Bundesliga

„Aufstieg ist nur Herthas erster Schritt“

Marcel Ndjeng klettert mit Luhukay zum dritten Mal eine Liga rauf. Und weiß daher, was folgt

Am Montagabend saß Marcel Ndjeng mit seiner Freundin zu Hause auf der Couch und schaute sich die Partie des 1. FC Kaiserslautern in Aue an. Weil die Pfälzer nicht über ein 1:1 hinaus kamen, kann Ndjeng mit Hertha am Sonntag im Heimspiel gegen Sandhausen (13 Uhr) die Rückkehr in die Bundesliga perfekt machen. Es wäre bereits der dritte Aufstieg in der Karriere des 30 Jahre alten Allrounders. Mit Jörn Meyn sprach Ndjeng über das Erreichen des großen Saisonziels und das Erfolgsrezept des Trainers Jos Luhukay. Für Ndjeng aber ist der Aufstieg nur eine Momentaufnahme.

Berliner Morgenpost:

Herr Ndjeng, Sie kennen das Gefühl aufzusteigen. Es ist Ihnen schon zweimal gelungen, 2007/08 mit Mönchengladbach und 2010/11 mit Augsburg. Beschreiben Sie mal, wie sich das anfühlt!

Marcel Ndjeng:

Man realisiert eigentlich immer erst ein paar Tage später, was man da wirklich geschafft hat. Dann guckt man sich die Fotos an und denkt: „Man, war das geil, wie wir da mit den Fans gefeiert haben. Guck dir mal an, wie glücklich die Leute sind, dass wir ihren Verein nach oben gebracht haben.“ Dieses Gefühl, auch ein kleiner Aufstiegsheld zu sein, will man gar nicht mehr loslassen. Am Ende fühlt es sich auch an wie eine Belohnung für all die Schufterei. Denn das hat man ja nicht so im Vorbeilaufen geschafft. Da steckt unglaublich viel Arbeit dahinter.

Kann man das als Spieler im Moment des Aufstiegs überhaupt richtig genießen?

Für die Spieler, die es das erste Mal schaffen, wird es ein echtes Highlight werden. Und sie müssen das auch genießen. Aber eins muss uns allen klar sein: Der Aufstieg ist nur der erste Schritt zu höheren Aufgaben. Wir dürfen uns nicht damit zufrieden geben. Wir alle haben miterlebt, was hier bei Hertha im Sommer los war, als es nach dem Abstieg viel Frustration und Ärger gab. Das soll uns nicht noch einmal passieren. Wir haben als Mannschaft ein Stück Popularität zurück gewonnen. Das wollen wir beibehalten und weiter ausbauen. Der Aufstieg ist zwar ein schöner Augenblick und toll für die Vita jedes Einzelnen, aber er ist nur eine Momentaufnahme. Das schöne Gefühl müssen wir mitnehmen in die neue Saison.

Bei Ihren Aufstiegen zuvor hieß der Trainer immer Jos Luhukay. Nun könnten Sie mit ihm zum dritten Mal aufsteigen. Was ist sein Erfolgsrezept?

Es ist vor allem die menschliche Komponente bei ihm. Bei Hertha war es so: Die Mannschaft war nach dem Abstieg im Sommer am Boden – und alle wussten, dass wir unbedingt wieder aufsteigen mussten. Er hat es aber geschafft, das nie zu sehr zu thematisieren und uns den Druck zu nehmen. Er hat alles Negative von außen abgefangen, nach innen aber nie das Ziel aus den Augen verloren. Er hat immer gesagt: Wenn wir uns so verhalten, wie er es vorgibt, passieren gewisse Dinge – wie zum Beispiel ab Oktober schwer schlagbar zu sein. Als das dann wirklich eintraf, haben wir auch immer mehr Vertrauen in uns selbst gewonnen. Luhukay hat uns Eckpfeiler durch die Saison hindurch gegeben, an denen wir uns orientieren und Sicherheit holen konnten. Das macht ihn aus.

Was ist bei Hertha anders als bei den Mannschaften, mit denen Sie zuvor aufgestiegen sind?

Die Ausgangslage bei Hertha war viel schwieriger. Das war in Gladbach nicht ganz so extrem. Da hatten wir uns vorgenommen, die Rückkehr in zwei Jahren zu schaffen. Bei Augsburg war es ja überhaupt erst das allererste Mal, dass der Verein aufgestiegen ist. So groß wie bei Hertha war der Druck bei beiden Klubs nicht.

Ist der Aufstieg mit Hertha, sollte er gelingen, deshalb auch ein besonderer?

Ja, das denke ich schon. Ich habe mich vor der Saison schon gefragt, worauf ich mich da einlasse. Aber die Mannschaft hat mich und die anderen neuen Spieler sehr schnell aufgenommen. Das habe ich vorher noch nie so erlebt, und das hat geholfen, dem Druck standzuhalten.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften einer Mannschaft, um sich in der Zweiten Liga durchzusetzen?

Man darf nie das Ziel aus den Augen verlieren, vor allem nicht nach Rückschlägen. Man muss das miteinander bewältigen, und die Spieler dürfen sich nicht nur mit sich selbst beschäftigen. Wir hatten das nach dem Pokal-Aus in Worms. Danach haben wir uns als Mannschaft zusammengerauft. Seitdem hatten alle das Gefühl, als Team gefestigt zu sein. Das ist vielleicht unsere wichtigste Eigenschaft: der Zusammenhalt. Wir haben Störfaktoren von außen nie an uns herangelassen und uns gegenseitig geschützt.

Ihr Torwart Thomas Kraft hat gesagt, dass es ihm eigentlich „scheißegal“ sei, wann und wo Hertha aufsteigt. Hauptsache der Klub steigt auf. Geht es Ihnen ähnlich? Oder wäre der Aufstieg vor den eigenen Fans am Sonntag nicht doch etwas Besonderes?

Ich habe mit Augsburg erlebt, wie schön es ist, daheim vor eigenem Publikum aufzusteigen. Das ist in jedem Fall etwas ganz Besonderes. Aber Thomas hat schon recht: Am Ende ist das egal, denn wir haben nicht nur darauf hingearbeitet, aufzusteigen. Wir arbeiten dafür, dass wir auch in der kommenden Saison in der Bundesliga weiter vernünftigen Fußball spielen. Der Aufstieg ist schön und wäre noch schöner, wenn es vor den eigenen Fans passiert. Aber er ist eben nur der erste Schritt. Wir wollen auch da bestehen, wo wir hingehören, in der Bundesliga.

Was macht Sie zuversichtlich, dass Hertha dort bestehen kann?

In erster Linie stimmt mich zuversichtlich, dass Hertha nach dem Aufstieg vor zwei Jahren in der Hinrunde schon 20 Punkte geholt hatte. Das zeigt, dass man als eingespielte Mannschaft auch in der Bundesliga erfolgreich sein kann. Darüber hinaus sind wir alle so hungrig auf den Erfolg. Wir sind erleichtert, dass wir die Rückkehr in die erste Liga schaffen werden. Da wollen wir jetzt unbedingt auch bleiben.