Deutsche Meisterschaften

Schwimmer Deibler zwischen Eisdiele und Existenzsorgen

Viel genascht haben Markus und Steffen Deibler sicher nicht.

Schlank und durchtrainiert präsentieren sich die Schwimm-Brüder dieser Tage bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin, dabei ist die Versuchung seit voriger Woche groß. Da eröffnete Markus Deibler mit der Freundin seines Bruders seine eigene Eisdiele „Luicella's“ mitten im Hamburger Vergnügungsviertel St. Pauli.

„Steffens Freundin kam mit der Idee von ihrem Auslandssemester, dann haben wir einen Businessplan entworfen. Das hat sich alles so gut angehört, dass ich gesagt habe: Komm, das ziehen wir jetzt durch“, sagte Jungunternehmer Deibler und scherzte: „Ich habe meine Ernährung jetzt nicht komplett auf Eis umgestellt.“

Denn in der nacholympischen Saison haben sowohl Markus (23) als auch Steffen (25) wieder Großes vor. Beide Olympia-Finalisten gelten nach dem Startverzicht von Paul Biedermann als Hoffnungsträger der deutschen Schwimmer für die Weltmeisterschaften in Barcelona (19. Juli bis 4. August). Doch die beiden Hamburger schlagen Alarm: Weil ihnen nach Olympia alle drei Sponsoren abgesprungen sind, bangen sie um die Fortsetzung ihrer Karriere bis zu den Sommerspielen 2016. „Wenn wir im nächsten Jahr keine Sponsoren finden, dann ist Rio gestrichen“, sagte der Olympia-Vierte Steffen Deibler: „Wir finanzieren uns gerade von unseren Rücklagen.“ Und Bruder Markus sagte fast schon resignierend: „Wenn unsere Leistungen und unsere Arbeit so wenig Anerkennung finden, dann war es das eben.“

Die Entwicklung kommt überraschend, denn durch ihre Finalteilnahme in London sind die Deibler-Brüder in die erste Riege der Nationalmannschaft geschwommen. Sie gehören offiziell zum „Eliteteam“ wie außer ihnen nur noch Biedermann und dessen Freundin Britta Steffen. Und sie sprechen mit ihren zahlreichen Aktivitäten in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook viele junge Fans an. Doch nur eine Medaille beim Saisonhöhepunkt taugt als Lockmittel für neue Sponsoren.

„Die WM ist eine coole Sache“, sagte daher Markus Deibler, der sich gestern über 200 Meter Lagen ebenso souverän für die WM qualifizierte wie Steffen über 50 Meter Schmetterling. Außerdem bleibt ja noch die Eisdiele „Luicella's“ als Geldquelle. Doch Markus Deibler wollte sich damit eigentlich für die Zeit nach dem Schwimmen absichern, nicht den Sport querfinanzieren.