Ronny

Der Liebling der Hertha-Fans lässt sein Herz entscheiden

Einen Spieler bewahrte sich Hertha-Stadionsprecher Fabian von Wachsmann bei der Verkündung der Mannschaftsaufstellung bis zum Schluss auf.

Dann rief er den Anhängern zu: „Ronny hat auf sein Herz gehört und bis 2017 verlängert.“ Damit hatten die blau-weißen Fans kurz vor Anpfiff des Spitzenspiels gegen Braunschweig nicht gerechnet. Sie jubelten und feierten den Top-Torschützen des Teams mit Sprechchören.

Für Hertha-Manager Michael Preetz geht mit der Unterschrift des Brasilianers unter dem Vier-Jahres-Vertrag ein wochenlanger Poker zu Ende. Nicht ohne Stolz sagte er: „Wir sind sehr froh, dass Ronny dem Verein erhalten bleibt. Er ist nicht nur ein fantastischer Fußballer, sondern auch ein wirklicher Publikumsliebling.“ Der Manager hatte stets betont, für den 26-Jährigen zwar an die Grenzen zu gehen: „Aber wir werden keine verrückten Sachen machen. Platt gesagt ging es um Geld oder Liebe. Aber ich kann versichern, dass er bei uns auch nicht mit Erdnüssen bezahlt wird.“ Ronny galt immer als wichtiger Baustein für das Team, das im nächsten Jahr in der Bundesliga bestehen und Hertha aus dem Auf und Ab vergangener Jahre befreien soll.

Wohlfühlklima ist wichtiger

Nur wenige Stunden vor seinem 50. Zweitligaspiel unterzeichnete Ronny den neuen Vertrag auf der Geschäftsstelle. Mit der Unterschrift entschied er sich gegen Angebote von Bundesliga-Vereinen. Neben Leverkusen sollen Mönchengladbach und Bremen an ihm interessiert gewesen sein. Sogar im Ausland weckte der Hertha-Regisseur Interesse. Erst vor einer Woche hatten Vertreter des Klubs al-Ahli bei Ronny vor der Haustür gestanden und lockten mit einem Millionenangebot. „Ich bin glücklich, denn ich habe mich für mein Herz entschieden – meine Liebe gehört Hertha BSC und seinen einmaligen Fans!“, ließ der so umworbene Brasilianer nun überschwänglich verlauten.

Dessen Berater Dino Lamberti hatte von Beginn an klar gemacht, dass nicht allein das Geld den Ausschlag geben würde. „Trainer Jos Luhukay ist ein ganz großer Pluspunkt für Hertha“, sagte der Schweizer zur Morgenpost. Der Coach hatte Ronny in dessen drittem Jahr bei Hertha zum Durchbruch verholfen. Er setzte den Brasilianer nicht mehr auf dem Flügel ein. Stattdessen durfte er als Regisseur im Mittelfeld mit allen Freiheiten auftreten. Von der Defensivarbeit ist er weitestgehend befreit. 16 Tore und 13 Vorlagen geben Luhukay in seiner Entscheidung Recht.

Mit der Unterschrift bei Hertha wählen Ronny und sein Berater die sichere Variante im Vertragspoker. Zum einen wissen sie, dass der Klub mit Preetz einen Manager besitzt, der von Ronny überzeugt ist und das auch zeigte, als der Brasilianer in den ersten beiden Jahren alles andere als gute Leistungen brachte. „Wir sind Herrn Preetz für das Vertrauen sehr dankbar“, sagte Lamberti. Außerdem hat es der Verein verstanden, um Ronny ein Wohlfühlklima zu erzeugen, das er anderswo wohl kaum so schnell wiederfinden dürfte. Sein Bruder Raffael, der erst im vergangenen Sommer von Hertha nach Kiew wechselte und momentan an Schalke ausgeliehen ist, trauert beispielsweise jetzt seiner Zeit in Berlin hinterher.