2. Bundesliga

Özbek soll bei Union für Aufbruchstimmung sorgen

Routinier übernimmt bei Köpenickern Führungsaufgaben

Nur magere zwei Zähler aus den vergangenen drei Spielen, dazu dreimal 90 Minuten, in denen die Mannschaft des 1. FC Union so ziemlich alles hat vermissen lassen, was sie in den Wochen zuvor so ausgezeichnet hatte – es ist eine Mischung aus Enttäuschung und Erkenntnis, die sich an der Alten Försterei breit macht. Enttäuschung, dass man trotz guter Voraussetzungen nicht doch hat oben angreifen können. Und Erkenntnis darüber, was dem Berliner Fußball-Zweitligisten noch fehlt, um Relegationsplatz drei, ja die Bundesliga doch einmal ernsthaft in Angriff nehmen zu können.

„Natürlich ist das für uns eine Enttäuschung gewesen. Denn wir waren auf einem sehr guten Stand. Und ich hatte ja auch sofort gesagt: Ich will aufsteigen, wenn nicht dieses Jahr, dann nächstes“, sagte Baris Özbek. Der 26-Jährige steht wie kaum ein anderer für eben jene verpasste Chance in dieser Rückrunde. Und für das Versprechen, dass die Köpenicker Kicker zeitnah den Weg in die deutsche Eliteliga einschlagen wollen. Schon in dieser Saison „haben wir ja ein bisschen dran geglaubt, weil es machbar war. Doch dann gibt es solche Spiele wie in Cottbus, wo wir mit einem Mann mehr verlieren, oder auch bei Hertha (2:2 nach 2:0-Führung, d. Red.) und eben Frankfurt (0:3, d. Red.). Und plötzlich fehlen uns sechs, sieben Punkte, sonst würden wir ganz woanders stehen“, erklärte der Mittelfeldspieler.

Dass dies nicht der Fall ist, lag nicht zuletzt auch an ihm selbst. In der Winterpause aus der Türkei nach Berlin gewechselt, versuchte Özbek, während des laufenden Spielbetriebs die fehlende Vorbereitung aufzuholen. „Im Moment mache ich eine Power-Zeit, versuche, noch das Beste rauszuholen“ erzählt Özbek: „Ich habe viele Schichten eingelegt, versuche auch immer, noch ein wenig mehr zu laufen. Zum Beispiel die 20 Minuten, die mir im Dresden-Spiel durch die Auswechslung gefehlt haben – wo man dann auch sieht, dass nichts mehr geht –, die muss ich dann im Training nachholen.“ Kommt dann noch ein Infekt hinzu, der eine fünftägige Trainingspause nach sich zieht, ist es erst einmal wieder vorbei mit der Fitness.

Das blieb auch Trainer Uwe Neuhaus nicht verborgen, der seinen Spieler nach dem torlosen Remis gegen Dresden kritisierte: „Baris ist ganz schlecht ins Spiel gekommen, da erwarte ich mehr von ihm.“ Özbek gab sich selbstkritisch: „Ich bin keiner, der sich hinter irgendwas versteckt. Der Infekt hat mich zwar aus der Bahn geworfen. Doch das darf kein Alibi sein. Wenn man spielt, muss man alles geben.“

Diese Einstellung, gepaart mit der internationalen Erfahrung, die Özbek in fünfeinhalb Jahren in der türkischen ersten Liga (Fenerbahce Istanbul, Trabzonspor) gesammelt hat, macht ihn vielleicht zum wichtigsten Baustein im Union-Kader. Wenn jemand weiß, wie man oben angreifen kann, dann er. „Wir sind die Spieler, die dafür sorgen müssen, dass ein Spiel gut läuft", sagte Özbek. Und meint Torsten Mattuschka, Björn Jopek und sich.

Der ehemalige deutsche U21-Nationalspieler nimmt sich dabei vor allem des Youngsters Jopek (19) an. „Als ich gekommen bin, sagte man mir: Mit dir wird Jopek noch besser“, sagte Özbek, „ich nehme ihn auf dem Platz auch immer mit, remple ihn auch mal an und sage ihm: Was ist denn los? Du bist ein guter Spieler, aber wir müssen das zusammen schaffen. Als älterer, erfahrenerer Spieler muss man solchen jungen Spielern immer Tipps geben und sie fördern.“

Spieler wie Özbek, dessen Vertrag bei Union bis 2016 läuft, sind es, die in Köpenick jene Aufbruchstimmung in Richtung Bundesliga wieder entfachen können, die schon in den ersten Spielen dieses Jahres zu erkennen gewesen ist. „Die Spieler, die bei Union bleiben und dieses Ziel verwirklichen wollen, müssen schon jetzt auf dem Platz entsprechend miteinander umgehen. Wir wollen in jeder Woche zeigen, dass wir nächstes Jahr angreifen wollen“, sagte Özbek. Und nimmt sich selbst in die Pflicht: „In der nächsten Saison wird man eine ganz andere Dynamik bei mir sehen.“