Eishockey

Auf Meisterkurs

Eisbären gewinnen erstes Play-off-Finale bei den Kölner Haien 4:2. Aufregung über ein „technisches Tor“

Die Bitte des Hallensprechers verstanden einige eher als Ermunterung. Im weiten Bogen flogen Becher, Feuerzeuge und alles, was sonst zur Hand war, auf die Eisfläche. Genau das sollten die Besucher nicht tun, hatte der Sprecher gefordert. Nur brauchte die Enttäuschung der Fans der Kölner Haie offenbar dieses Ventil. Im Play-off der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) waren sie bis ins Finale gerauscht, schier unaufhaltsam. Zu Hause hatten sie nicht verloren, auch nie so viele Gegentore bekommen. Bis im ersten Aufeinandertreffen der Endspielserie der EHC Eisbären in Köln 4:2 (1:0, 1:1, 2:1) gewann. Das war für viele nur schwer zu verkraften.

Am meisten regte das Kölner Publikum das vierte Tor der Eisbären von André Rankel auf. Die Haie drückten, hatten gerade den Anschluss geschafft (2:3, Andreas Falk, 60.), Sekunden vor dem Ende den Torhüter gegen einen weiteren Feldspieler getauscht. Rankel blockte einen Schuss, rannte mit dem Puck auf das leere Tor zu und traf nur den Pfosten, weil er dabei einen Stockschlag abbekommen hatte. „Das ist dann nun mal ein technisches Tor, und das haben die Schiedsrichter gegeben“, sagte er. Die Haie-Fans vertraten einen anderen Standpunkt, ob sie regelfest waren oder nicht.

Chancen im Minutentakt

In Köln herrscht großes Verlangen nach dem Titel, seit 2002 konnten die Haie nicht mehr feiern. „Das ist unser Jahr. – Der KEC ist wieder da!“ verkündete ein Schriftzug im Stehplatzblock. Der Start misslang nun, die Eisbären führen in der „Best of five“-Serie mit 1:0 und können am Dienstag in Berlin die Richtung dieses Finales vorgeben. „Wir müssen aber sehen, dass wir noch die eine oder andere Sache verbessern können“, sagte Trainer Don Jackson. Seine Mannschaft hatte viel Gutes geboten, aber auch weniger Schönes.

Was auf die Eisbären zukommen würde, darüber waren sich die Berliner im Klaren. Als eine Mischung aus Hamburg und Krefeld beschrieben sie die Haie. Als Element der Freezers, dem Gegner im Viertelfinale, nehmen die Kölner das körperlich Aggressive mit ins Spiel, von den Pinguinen, dem Kontrahenten im Halbfinale, das Technisch-Läuferische. Die Kölner brachten beides bislang so gut zusammen, dass sie als Favorit in dieses Finale gingen. Auch deshalb, weil die Rheinländer diese Elemente noch mit unglaublich viel Entschlossenheit kombinieren. Straubing und Wolfsburg in den Runden zuvor hatten dem so gut wie nichts entgegenzusetzen.

Was dann tatsächlich ankam davon bei den Eisbären, war zunächst einmal nicht viel. Intensiv startete die Partie, ja, es wurde auch sofort ein hohes Tempo angeschlagen. Das mochten die Berliner offenbar, sie warteten nicht ab, sondern stürzten sich regelrecht in dieses Duell. Denn sie bemerkten, dass die Haie nervös waren. Deren hochgelobte Defensive spielte einen Aufbaufehlpass nach dem anderen. Das bescherte den aufrückenden Berlinern Chancen im Minutentakt. Travis Mulock traf erst die Latte (6.), dann den Pfosten (11.). Zwischendurch aber legte er für Julian Talbot den Führungstreffer auf (10.). Der Auftritt der Eisbären erinnerte an vergangene Jahre, sie dominierten. Das einzige, was nicht stimmte, war die Anzahl der Treffer, die aus den Chancen entsprang. „Wir waren ein bisschen enttäuscht, dass wir nicht mehr daraus gemacht haben“, sagte Mulock.

Jeder weiß, was dann meist folgt. Aus dem Vorteil wird ein Nachteil, weil der eigentlich unterlegene Gegner im Spiel gehalten wird. Und neuen Mut schöpft. Das taten auch die Haie. Ganz anders bestritten sie das zweite Drittel, so, wie sie in der Saison immer aufgetreten waren. Mit Vorwärtsdrang, mit Elan, mit Spielfreude. „Das war zu erwarten, aber wir waren trotzdem nicht mehr so aggressiv in den Zweikämpfen“, sagte Kapitän Rankel. Ein Fehler in der eigenen Zone von Corey Locke führte zum schnellen Ausgleich durch Falk (23.). Die Berliner verloren ihre Linie, Köln übernahm die dominante Rolle, und Rob Zepp im EHC-Tor, der zuvor kaum eingreifen musste, kam mächtig ins Schwitzen.

Besser als die Berliner machten es die Haie allerdings auch nicht. Im Gegenteil, die Eisbären demonstrierten nun Effizienz. Als Björn Krupp, der Sohn von Haie-Trainer Uwe Krupp, hinter dem eigenen Tor den Puck an Julian Talbot verlor, nutzte Travis Mulock eine ihrer wenigen Möglichkeiten im zweiten Abschnitt zur erneuten Führung der Eisbären (39.). Wenn die Berliner zuletzt mit einem Vorsprung in das letzte Drittel gingen, dann gaben sie diesen nicht mehr her. Dadurch haben sie sich eine große Nervenstärke erarbeitet. „Sie haben sich in eine Position gebracht, wo sie das Ergebnis verwalten konnten. Da sind wir auch mit Druck nicht mehr reingekommen“, sagte Uwe Krupp.

Ihren Blick richteten die Eisbären darauf, das Spiel zu kontrollieren, ruhig zu bleiben. Und die Gelegenheit zu nutzen, wenn sie da ist. Das übernahm Darin Olver, der zum 3:1 traf (47.) und den meisten der 18.366 Zuschauer in der Arena schon den Nachtmittag vermieste. Rankel sah dies als den entscheidenden Punkt des Spiels an. Trotzdem sorgte er noch einmal für viel Aufregung auf den Rängen.