Champions League

„Es stehen die besten Klubs im Halbfinale“

Joachim Löw freut sich über Champions-League-Auslosung

Natürlich hat auch der Fußball-Bundestrainer am Freitag mitgefiebert. Immerhin ging es bei der Auslosung in Nyon/Schweiz um das Champions-League-Halbfinale, in dem rund ein Dutzend deutsche Nationalspieler stehen. Als Bayern München den FC Barcelona zugelost bekam und Dortmund Real Madrid, jubelte Joachim Löw. Im Interview mit Morgenpost-Redakteur Lars Wallrodt spricht der 53-jährige Löw über die Vorschlussrunde in der Königsklasse.

Berliner Morgenpost:

Herr Löw, wie bewerten Sie die Halbfinalauslosung in der Champions League?

Joachim Löw:

Ich bin froh, dass es im Halbfinale nicht zu einem deutschen Duell kommt.

Zweimal Spanien, zweimal Deutschland – spiegelt das das aktuelle Kräfteverhältnis im Weltfußball wider?

Grundsätzlich müssen wir Entwicklungen über mehrere Jahre sehen, um Tendenzen abzulesen. Darum bewerte ich es nicht über, dass nun zwei deutsche und zwei spanische Mannschaften im Halbfinale der Champions League spielen. In diesem Jahr stehen die besten Klubs im Halbfinale. In allen Spielen war zu sehen, dass diese vier Mannschaften in dieser Saison die besten waren.

Ist Borussia Dortmund das schwächste Team im Halbfinale, wie Bayern-Präsident Uli Hoeneß sagt?

Es sind vier Mannschaften übrig, die auf höchstem Niveau spielen, alle mit großer Qualität. Keines dieser Teams ist als das schwächste auszumachen. Jetzt ist alles möglich. Dortmund wird sehr stark sein, denn jetzt beginnt die Champions League richtig. Das ist wie bei einer EM oder WM. Jetzt kommt es auf Kleinigkeiten an, auf Tagesform. Es wird sehr spannend.

Wie ähnlich sind sich der spanische und der deutsche Fußball?

Das ist schwer zu vergleichen. Selbst Barcelona und Madrid spielen ja unterschiedlichen Fußball. Beide Vereine haben unterschiedliche Philosophien. Real zum Beispiel legt immer viel Wert darauf, große Stars in den Verein zu holen. Barcelona versucht, 80 bis 90 Prozent seines Kaders mit selbst ausgebildeten Spielern zu füllen. Auch Bayern und Dortmund sind unterschiedlich in der Ausrichtung. Darum sehe ich es nicht so sehr als deutsch-spanisches Duell, sondern mehr als Kampf zwischen vier großartigen, aber sehr unterschiedlichen Mannschaften.

Also wird es im Halbfinale keine Niveauunterschiede geben?

Kaum. Die Chancen auf den Finaleinzug sind ausgeglichen. Es gibt unterschiedliche Charakteristiken der einzelnen Mannschaften. Wir werden sehen, wer in zwei Spielen die eigenen Stärken am besten auf den Platz bringt. Es gibt ja so viele Unwägbarkeiten: Verletzungen, Platzverweise, Elfmeterschießen. Wer ins Finale will, braucht auch ein bisschen Glück. Alle vier Mannschaften haben ihre Chancen.

Werden Deutschland und Spanien auf Jahre an der Spitze sein?

Nein, das glaube ich nicht. Was wir derzeit sehen, ist eine Momentaufnahme. Dortmund ist im vergangenen Jahr in der Vorrunde ausgeschieden. Um zu sagen, dass du den Weltfußball beherrschst, musst du die Leistung über mehrere Jahre bringen, so wie zuletzt Bayern oder Barcelona. Ich bin sicher, dass die Engländer mit Manchester United und FC Chelsea bald wieder ganz vorn mit dabei sein werden. Auch die Italiener sind in den vergangenen zwei, drei Jahren wieder besser geworden. Und wir dürfen Paris St. Germain nicht vergessen. Darum ist es keinesfalls selbstverständlich, dass nur deutsche oder spanische Vereine in den kommenden Jahren vorn in der Champions League dabei sein werden. Schön wäre es, aber ich halte das nicht für realistisch.

Und auf Länderebene?

Da ist Spanien ein ganz großer, aber ebenfalls nicht der einzige Konkurrent. In Europa sehe ich da England, Italien, Spanien, Frankreich auf Augenhöhe, nicht zu vergessen die Niederlande. Und mit Blick auf ein WM-Turnier gehören nach wie vor die Südamerikaner immer zu den Titelanwärtern, allen voran Brasilien und Argentinien. Es wäre völlig verkehrt, nur noch in Spanien den einzigen Konkurrenten zu sehen.