Bayern und Dortmund

Die Bundesliga als Spielwiese

Vorfreude auf das Halbfinale der Champions League beflügelt Bayern und Dortmund

Der Tisch, an dem die Bosse des FC Bayern den Transfer von Lothar Matthäus perfekt machten. Die Werbetonne, an der Jürgen Klinsmann die Wut über seine Auswechslung ausließ. Der Taktikzettel, der Ottmar Hitzfeld so half. Im Museum des deutschen Rekordmeisters, der Erlebniswelt im Münchner Stadion, bilden Exponate die Geschichte des Klubs ab. Geht es nach Karl-Heinz Rummenigge, kommt bald eines aus Dortmund dazu.

„Ich befürchte, sein Arsch wird irgendwann bei uns im Museum landen“, sagte der Vorstandschef des FC Bayern über Jürgen Klopp. Borussia Dortmunds Trainer hatte sein Hinterteil darauf verwettet, dass die Bayern entgegen ihrer Ankündigung vor den Halbfinals in der Champions League gegen den FC Barcelona sehr wohl mit ihrem künftigen Trainer Pep Guardiola über den Gegner sprechen werden. „Da hat er ein Stück zu viel verwettet. Wenn er seine Haare verwettet hätte – da hätte er noch ein paar transplantieren können“, so Rummenigge in Anspielung auf Klopps jüngsten kosmetischen Eingriff.

Zeit für kleine Sticheleien

Die beiden erfolgreichsten Vereine Deutschlands können sich in Ruhe necken. Das Kerngeschäft Bundesliga läuft sehr gut, die Vorfreude auf magische Nächte im Europapokal steigt. Den Dortmundern hat die Auslosung Real Madrid beschert, und trotz der Euphorie um die Partien lassen sich die Spieler der beiden Rivalen nicht ablenken – die Halbfinalisten der Champions League rocken die Bundesliga. München siegte im Bayern-Derby 4:0 (3:0) über den 1. FC Nürnberg, Dortmund 6:1 (5:0) bei Greuther Fürth. Der Meister stellte weitere Rekorde auf: 25. Saisonsieg, zwölfter Erfolg in Serie, zum 19. Mal ohne Gegentor – und die Borussia kann die direkte Qualifikation zur Champions League nach dem Sieg nur noch theoretisch verspielen.

Die Liga ist für beide Mannschaften derzeit eine Spielwiese, auf der sie sich befreit austoben. Bei den Bayern freuen sich die Spieler aus der zweiten Reihe über Gelegenheiten zum Schaulaufen. Und die Dortmunder Profis schienen durch einen besonderen Tribünengast noch motivierter: Real-Trainer Jose Mourinho war zur Beobachtung des Gegners im Privatjet nach Fürth gereist. Die Borussen spielten, als wollten sie sagen: „Schau mal Mou, live sieht unser Fußball noch viel besser aus als auf DVD!“ Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach kurz mit Mourinho. Und wertet den prominenten Besuch als Zeichen, welchen Respekt die Borussia in Madrid nach dem Heimsieg in der Vorrunde genießt. Immerhin ist sie unbezwungen ins Halbfinale eingezogen – das haben selbst die Bayern noch nie geschafft. Möglicherweise war die Reise nach Franken aber auch schon eines der ersten Psycho-Spielchen, für die Mourinho bekannt ist.

„Bruce Willis kommt aus Idar-Oberstein, und Jose Mourinho war in Fürth. Sachen gibt’s“, sagte Klopp. Und nahm sich selbst auf die Schippe: Die Partie beim Tabellenletzten hätte nach der ganzen Euphorie um den 3:2-Wahnsinn gegen den FC Malaga im Viertelfinalrückspiel und der Auslosung in der Champions League „eine haarige Angelegenheit werden können, aber das ist es nicht geworden, weil meine Mannschaft hochkonzentriert war.“

Klopp und seine Spieler sorgen sich nicht, in den 90 Minuten zu viel verraten zu haben. Die Partie sei zu eindeutig gewesen, als dass Mourinho große Erkenntnisse gesammelt haben könnte – es war der höchste Auswärtssieg der Westfalen in ihrer Bundesligageschichte.

Kollege Jupp Heynckes schonte bei den Bayern fast alle Topspieler. Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger gehörten nicht einmal zum Aufgebot, auf der Ersatzbank saß Personal im Wert von rund 200 Millionen Euro. So kam Emre Can zu seinem Bundesligadebüt, auch Anatoli Timoschtschuk, Diego Contento und Rafinha durften ran. Daniel van Buyten wäre als dienstältester Bayer in der Startelf Kapitän gewesen, doch der Belgier überließ seinem Freund Franck Ribery die Binde.

Den Franzosen beflügelte das. Er spielte so, als würde es nicht gegen Timm Klose und Marvin Plattenhardt, sondern schon jetzt gegen Xavi und Lionel Messi gehen. Zwei Treffer nach 16 Minuten, das war die schnellste 2:0-Führung in der Bundesligageschichte des Derbys. Es war ein Warmschießen für das Halbfinale im DFB-Pokal gegen den VfL Wolfsburg am Dienstag. „In dieser Saison sind wir eine positive Clique“, sagte Heynckes. Er wolle, dass sich alle als Deutscher Meister fühlen können. Sein Plan geht auf: Er wechselte sogar Pierre-Emile Hojbjerg ein, der noch in der A-Jugend spielen könnte. Mit 17 Jahren und 251 Tagen ist der Däne der jüngste Spieler, der in der Bundesliga für den FC Bayern gespielt hat. Ersatztorwart Tom Starke hielt sogar einen Elfmeter mit dem Kopf, da störte es kaum, dass Mario Gomez‘ Berater erklärte, die Rolle des Ersatzspielers könne nicht von Dauer sein.