Fußball

Unions Auftritt in Aalen wird zum Charaktertest

Sechsstündige Busfahrt macht nur ein Sieg erträglich

Zwei Radfahrer hatten in Köpenick ihre Tour kurz unterbrochen, um am Eingang zum Stadion an der Alten Försterei Halt zu machen und die neue Haupttribüne zu bewundern. Schließlich sagte einer zum anderen: „Also verklinkert sieht die Tribüne irgendwie kleiner aus.“ Das wirft natürlich folgende Frage auf: Macht sich der 1. FC Union vor dem Spiel heute beim VfR Aalen (18 Uhr, Sky) kleiner als er eigentlich ist?

Uwe Neuhaus lobt jedenfalls erst einmal den Gegner. „Ich habe Hochachtung davor, wie sie ihr Tor verteidigen“, sagte der Union-Trainer also. Und: „Nach einem Ballverlust gehen sie sofort auf den Gegner drauf.“ Das klingt wahrlich nicht nach einer Berliner Mannschaft, die zwischendurch mal Relegationsplatz drei im Blick hatte und sich nach dem letzten Spieltag am 19. Mai im Bereich der Ränge fünf bis sieben einfinden möchte. „Entgegen anders lautender Gerüchte: Wir fahren hin und versuchen es noch mal“, übte sich Neuhaus zudem in Galgenhumor.

Drei Spiele ohne Sieg mit nur zwei mickrigen Zählern haben die Köpenicker offenbar tatsächlich zurückhaltender werden lassen. „Wir sollten nicht mehr so viel über Saisonziele reden, sondern darüber, wie wir auch mit Blick auf die neue Saison unser Spiel verbessern können“, sagte Michael Parensen.

Youngster Skrzybski macht Dampf

Da der Mittelfeldspieler wegen seiner Gelbsperre fehlen wird, wird Neuhaus wohl erneut auf einen Profi zurückgreifen, mit dem er über diese Spielzeit hinaus nicht mehr plant. Schon gegen Dresden (0:0) hatte Christoph Menz die Rolle im defensiven Mittelfeld übernommen. Im Ostalbkreis bekommt der 24-Jährige eine weitere Gelegenheit, sich für einen neuen Arbeitgeber, mutmaßlich in Liga zwei, zu empfehlen. „Ich wäre natürlich gern bei Union geblieben. Aber nun freue ich mich nach 13 Jahren auf etwas Neues“, sagte Menz. Aber: „Keiner von uns hat die Saison bereits abgehakt.“

Mit Steven Skrzybski, wie einst Menz als großes Talent in Köpenick geschätzt, wartet zudem ein 19-Jähriger darauf, den Etablierten weiter Dampf zu machen. Immerhin hat der Youngster den Brasilianer Silvio als Joker verdrängt. Nun klopft er mehr und mehr an die Tür zur Startelf. „Er trainiert seit der Winterpause auf hohem Niveau“, begründete Trainer Neuhaus seine Entscheidung pro Nachwuchsmann. Und tatsächlich sorgte der schnelle Angreifer nach seinen Einwechslungen stets für neuen Schwung im Angriff.

Doch es sind die etablierten Spieler wie Torsten Mattuschka, Fabian Schönheim oder Simon Terodde, die zeigen müssen, dass sie die Saison mit Anstand zu Ende bringen können. So wird Unions Auftritt in Aalen zu einem Charaktertest. Es war Roberto Puncec, der es auf den Punkt brachte. „Wir müssen unbedingt gewinnen, sonst wird die gut sechs Stunden dauernde Heimfahrt fürchterlich werden“, sagte der Innenverteidiger.