juni aus. So weit, so gut.

Aber nun hängt Hertha in der Warteschleife. Gesucht werden zwei weitere Spieler für die Offensive. Mit Blick auf die bekannten wirtschaftlichen Zwänge bei Hertha liegt das Augenmerk neben ablösefreien Profis auf Leihgeschäften. Etwa auf dem schnellen Karim Bellarabi (23), einem gebürtigen Berliner in Diensten von Bayer Leverkusen. Bellarabi, Deutsch-Marokkaner, kommt über die Außenbahnen, bevorzugt die rechte. Ein anderer Hoffnungsträger ist Moritz Leitner (20), Rohdiamant von Borussia Dortmund, den Trainer Luhukay aus gemeinsamen Tagen in Augsburg kennt. Eigentlich sind Spieler dieser Qualität für Hertha unerschwinglich. Es sei denn, unverhofft öffnet sich eine sonst verschlossene Tür.

Hier kommt der anfangs beschriebene de Bruyne ins Spiel. Landet der belgische Nationalspieler als Götze-Nachfolger in Dortmund, hat das mehrere Auswirkungen. Dann wäre das BVB-Mittelfeld besetzt mit Reus, Gündogan, Sven Bender, Kehl, de Bruyne, Großkreutz, Blaszczykowski sowie den Talenten Bittencourt – und Leitner. Eine Konstellation, in der sich Hertha Hoffnungen ausrechnen darf, U21-Nationalspieler Leitner für eine Saison auszuleihen.

Andererseits bewirkt die Personalie de Bruyne, dass die Tür für Bellarabi in Leverkusen nicht aufgeht. Eigentlich hatte Bayer-Sportchef Rudi Völler mit dem FC Chelsea ausgehandelt, dass Andre Schürrle für eine Ablöse von etwa 22 Millionen Euro nach London wechseln kann. Unter der Voraussetzung, dass Leverkusen Ersatz findet. Der heißeste Kandidat als Schürrle-Ersatz war de Bruyne, ebenfalls beim FC Chelsea unter Vertrag. Wenn der Belgier sich jedoch für Dortmund entscheidet, bleibt die Personal-Konstellation in Leverkusen bis auf Weiteres unverändert. Bellarabi kam bei Bayer bisher zu acht Saisoneinsätzen, seit Oktober 2012 hat er gar nicht mehr gespielt.

Ein anderer Teufel, der im Detail liegt. Bellarabis Vertrag in Leverkusen läuft bis Juni 2014. Er kann in diesem Sommer nicht ausgeliehen werden. Es sei denn, Bayer hat den Kontrakt stillschweigend verlängert. Zudem ist die Interessenslage der großen und der kleinen Fische sehr verschieden. Für den BVB und Bayer sind die diskutierten Namen nachgeordnete Personalien, die zum Ende der Vorbereitung entschieden werden. Hertha als Aufsteiger möchte die Mannschaft möglichst früh zusammen haben, damit sie sich einspielen kann.

Als kleiner Fisch muss sich Hertha in Geduld üben. Und hat – das Transferfenster ist bis zum 31. August offen – eine Menge Mitbewerber. Hertha-Manager Michael Preetz sagte: „Früher war es eine Nische, heute wollen alle Klubs junge, hungrige Spieler. Da muss man ruhigen Kopf bewahren, auch wenn es etwas dauert.“