Eishockey

Wenn aus dem Heimvorteil ein Nachteil wird

Eisbären und Haie gewinnen auch im Finale bisher nur auswärts

Eine Verlängerung blieb aus, spät wurde es trotzdem. Allein deshalb, weil die Wochentagsspiele im Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) eine Stunde später als üblich beginnen, also um 20.30 Uhr. Da aber die Mannschaft des EHC Eisbären den Kölner Haien im zweiten Spiel der Serie unterlag, kamen viele sogar erst weit nach Mitternacht heim. Sie standen an, warteten in langen Schlangen an den Kassen der Berliner Arena darauf, endlich ihre Karte für das zweite Heimspiel am Sonntag kaufen zu können. Dass es dies geben würde in der „Best of five“-Serie, war ja nach dem 1:1-Ausgleich durch das 1:3 in Spiel zwei besiegelt. Die Letzten standen um 00.45 Uhr an den Kassen.

Ob sich das lange Warten wirklich gelohnt hat, ist allerdings eine schwierige Frage. Heimspiele brachten dem Heimteam in diesem Duell bisher ja keinerlei Vorteil: Sechs Partien gab es in dieser Saison, dreimal traten die Eisbären in Köln an, dreimal siegten sie; dreimal waren sie zu Hause aktiv, aber dreimal nicht aktiv genug, um zu gewinnen. Dass sich das in beiden bisherigen Finalspielen fortsetzen würde, damit hatte kaum einer gerechnet.

Was lässt das Heimteam denn nun so schlecht aussehen? „So ist Sport. Wenn wir auf alles eine Antwort hätten, könnten wir darauf wetten“, sagt EHC-Trainer Don Jackson. Etwas konstruktiver wurde Uwe Krupp, Trainer der Haie. Beide Mannschaften seien annähernd auf einem Niveau, die Unterschiede nur gering. „Wenn ein Team die Führung hat, spielt es sich leichter, und für das andere ist es schwerer, da wieder heranzukommen.“ Das war am Sonntag in Köln zu sehen, als die Eisbären führten und das souverän zu Ende spielten. In Berlin wiederholte es sich, nur mit umgekehrten Vorzeichen.

Das hatte auch damit zu tun, dass die Haie sich anders präsentierten als zuvor. „Wir hatten nicht diese Nervosität und Angespanntheit wie beim letzten Mal. Dadurch konnten wir das Eishockey spielen, das uns stark macht“, sagt Krupp. Hingegen war das Zweikampfverhalten der Berliner zu zaghaft, ihnen fehlte die nötige Entschlossenheit für ein solches Finalspiel. Das ließen auch die Torschüsse erkennen. „Wir haben viel neben das Tor geschossen“, sagt Kapitän André Rankel. Manchmal kann das sogar ein probates Mittel sein, wenn der Puck von der Bande zurückspringt und zur Vorlage wird. Diesmal gingen viele Schüsse hoch am Tor vorbei, so dass damit nichts anzufangen war.

Hält die Serie, müsste das am Freitag schon wieder anders aussehen. Da tritt der Titelverteidiger zu Spiel drei in Köln an. „Wenn es so einfach wäre mit der Auswärtsserie, bräuchten wir gar nicht mehr zu spielen“, sagt Rankel. Prinzipiell hat er da Recht. Mit dem steigenden Druck könnte sich aber vieles verändern. Eine Niederlage könnte schon den Verlust der Serie bedeuten, weil der Gewinner dann nur noch einen weiteren Erfolg bis zum Titel benötigt. „Jedes Spiel bekommt jetzt mehr Wertigkeit“, erzählt Krupp. Sein Angreifer Marco Sturm sagt: „Irgendwann muss man zu Hause gewinnen, wenn man Meister werden will.“ Er spricht wirklich mit dem unpersönlichen „man“. Was natürlich in diesem Fall nicht richtig ist, denn die Eisbären könnten die Auswärtsnummer locker durchziehen – und wären am Ende der Meister, da Köln wegen der besseren Hauptrundenplatzierung ein Heimspiel mehr austragen dürfte. Müsste.

Vielleicht hätten sich die Berliner, die am frühen Mittwochmorgen als glückliche Ticketbesitzer für Spiel vier am Sonntag nach Hause kamen, lieber um Karten für die Spiele in Köln kümmern sollen.