Pferdesport

Mit Weltrekordler Wewering ins zweite Jahrhundert

Trabrennbahn Mariendorf zieht die Stars der Szene an

Mit insgesamt neun Rennen und zwei Qualifikationsläufen geht es in Mariendorf heute (ab 18.15 Uhr) ins zweite Jahrhundert seit Gründung der Trabrennbahn. Man(n) trug ausnahmslos Hut an jenem 9. April 1913, als die Pferde, damals noch entgegen dem Uhrzeigersinn, erstmals das Geläuf betraten. Frau trug lange Kleider oder Röcke. Alles nett sittsam. Der sarkastische Spruch des bekennenden Pferdefreundes und englischen Premierministers Sir Winston Churchill – „Nicht jeder, der auf der Rennbahn ist, ist ein Gauner. Aber alle Gauner sind auf der Rennbahn“ – war noch unbekannt.

Hundert Jahre Mariendorf sind auch verbunden mit einem Mann, der seinen über 50.000 Starts heute fünf weitere Sulky-Fahrten hinzufügen wird: Heinz Wewering. 63 Jahre alt, mit 16.700 („und ein paar zerquetschten“) Siegen Weltrekordhalter und fahrender Geldschrank für die Besitzer der von ihm gesteuerten Pferde. In Ziffern: Wewering hat seit seinem ersten Rennen im Mai 1965 rund 48 Millionen Euro Preisgeld eingefahren. Unter anderem durch acht Siege beim Deutschen Derby, der Traditionsveranstaltung in Berlin. „Ein paar Taler sind natürlich auch bei mir hängen geblieben“, lächelt der Mann, der mit dem häufig auf ihn angewendeten Begriff „Legende“ nicht rundum glücklich ist.

„Legenden sind doch eher Leute, die tot sind. Natürlich stehe ich mit meinen Erfolgen in allen möglichen Statistiken vorn. Und es war auch immer mein höchstes Ziel, den Erfolg im Rennen über alles zu stellen. Das ist einfach Verpflichtung gegenüber dem jeweiligen Arbeitgeber und auch gegenüber sich selbst. Aber am liebsten bin ich ein guter Rennfahrer. Das reicht“, bringt Wewering seine Philosophie auf den Punkt.

Ein guter Rennfahrer in einer nicht nur für Mariendorf schwierigen Zeit. Heinz Wewering: „Das Problem ist leicht beschrieben, aber nur sehr schwer zu lösen. Die Rennpreise sinken, die Zahl der Renntage sinkt, und die Zahl der Rennen sinkt auch. Das zieht alles Mögliche nach sich. Wir bräuchten mehr Besitzer, die Pferde trainieren und laufen lassen und auch mehr Wettumsätze.“

Die Anziehungskraft der Mariendorfer Bahn, allen finanziellen Widrigkeiten zum Trotz, ist für den gebürtigen Münsteraner (exakt Albachten bei Münster) aber nach wie vor ungebrochen. „Berlin hat eine enorme Anziehungskraft. Das hat sich nach der Wende noch einmal verstärkt. Es ist für jeden Fahrer irgendwie immer interessant, in Berlin zu starten. Nicht zuletzt, weil hier ja viele der großen Rennen eines Jahres ausgetragen werden. Natürlich mit der Derbywoche (2013 vom 27. Juli bis zum 4. August, d.R.) als Höhepunkt“, sieht Wewering nach wie vor positive Aspekte.