Motorsport

Computerhacker drohen mit Angriff auf die Formel 1

Ecclestone räumt erstmals Probleme in Bahrain ein

Bahrain spielt eine sehr spezielle Rolle im Formel-1-Kosmos. Eine Insel so groß wie Hamburg, steinreich und politisch so instabil wie kein anderer Ort im Rennkalender. 2011 fiel das Rennen wegen der Umwälzungen des arabischen Frühlings aus, im vergangenen Jahr fand es trotz erheblicher Proteste von Menschenrechtsorganisationen statt. Das Grand-Prix-Wochenende wurde damals begleitet von heftigen Unruhen, bei denen es einen Toten und zahlreiche Verletzte gab. Auf ein Teamfahrzeug von Force India wurde sogar ein Molotow-Cocktail geworfen. Gefahren wurde trotzdem.

Am Sonntag steht nun das nächste Rennen an (14 Uhr MESZ), zuvor hat Formel-1-Boss Bernie Ecclestone (82) hat überraschend Verständnis für die anhaltenden Proteste in Bahrain gezeigt und angekündigt, sich im Vorfeld auch mit Vertretern der Opposition treffen zu wollen. Bis vor kurzem hatte er noch öffentlich angezweifelt, ob es überhaupt Demstrationen gibt. „Ich freue mich, mit jedem über die Probleme zu reden“, sagte der Brite und betonte, sich bereits im vergangenen Jahr mit Gegnern des Regimes getroffen zu haben. „Ich hege große Sympathien für sie“, sagte Ecclestone.

„Wenn es irgendwelche Probleme gibt, und offensichtlich gibt es Probleme, sonst würden die Menschen nicht demonstrieren, hoffe ich, dass sie ausgeräumt werden können“, sagte er: „Ich glaube nicht, dass Menschen, die sich für ihre Überzeugungen streiten, schlechte Menschen sind. Und ich glaube nicht, dass sie versuchen, andere zu verletzen, um ihren Standpunkt klarzumachen.“

Seit zwei Jahren kämpfen Oppositionelle der mehrheitlich schiitischen Bevölkerung für mehr Rechte in Bahrain, das seit Jahrhunderten von der Herrscherfamilie Al-Khalifa regiert wird – einer sunnitischen Dynastie. 80 Menschen sind seit dem Ausbruch des Arabischen Frühlings Anfang 2011 ums Leben gekommen. Allein in diesem Monat sollen bisher rund 100 Aktivisten eingesperrt und 30 verletzt worden sein. 2011 war das Rennen in Bahrain abgesagt worden, nachdem die aufkommenden Unruhen von Truppen aus dem benachbarten Saudi-Arabien blutig niedergeschlagen worden waren.

Die Hacker-Organisation Anonymous hat nun sogar mit einem Internet-Angriff gedroht, sollte das umstrittene Rennen nicht abgesagt werden. „Bernie Ecclestone und die königliche Familie haben nichts gelernt“, hieß es in einer Mitteilung der Internet-Aktivisten, „wir werden dich und die Regierung von Bahrain aus dem World Wide Web entfernen. Wir fordern Bernie auf, solange noch Zeit ist – sag dein Blutrennen ab.“ Bereits im vergangenen Jahr hatte Anonymous die Seite www.formula1.com gehackt und das Banner „Operation Bahrain“ darauf gepostet. Diesmal will man persönliche Daten derjenigen Personen veröffentlichen, die das Rennen unterstützen.