Basketball

Zoff bei Alba: Schaffartzik geht auf die Chefs los

Kritik an Manager Baldi und Sportdirektor Demirel

Als Yassin Idbihi vor dem Training Donnerstagfrüh von einigen Journalisten umringt wurde, wusste er schon, was kommen würde. „Kein Kommentar“, sagte der Basketball-Profi von Alba Berlin und ließ Fragen, die nichts mit dem Sportlichen zu tun haben, unbeantwortet. Seine Begründung: „Das lenkt mich nur ab.“ Am Sonnabend muss Alba (19 Uhr, O2 World) gegen den Mitteldeutschen BC antreten.

In den Medien war der 29-Jährige nach dem vergangenen Wochenende von den Verantwortlichen beim Bundesligisten in den Senkel gestellt worden: Es ging darum, dass sich Vertragsverhandlungen mit dem Center schon seit Längerem hinziehen; Idbihi wollte eigentlich seinen im Sommer auslaufenden Vertrag verlängern, dann wechselte er den Berater, brauchte weitere Bedenkzeit. Es war ein ziemliches Hin und Her.

Albas Geschäftsführer Marco Baldi war wenig amüsiert: „Wir können keinen zwingen. Er kann fünfmal erzählen, dass er bleiben will, dann muss er es auch tun.“ Sprich: unterschreiben. Sportdirektor Mithat Demirel ergänzte: „Wir brauchen keine Leute, die hier nicht sein möchten.“ Gegenüber der Berliner Morgenpost hatte Idbihi bereits am Montag erklärt: „Es war mein Fehler, ich würde gerne so lange in Berlin spielen wie möglich. Deshalb habe ich mich bei Mithat entschuldigt.“

Unruhe bei den Ausländern

Fall erledigt? Nein, denn die ganze Sache hat offenbar für einige Unruhe innerhalb der Mannschaft gesorgt. Im Gegensatz zu Idbihi schwieg sein Kollege Heiko Schaffartzik nicht. Es seiam Dienstag „ein großes Gesprächsthema“ im Team gewesen, berichtete der Nationalspieler. Die Schelte via Medien kam in der Mannschaft vor der Partie in Braunschweig nicht gut an. „Vor allem die ausländischen Spieler sind verwundert und verunsichert, wie mit einem Spieler umgegangen wird.“

Yassin Idbihi hat ein sehr hohes Standing innerhalb des Teams. Dementsprechend sei die Stimmung unter den Kollegen, so Schaffartzik: „Die Spieler denken doch: Wenn Yassin, den jeder wertschätzt und der immer alles fürs Team gibt, so fertig gemacht wird, was ist dann mit mir…“ Der Spielmacher spricht von „Empathie, die entstanden ist“.

Die öffentliche Maßregelung schwebt nun über einer Mannschaft, die gerade der entscheidenden Saisonphase entgegengeht und die eher eine konfliktfreie Atmosphäre benötigt. „Wenn Herr Demirel und Herr Baldi meinen, den Klub so führen zu müssen, dann müssen sie ihn eben so führen“, sagte Schaffartzik. Verbunden aber mit dem Wunsch: „Hoffentlich lässt sich das reparieren.“

Cheftrainer Sasa Obradovic war jedenfalls alles andere als begeistert von Schaffartziks Aussagen. „Es ist nicht seine Aufgabe, das zu kommentieren“, meinte der Serbe. Und gab gleich mal die Parole aus: „Alle sollten sich auf Basketball konzentrieren.“

Eben gleich auf das Spiel gegen den Mitteldeutschen BC, in dem ein Sieg Pflicht ist, um die Chance auf Rang vier vor dem Play-off zu erhalten. Wegen einer Entzündung an der Plantarsehne (Fußsohle) wird Zach Morley dann wohl weiter fehlen, Nihad Djedovic, der im Training wegen einer Zahn-Operation fehlte, dürfte hingegen dabei sein.