Potentieller Aufsteiger

Hertha ist wieder heiß begehrt

Zur Aufstiegsparty am Sonntag werden 50.000 Fans erwartet. Catering-Vertrag bringt neues Geld

Die Ladenkasse springt mit einem hellen Klingeln auf, und die Münzen rasseln nur so hinein – so klingt es im digitalen Zeitalter schon seit Längerem nicht mehr. Aber so in etwa wie bei „Money“, dem Klassiker von Pink Floyd, darf man sich den Geldfluss vorstellen, der derzeit in die Kassen von Hertha BSC strömt. Seitdem am späten Montagabend feststand, nach dem 1:1 des Tabellendritten aus Kaiserslautern in Aue, dass der Spitzenreiter der Zweiten Liga am Sonntag mit einem Sieg über den SV Sandhausen den Aufstieg in die Bundesliga perfekt machen kann, will jeder dabei sein (13.30 Uhr, Olympiastadion).

An den Vorverkaufsstellen werden derzeit täglich mehr als 3000 Karten verkauft für den 30. Spieltag. Ohne dem Gegner zu nahe treten zu wollen: An den Gästen liegt das sicher nicht. Der Aufsteiger aus dem Badischen reist als Tabellenvorletzter an. In Sandhausen wurden für den 640 Kilometer langen Ausflug von der oberrheinischen Tiefebene in die Hauptstadt exakt zwei Tickets abgesetzt.

Somit wird es stimmlich eine einseitige Angelegenheit im Olympiastadion. Hertha erwartet zur mutmaßlichen Aufstiegsfeier 45.000 Zuschauer. Insgeheim hoffen die Verantwortlichen, die 50.000-Marke zu übertreffen, wenn ganz Berlin auf einer blau-weißen Wolke schwebt.

Zuschauerschnitt übertroffen

Mit der Resonanz des Publikums im letzten Saisondrittel schafft es der Klub auch, den kalkulierten Durchschnitt von 38.000 Besuchern zu übertreffen. Aktuell verzeichnen die Berliner mit 36.300 Zuschauern pro Spiel den zweitbesten Besuch der Liga (hinter dem 1. FC Köln/39.850). Drei Begegnungen stehen noch aus bis zum Saisonende. Am 19. Mai, dem letzten Spieltag, hofft Hertha gegen Energie Cottbus auf eine große Abschlussparty im ausverkauften Olympiastadion. Zuvor werden Sandhausen und am 3. Mai Erzgebirge Aue erwartet.

Mit Blick auf diese Perspektive sagte Ingo Schiller, der Finanz-Geschäftsführer von Hertha BSC: „Es ist fantastisch, dass wir in dieser Zweitliga-Saison einen Schnitt von über 40.000 Zuschauern erreichen werden.“ Zumal die Zeiten, als Hertha im Topspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern die Berliner händeringend um einen Stadionbesuch bat, gerade erst zwei Monate zurückliegen.

Viele Anhänger am Sonntag im Olympiastadion bedeuten nicht nur satte Eintrittsgelder für den Verein, sondern auch ordentliche Umsätze beim Catering in Sachen Bratwurst, Hotdogs, Fischbrötchen, bei den Softdrinks oder beim Bier. Da trifft es sich gut, dass der Catering-Vertrag im Stadion zum Juni 2014 auslaufen wird.

Bisher wurde dieser Posten von der Olympiastadion GmbH vermarktet, künftig fällt dieses Recht an Hertha BSC. Gestern Abend beschloss das Hertha-Präsidium einstimmig, diese Rechte selbst zu vermarkten. „Wir können und werden diese Rechte vergeben“, bestätigte Schiller der Morgenpost.

Es geht um einen Sechs-Jahres-Vertrag bis 2020. Der Wert dieser Rechte liegt bei zehn bis zwölf Millionen Euro. Derzeit verhandelt Hertha mit mehreren Anbietern. Mit dem bisherigen Caterer Aramark sowie mit einigen weiteren Unternehmen, die in der Lage sind, den gastronomischen Betrieb bei einer Veranstaltung mit bis zu 75.000 Zuschauern zu gewährleisten. Da der Verein Mieter des Olympiastadions ist, hat Hertha die Olympiastadion GmbH und das Land Berlin als Besitzer über den Vorgang informiert.

Noch offen ist, wann eine Entscheidung über den künftigen Dienstleister fallen wird. Klar ist indessen, dass Hertha noch vor dem 30. Juni dieses Jahres in Erwartung der anstehenden Einnahme ein sogenanntes Factoring-Geschäft machen wird. Das heißt, der Verein wird noch vor Saisonende von einem Investor rund zehn Millionen Euro bekommen. Als Sicherheit dient der künftige Catering-Vertrag.

Nun hat Hertha BSC für diese Art von Vorkasse bereits vor sieben, acht Jahren heftige Kritik einstecken müssen. Zu Zeiten von Dieter Hoeneß, dem damaligen Vorsitzenden der Geschäftsführung, hatte sich der damalige Bundesligist über Jahre eine horrend teure Mannschaft geleistet, die aber leider die angestrebte Qualifikation für die Champions League jeweils verfehlt hatte. Unter den finanziellen Spätfolgen von damaligen „Sales-and-lease-back“- oder „Forfaitierungs“-Geschäften leidet Hertha bis heute.

DFB erteilt Lizenz unter Auflagen

Diesmal jedoch, so versichern die Verantwortlichen, gehe es nicht um riskante Wetten auf die Zukunft, sondern um seriöses Wirtschaften. Finanzchef Schiller begründet das Vorgehen mit den Catering-Rechten so: „Die eventuell zu erzielenden Einnahmen sind ausschließlich für den Abbau von Verbindlichkeiten vorgesehen.“

Eine mit dem Vorgang vertraute Person erklärt der Morgenpost die Hintergründe: Entwickelt sich alles wie geplant, kann Hertha zum 30. Juni dieses Jahres seine Verbindlichkeiten von 42 Millionen Euro (Stand: Juni 2012) senken auf „deutlich unter 40 Millionen“. Das erleichtert Hertha BSC das wirtschaftliche Agieren in der kommenden Saison. Und wurde von der Deutschen Fußball Liga positiv bei der Vergabe der Lizenz für die (Bundesliga-)Saison 2013/14 berücksichtigt: Der potenzielle Aufsteiger erhielt gestern die Spielberechtigung unter Auflagen.