Jubiläum

Geburtstagsfeier in der Kreisliga B

Der Berliner FC Germania, Deutschlands ältester Fußballklub, wird heute 125 Jahre alt

Nach und nach treffen die ersten A-Jugendlichen auf dem Sportgelände an der Götzstraße in Berlin-Tempelhof ein. Bevor sie in die Kabine gehen und sich ihr rot-weißes Trikot überziehen, winken sie einem Herrn mit weißen Haaren zu: „Hallo, Kraschi!“ So begrüßen sie Heinz-Dietrich Kraschewski, seit neun Jahren Präsident des Berliner Fußball-Clubs Germania 1888. Sein Verein feiert in diesem Jahr 125. Geburtstag und ist damit der älteste Fußballklub Deutschlands. Kraschewski trat 1963 ein, erlebte 50 Jahre als Mitglied. Er erinnert sich: „Wir haben damals in Tempelhof einen Verein zum Kicken gesucht und uns für die Germania entschieden. Die hatte einfach die besten Trikots.“

Als Germania kurz nach der Vereinsgründung am 15. April 1888 an der ersten inoffiziellen Deutschen Meisterschaft teilnahm, trugen die Spieler noch Knickerbocker. 1890 und 1891 gewann Germania den Titel gegen sechs im Bund Deutscher Fußballspieler zusammengeschlossene Vereine. Als „Fußlümmelei“ wurde der Fußball beschimpft. Im ersten Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft 1908 gegen die Schweiz stellte Germania in Fritz Baumgarten den Torhüter. Das geht aus Unterlagen hervor, die der Klub im Vereinsheim präsentiert. Für Kraschewski sind sie „der ganze Stolz des Vereins“.

Stolz ist Germania auch auf seinen Namenszusatz „Ältester Fußballverein Deutschlands“, den der Deutsche Fußball-Bund dem Verein 1977 verlieh und mit dem der Klub auf Wimpeln, Aufklebern und Bannern wirbt. „Wir haben das damals einfach so hingenommen“, sagt Kraschewski, der zu jener Zeit als Torhüter auf dem Feld stand. Erst langsam reifte das Bewusstsein, etwas ganz Besonderes zu sein: „Wir sind älter als Bochum, 1860 München (dort wurde die Fußballabteilung erst 1899 gegründet – d.R.) und der Hamburger SV.“

Festakt im Rathaus Schöneberg

Allerdings nicht so erfolgreich. Der vorerst letzte Triumph datiert aus dem Jahr 2003, da wurde der Aufstieg in die Verbandsliga gefeiert. Durch die Hilfe eines Sponsors konnte sich Germania drei Jahre lang in der höchsten Berliner Spielklasse halten. Dann zog sich der Geldgeber zurück. Mit ihm gingen erst die besten Spieler und dann der Erfolg. Heute spielt Germania in der Kreisliga B – das ist die zehnthöchste Spielklasse. Es kommen nur noch wenige junge Spieler zum Tempelhofer Verein. Mit Flugzetteln vor dem Sportheim werben die Verantwortlichen um Jugendliche. „Vielleicht gibt es in Berlin einfach zu viele Fußballvereine“, sagt der Präsident und zuckt mit den Schultern.

Das Jubiläumsjahr möchte er nutzen, mit der glorreichen Historie die blasse Gegenwart etwas aufzupolieren. Er will den verbliebenen jungen Spielern vom Mythos Germania erzählen: „Wir möchten, dass jeder weiß, wo er hier ist.“ Heute findet ein Feierakt im Rathaus Schöneberg statt. Auch Klaus Wowereit ist eingeladen. Kraschewski glaubt allerdings nicht, dass Berlins Regierender Bürgermeister Zeit finden wird. Um das Jubiläum abzuschließen, plante Germania ein Spiel gegen den FC Sheffield von 1857, den ältesten Fußballverein der Welt. Die Engländer haben das Spiel allerdings „aus verschiedenen Gründen“ abgesagt, erklärt Kraschewski traurig. Er hatte sich das wirklich schön vorgestellt. Die Partie hätte auf dem Tempelhofer Feld stattfinden sollen, jener historischen Stätte, wo der Verein bereits 1905 gegen die Amateure von Civil Service London 3:2 gewonnen hatte.

Aufstieg ist das Ziel

Bevor sich Germania den Feierlichkeiten widmet, muss aber erst das Saisonziel in der Kreisliga B erreicht werden. Und das heißt Klassenverbleib. Am Sonnabend ging es gegen den FC Al-Kauthar. Das Team von Trainer Attila Sönmez erkämpfte nach 1:3-Rückstand noch ein 3:3 und liegt nun zehn Spieltage vor Saisonschluss fünf Punkte vor den Abstiegsrängen. Es sei derzeit „ein Aufbruch in der Mannschaft“ zu spüren, sagt Kraschewski optimistisch. „Wir halten die Klasse, und im nächsten Jahr steigen wir auf!“

Der Präsident will auch eine Liga höher Woche für Woche an der Seitenlinie stehen. Er denkt nicht ans Aufhören. „Wenn sich jemand finden lässt, der mich ein wenig entlastet, wäre das okay“, sagt der 60-Jährige, „aber ich habe das Glück, dass ich hier um die Ecke wohne. Dank der kurzen Wege kann ich immer wieder ein Jahr zusätzlich investieren. Und eines ist ja sowieso klar: Germane bist du fürs ganze Leben.“