Hertha BSC

Berlin feiert Ronny

Der Brasilianer verlängert seinen Vertrag bis 2017 und trifft zweimal beim 3:0 gegen Braunschweig

Deniz Dogan wirkte wie ein Statist. Leichtfüßig enteilte Adrian Ramos dem Eintracht-Kapitän, zog quer durch den Strafraum und chippte den Ball über Braunschweigs Torwart Daniel Davari hoch ins Netz, 2:0. Was für ein spektakuläres Tor, mit dem der Hertha-Torjäger den Abend entschied. Ein Tor, das den Unterschied in diesem Topspiel zeigte. Wie schon gegen den Tabellendritten aus Kaiserslautern (1:0) demonstrierte Hertha BSC auch gegen den -zweiten aus Braunschweig, wer in der Zweiten Liga das Maß der Dinge ist. Nach dem 3:0 (1:0) ist der Aufstieg zum Greifen nah. Hertha liegt nun 14 Punkte vor dem dritten Platz, bei sechs ausstehenden Partien. „Das war ein toller Abend für Berlin und für Hertha“, sagte Manager Michael Preetz, „das war unser bestes Spiel in dieser Saison.“ Dazu die Vertragsverlängerung mit Ronny (siehe Artikel rechts) – es war für Hertha ein perfekter Abend. Obwohl Trainer Jos Luhukay noch bremste: „Wir haben ein fantastisches Spiel gemacht. Aber nun müssen uns auf das nächste Spiel konzentrieren. Da sind wir bisher gut damit gefahren.“

Niemeyer mit Gehirnerschütterung

Vor dem Anpfiff zeigten sich einige Braunschweiger Anhänger als schlechte Gäste, in ihrem Block brannten Dutzende Pyrofeuer. Der nächste Aufreger war ein unglücklicher. Peter Niemeyer prallte mit Braunschweigs Norman Theuerkauf zusammen. Der Hertha-Kapitän schien kurzzeitig k.o. zu sein. Er wurde sofort ins Krankenhaus transportiert. Die erste Diagnose lautete: schwere Gehirnerschütterung. Der junge Vater verbrachte die Nacht in der Klinik, er wird für das Spiel am Freitag beim FC Ingolstadt ausfallen.

Dann nahm die Partie Fahrt auf – allerdings spielte nur eine Mannschaft. Die Hausherren dominierten, Angriffswelle auf Angriffswelle wurde gefahren. Hertha wirkte entschlossen. Als nach einer guten halben Stunde der sicher leitende Schiedsrichter Peter Gagelmann auf Freistoß für Hertha entschied, 22 Meter vor dem Braunschweiger Tor – ahnte es das ganze Stadion: Ronny-Entfernung. Ein Begriff, den sämtliche Gäste-Trainer ihren Teams mit auf den Weg geben: Diese Distanz gilt es unbedingt zu vermeiden. Ronny legte sich den Ball zurecht und jagte ihn mitten durch die Mauer, das Spielgerät wurde noch abgefälscht und landete unten links im Netz, 1:0, da machte Eintracht-Schlussmann Davari keine gute Figur (34.).

Ronny lief weg von den Kollegen, hin zur Ehrentribüne, wo seine Familie sitzt und zeigte mit beiden Armen in den Himmel. Freude pur, nachdem er schon den ersten Begeisterungssturm mit der Nachricht seiner Vertragsverlängerung hervorgerufen hatte. Trotz des Ausfalls von Niemeyer stand die neue Doppelsechs mit Peer Kluge und dem eingewechselten Alfredo Morales sicher. In der Abwehr raubten Fabian Lustenberger und John Brooks dem besten Torjäger der Liga, Braunschweigs Domi Kumbela, jegliche Lust am Spielen, er gewann so gut wie keinen Zweikampf. Im Vorwärtsgang versäumte Hertha es, die Führung auszubauen. Ronny vergab direkt nach der Pause eine gute Gelegenheit (47.).

Das fiel aber nicht weiter auf. Acht Minuten später schickte der Brasilianer seinen kolumbianischen Kumpel Ramos, der einen spektakulären Lauf zum zweiten Treffer hinlegte. Es war das zehnte Saisontor von Ramos. Nach 76 Minuten erreichte die Feierstimmung der 51.029 Zuschauer ihren Höhepunkt. Der agile Sami Allagui konnte nur per Foul unmittelbar vor dem Strafraum gestoppt werden. Und der Albtraum aller Torwarte dieser Liga wiederholte sich: Egal, wie lange sich die Abwehrmauer bitten ließ, bis sie die vorgeschriebenen 9,15 Meter Abstand zum Ball einnahm. Egal, wer wie hoch springt, egal, in welcher Ecke der Torwart sich postiert – der Ausgang ist derselbe. Ronny wartete, bis der Schiedsrichter das Spiel freigab. Erneut entschied er sich für die Brachialvariante. Auch diesmal tat sich eine Lücke auf, mit Urgewalt sauste der Ball ins Tor, 3:0. Es war der elfte Freistoß-Treffer des Brasilianers, insgesamt das 28. Hertha-Tor, das aus einer Standardsituation entstand, beides Bestwerte der Liga.

Nur eine Eintracht-Chance

Am 28. Spieltag bestätigte Hertha den seit Wochen anhaltenden Eindruck: Die Mannschaft entwächst der Liga. Braunschweig, immerhin ungefährdeter Tabellenzweiter, brachte in 90 Minuten nur eine einzige gefährliche Aktion zustande, ein Kopfball von Bicakcic strich knapp am linken Pfosten vorbei (39.). Ansonsten fand die Eintracht nicht statt. Sie fand keinerlei Mittel, um wenigstens für ein paar Minuten Druck auf das Hertha-Tor aufzubauen.

Die Berliner schickten den ärgsten Verfolger mit einigem Stoff zum Nachdenken heim nach Niedersachsen. Braunschweig kassierte die höchste Saisonniederlage. Hertha ist weiter als einziges Team im deutschen Profifußball im eigenen Stadion ungeschlagen. Gegen Braunschweig spielte die Mannschaft vor Torwart Thomas Kraft zum achten Mal im Olympiastadion zu Null. „Das war ein wichtiger Schritt“, strahlte Lustenberger. „Die zweitbeste Mannschaft der Liga hat uns vor keine Probleme gestellt. Mit etwas Glück können wir am nächsten Spieltag aufsteigen.“

Um dies perfekt zu machen, braucht Hertha am Freitag drei Punkte in Ingolstadt. Und der Dritte, der 1. FC Kaiserslautern, darf am kommenden Montag in Aue nicht gewinnen.