Richtlinien

Nadal fordert neue Regeln im Tennis

Spanier will Coaching-Verbot abschaffen und Zeit zum Durchschnaufen

Rafael Nadal ist ein höflicher Mensch. Bodenständiger als der spanische Tennis-Matador gibt sich kaum ein Weltstar. Die netten Worte für die Servicekräfte eines Luxushotels in Monte Carlo, sie kommen von Herzen. Die Begrüßungsküsschen für zwei Mitarbeiterinnen seiner Kampagne für ein verantwortungsvolles Trinken wirken ebenso wie sein Lausbubenlächeln absolut authentisch. Was man wahrlich nicht über jeden und alles in der Avenue Princesse Grace im mondänen Monaco sagen kann.

Doch geht es um die Tennisregeln, dann verfinstert sich die Miene von Nadal, fangen die braunen Augen an zu funkeln. Besonders das Coaching-Verbot missfällt dem siebenmaligen French-Open-Sieger, danach ist es dem Trainer untersagt, seinem Schützling während des Matches Anweisungen zu geben. „Ein bisschen verrückt“ finde er die Regel. Sie hätte „vor langer Zeit Sinn gemacht, als noch nicht jeder Spieler die Möglichkeit hatte, einen Coach dabei zu haben“, sagte Nadal. 2013 habe ja jeder einen Trainer: „Aber in den wichtigsten Momenten kann ich ihn nicht nutzen.“

Ähnlich skeptisch beurteilt der 26-Jährige die zuletzt verschärfte Zeit-Regel, die besagt, dass man 25 Sekunden nach dem letzten Ballwechsel schon wieder bereit für den nächsten Schlagabtausch sein sollte. „Die Fans mögen doch die langen Ballwechsel. Aber mit dieser Regel werden die eher verhindert“, sagt Nadal und befürchtet einen Qualitätsverlust: „Diese epischen Matches, diese besonderen Duelle – die Chancen sinken, dass wir die dann bekommen.“

Nadal sorgt sich um seinen Sport. Abhilfe verschafft für den Moment das Stichwort Tommy Haas. Über fast keinen anderen kann der Sandplatzkönig so schwärmen wie über die deutsche Nummer eins. „Tommy ist etwas Besonderes. Ich bewundere seinen Charakter, seine Einstellung“, sagte Nadal über den Miami-Halbfinalisten, der gerade für Aufsehen auf der Profitour sorgt. Besonders die Zähigkeit des 35-jährigen Haas hat es Nadal angetan: „Es ist einfach erstaunlich, was er immer wieder zeigt. Wie er nach so vielen Verletzungen, langen Wettkampfpausen und in dem Alter noch spielt.“ Haas sei ein toller Kämpfer mit fantastischen Ergebnissen – und das Woche für Woche. „Er tut dem Tennissport gut“, lobte Nadal, der in dieser Woche seinen insgesamt neunten Titel beim ATP-Masters in Monte Carlo gewinnen will.

Nach siebenmonatiger Pause wegen einer Knieverletzung im vergangenen Jahr träumt der vielleicht beste Sandplatzspieler der Geschichte aber schon von seinem achten Coup bei den French Open in Paris (ab 26. Mai). Es wäre sein zwölfter Grand-Slam-Triumph. Nadals Langzeit-Rivale Roger Federer hat derzeit 17 Major-Erfolge auf dem Konto. Bleibt die Frage, ob Nadal oder irgendjemand die Rekordmarke des Schweizers jemals knacken kann. „Aus aktueller Sicht würde ich sagen: Nein. Was er geschafft hat, ist großartig. Und es ist sehr schwer zu erreichen – für jeden“, sagt Nadal.