Basketball

Alba zwischen Extraklasse und Ernüchterung

Berlins Trainer Obradovic trotz Sieg über Bonn sauer

Mit nachdenklichen Mienen absolvierten die Basketballprofis von Alba Berlin ihre Ehrenrunde. So richtig schienen sie selbst nicht zu verstehen, was passiert war: Beim 76:55 (53:22) gegen die Telekom Baskets Bonn hatte das Team zwei völlig unterschiedliche Gesichter gezeigt. Extraklasse bis zur Pause mit einem Vorsprung von 31 Punkten, danach ein Viertel mit 2:22 verloren – um am Ende wieder alles im Griff zu haben.

Damit haben die Berliner nun zumindest einen Platz im Play-off sicher. Ob man als Vierter, Fünfter oder Sechster in die entscheidende Saisonphase geht, ist noch offen. „Vielleicht waren wir uns im dritten Viertel zu sicher“, meinte Sven Schultze. „Das darf nicht passieren, ist aber passiert.“ Trainer Sasa Obradovic war allerdings stinksauer. „Ich fühle mich nicht als Sieger heute. Ich muss mich bei allen entschuldigen, die heute ein Ticket gekauft haben“, sagte der Coach.

Als die Bonner Spieler nach 20 Minuten in die Kabine schlichen, blieb ihr Trainer Michael Koch zwei Minuten auf einem Stuhl sitzen. Völlig fassungslos musste er sich erst einmal sammeln. In der achten Saison ist der Ex-Nationalspieler nun Coach in Bonn, aber eine solch niederschmetternde Leistung seiner Mannschaft in einer Halbzeit hat er wohl selten erlebt. Denn Alba führte mit 53:22. Berlin setzte die Bonner unheimlich unter Druck, so dass die Baskets kaum ins Spiel kamen. Alba hingegen wirbelte in der Offensive. Vor allem Nihad Djedovic war kaum zu halten (insgesamt 16 Punkte); sechs erfolgreiche Dreier standen bei Alba zu Buche. Die Bonner verzweifelten bei Würfen aus der Distanz, eigentlich eine ihrer Spezialitäten: In den ersten 20 Minuten traf keiner ihrer neun Versuche. Die Berliner ließen zu keiner Sekunde in Hälfte eins nach.

Doch würde Alba Intensität, Aggressivität und Konzentration weiter so hoch halten können? Die Frage ließ sich schnell mit nein beantworten: Der Dampf war raus, vielleicht war man vor 7990 Zuschauern schon in Gedanken beim Spiel am Sonnabend in Bamberg. Der Rhythmus war vollkommen dahin, Obradovic tobte. Nach 26 Minuten gelang Bonn im elften Versuch der erste Dreier zum 55:34. Alba leistete sich eine unglaubliche 0:22-Serie bis zum 55:44 (30.). 2:22 hieß die Schreckensbilanz des dritten Viertels.

Ein Dreier von DaShaun Wood (13) und Punkte von Morley (Freiwürfe nach einem persönlichen, unsportlichen und technischen Foul des Bonners Benas Veikalas) und Djedovic verschafften wieder Luft (65:46/34.) und stoppten die Bonner Aufholjagd.