Sponsorvertrag

„Wir wollen eine neue Kultur mit Fairness und Respekt etablieren“

Hertha und Deutsche Bahn verlängern ihren Sponsorvertrag, der eine Randaleklausel enthält

Als Hertha-Präsident Werner Gegenbauer bei der Präsentation des neuen Zwei-Jahres-Vertrages mit Hauptsponsor Deutsche Bahn hoch oben im 21. Stock des Bahntowers am Potsdamer Platz das Wort ergriff, fehlten ihm zuerst die Worte. Der 62-Jährige stockte jedoch nur kurz: „Ich sage erst einmal danke schön. Das war keine einfache Zeit.“

Damit wies Gegenbauer kurz auf den erneuten Abstieg aus der Bundesliga und die Randale in den Relegationsspielen gegen Fortuna Düsseldorf hin. Der Verein kann über den neuen Vertrag mit der Bahn, deren Logo seit 2006 auf der Hertha-Brust prangt, sehr froh sein. 4,5 Millionen Euro bekommt der Klub pro Jahr Bundesliga-Zugehörigkeit ab der nächsten Saison. „Trotz der Unzulänglichkeiten im sportlichen Bereich und der verbockten Außendarstellung“, wie Gegenbauer es unverblümt ausdrückte. „Hier ist Vertrauen gewachsen und wir werden alles dafür tun, es nicht erneut zu enttäuschen.“ Einen Vertrauensvorschuss gibt die Bahn und verzichtete auf eine erneute Ausstiegsklausel für den Fall eines Abstiegs aus der Bundesliga. „Wir stehen in guten wie in schlechten Zeiten zu Hertha“, sagte Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube.

Dafür setzt das Unternehmen bei seinem Sponsoring einen anderen Schwerpunkt. „Wir wollen eine neue Fankultur etablieren, die von Fairness und Respekt geprägt ist. Wir wollen fördern und fordern“, so der Bahnchef. Damit reagiert die Bahn als erster Hauptsponsor der Bundesliga direkt auf Ausschreitungen in Stadien und Randale von Fußballfans bei Auswärtsfahrten.

Diese Punkte sind Teil des Sponsorenvertrags und haben für Hertha direkte finanzielle Auswirkungen. Zwischen Verein und der Bahn gibt es eine Zielvereinbarung, bei deren Erfüllung der chronisch klammen Hertha Bonuszahlungen winken. Der im Vertrag genannte Fixbetrag von 4,5 Millionen Euro bleibt aber bei erneutem Fehlverhalten der Hertha-Fans unangetastet und kann somit im Lizenzierungsverfahren an die Deutsche Fußball-Liga (DFL) übermittelt werden.

Im Verein werden die in Aussicht gestellten Bonuszahlungen mit Prämien beim Erreichen von sportlichen Zielen verglichen. Auch Bahnchef Grube hebt die positive Wirkung hervor. „Wenn wir die gemeinsam gesteckten Ziele erreichen, gibt es mehr. Wir wollten hier bewusst einen Impuls setzen und hoffen, dass unser Berliner Modell eine Blaupause für die Bundesliga wird.

Die Bahn verfolgt bei der als Randaleklausel bekannt gewordenen Vereinbarung zwei verschiedene Anliegen. Zum einen möchte sie als Sponsor nicht Teil negativer Berichterstattung um den Klub werden. So lässt das Unternehmen durchblicken, dass es die Vorfälle rund um das Relegationsrückspiel in Düsseldorf als Zumutung empfand. Hertha-Fans sorgten durch massiven Einsatz von bengalischen Feuern dafür, dass das Spiel beinahe abgebrochen worden wäre.

Die zweite Zielrichtung der Klausel betrifft die Bahn selbst. Sie möchte, dass sich Fans bei Auswärtsreisen mit der Bahn besser benehmen. Nicht nur, weil der Konzern an den Folgen des Vandalismus leidet, sondern auch weil diese Störungen andere Fahrgäste verschrecken und Störungen im Betriebsablauf verursachen. „Durch Fanrandale entsteht uns ein starker wirtschaftlicher Schaden“, so Grube.

Wie die erhoffte Verbesserung der Fankultur konkret umgesetzt werden soll, blieb offen. Klar ist, dass alle Betroffenen wie Fans, Polizisten und Verbandsvertreter an den Tisch geholt werden sollen. Ein bloßer Papiertiger soll die Fan-Klausel nicht sein. „Texte und ein Fankodex sind gut. Aber das Verhalten ist wichtig“, macht Grube klar. „Es geht um Kommunikation. Wir müssen mit den Fans reden, statt nur über sie.“ Als ersten konkreten Schritt übergab der Bahn-Chef Hertha einen Scheck über 10.000 Euro als Anschubfinanzierung für den Bau eines Fanhauses in der Nähe des Olympiastadions.

Schlagfertiger Präsident

Trotz der hoch gesteckten Ziele und Wünsche geben sich weder Hertha noch die Bahn Illusionen hin. „Wir erwarten keine Wunder. Das wird ein langer Weg. Drei Jahre zur Erreichung des Ziels wären schnell, fünf Jahre wären gut“, skizzierte Grube seine Erwartungen. Hertha-Präsident Werner Gegenbauer hatte seine Schlagfertigkeit längst wiedergefunden und meinte trocken: „Wir sind froh zu hören, dass die Zusammenarbeit auf drei bis fünf Jahre angelegt ist.“